16. Mai 2014

EZB Abrakadabra, es werde Geld

Wenn es ernst wird, muss man lügen

Nächste Woche Mittwoch ist es wieder soweit. Dann trifft sich der EZB-Rat in Frankfurt, um über eine weitere Lockerung der Geldpolitik zu entscheiden. Dann sitzen die 24 Geldpropheten um ihren runden Tisch vor ihrer Glaskugel und befragen sie: Abrakadabra, wie hoch wird die Inflation ausfallen? Abrakadabra, ist die Deflation gebannt? Abrakadabra, wie kann die Kreditvergabe der Banken erhöht werden? Und Abrakadabra, wie viel Geld sollen wir für die Menschen drucken?

Ich konnte vorab in die Glaskugel schauen und weiß, was rauskommt. Abrakadabra, es werde Geld. Viel Geld! Die Inflation in diesem Jahr wird geringer ausfallen, als die Geldplaner vorausgesagt haben. Das Planziel von zwei Prozent wird nicht erreicht. Sie haben also Glück gehabt, denn Sie werden nicht so stark enteignet, wie ursprünglich von der Planbehörde beabsichtigt war. Aber fühlen Sie sich bitte nicht zu sicher. Nach Auffassung der obersten Planbehörde wird das nachgeholt – ganz sicher! Stellen Sie sich darauf ein. Denn die Karawane lässt sich wohl nicht aufhalten. Sie werden die Krise mit den Mitteln bekämpfen, die zur Krise geführt haben – mit noch mehr Kredit und damit Schulden.

Denn die Geldpropheten sehen in der stagnierenden Kreditvergabe die Ursache, warum die Konjunktur in der Euro-Zone nicht anspringt. In ihren Augen führt mehr Kredit und damit Geld zu mehr Wirtschaftswachstum.

Dafür gibt es ein historisches Vorbild – den Euro selbst. In den Schönwetterjahren des frühen Euro hat diese Planwirtschaft sehr gut funktioniert. Die Zinsen waren billig, die Geld- und Kreditmengen wuchsen jährlich fast zweistellig und das Wirtschaftswunder in Spanien, Portugal, Griechenland, Zypern und Irland war geschaffen. Ähnlich sah es in den USA aus.

Deshalb wird EZB-Präsident Mario Draghi den Leitzins auf Null senken und erneut die „dicke Bertha“ aus der Kiste holen und noch mehr billiges Geld als 2011/2012 (1.000 Milliarden Euro) den Banken aufdrängen. Doch dieses Mal mit „Zuckerbrot und Peitsche“. Wenn die Banken die Gelder nicht als Kredit weiterreichen und sie es stattdessen über Nacht bei der EZB parken wollen, müssen sie einen Strafzins bezahlen. Das ist dann ihre letzte Chance. Im Herbst kommt sonst der harte „Besen“ mit dem Bankenstresstest. Folgen die Banken der Aufforderung zur höheren Kreditvergabe nicht, dann kommt ihre Verstaatlichung im Sauseschritt. Das Drehbuch dafür ist mit der Schaffung der Bankenunion längst geschrieben. Wie hat es Karlspreisträger Jean-Claude Juncker doch so ehrlich während der Finanzkrise 2011 formuliert: „Wenn es ernst wird, muss man lügen.“


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