28. Mai 2014

Staatsindustrie Ein Schwarzes Loch

Die Systemblase wächst

Wie das Geldsystem funktioniert, hat sich in Teilen mittlerweile herumgesprochen. Geld wird über Kreditvergabe aus dem Nichts geschaffen, wobei die virtuelle Geldmenge über den Zinseszins-Effekt exponentiell, das heißt immer schneller, wächst, bis die Wachstumskurve irgendwann fast senkrecht nach oben schießt – also in der vollkommenen Irrealität angelangt ist – was dann zum logischen Zusammenbruch des Systems führt, weil die Bewegung auf der X-Achse Null ist, während sie auf der Y-Achse gegen unendlich tendiert.

Um diesen Zusammenbruch solange als irgend möglich hinauszuzögern, benötigt es vor allem eines: ständig neue Schuldner, die auf der X-Achse für ein bisschen zusätzliche Bewegung sorgen. Was auch der Kerngedanke der Eurozonen-EU sein dürfte, die Mitgliedsländer akquiriert, wie der Bauer auf dem Feld Rüben einsammelt.

Und es dürfte auch der Hintergrund der Ukraine-Krise sein: 47 Millionen Menschen, die man in eine niemals je rückzahlbare Euro- oder Dollar-Kreditverschuldung versklaven will, um sich über Enteignung irgendwann all das, was man zuvor virtuell austeilte, real zurückzuholen, wie das ja zum Teil bereits in Griechenland wunderbar funktioniert. Bis am Ende alles der Bank gehört.

Die Bank gewinnt eben immer.

Nicht so offensichtlich dürfte sein, dass das Prinzip der Aufblähung eines Systems bis hin zur Selbstzerstörung nicht auf die Finanzwelt beschränkt ist, sondern sich nach und nach als allgemeines Prinzip etabliert – quasi als Weltformel der Existenz im 21. Jahrhundert. Gut zu beobachten momentan an den Wahlergebnissen der sogenannten Europawahl, genauer gesagt: der Sitzverteilung, welche den nationalen Parteien im großen Europaparlament zuerkannt werden.

Nachdem sich also die parteipolitische „Industrie“ (in Anführungszeichen, da keine Wertschöpfung, sondern aufgrund Steuermittelverzehr eher -vernichtung stattfindet) auf kommunaler Ebene, auf Landes- und Bundesebene mit allen zugehörigen Ausschüssen, Sekretariaten, Ämtern, Dienstleistern, Beratern, Juristen – also einem schier unendlichen Rattenschwanz – bis zur Explosionsgrenze ausgedehnt hat, nun die Erschließung neuer Märkte: die supranationalen Gremien. Hier in Gestalt von Brüssel.

Sieht man den nationalen Abgeordneten als Kredit, der vom Wähler über Stimmabgabe vorgeschossen wurde, dann wird diese neue, supranationale Blase noch dünnwandiger weil noch aufgeblähter sein – so wie ein Kredit, der sich aus der Vergabe eines anderen Kredites generiert, eine noch gewaltigere Blase ist, als jener zuvor.

Und etwas anderes wird daran noch deutlich: Es ist weder der Kreditnehmer, der einen neuen Kredit aus dem alten generiert, noch der Kreditgeber. Es ist der Kredit, der aus sich selbst einen neuen Kredit gebiert.

Die Staatsindustrie, die sich nun weit über den eigentlichen Staat ausgedehnt hat, ist wie ein Schwarzes Loch, das alles in sich einsaugt: Materie und Licht – und diese einfach ... verschwinden lässt. So gesehen ist sie das vollkommene Anti-Prinzip zur Realität, zum tatsächlichen Leben. Ihre Sogwirkung ist ungeheuerlich, und je mehr sie sich aufbläht, ausdehnt, um so mehr verschlingt sie die Realität und das Leben.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Marko Wild

Autor

Marko Wild

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige