30. Mai 2014

Denkfabriken Ideen zählen!

Das Feuer in den Köpfen der Menschen entfachen

Wie kommt es eigentlich zu Veränderungen in einer Gesellschaft? Viele meinen, es müssten nur die richtigen Parteien gewählt werden und schon würde sich die Politik verändern. Die eigene Erfahrung lehrt mich, dass das nicht stimmt. Es ist zumindest zu kurz gedacht. Politische Veränderungen setzen eine Änderung des Meinungsklimas in einer Gesellschaft voraus.

Wie wichtig in einer Gesellschaft die „Verteilungsgerechtigkeit“ ist, wird sehr unterschiedlich beurteilt. Die Schweden verteilen mehr um als die Schweizer. Ob die Internetfreiheit ein notwendiges und schützenswertes Bürgerrecht ist, beurteilen die Bürger im internetaffinen Estland anders als die 9/11-traumatisierten Bürger der USA. Und ob Freihandel besser ist als der Schutz der heimischen Industrie, wird in Großbritannien in der großen Tradition ihrer liberalen Denker Adam Smith und David Ricardo anders beurteilt als in Frankreich, wo die Mehrheit der Gesellschaft am liebsten heute noch die Bastille stürmen würde, wenn billigere Agrarprodukte der heimischen Landwirtschaft Konkurrenz machen. Es sind langfristige Trends, die diese Prägung einer Gesellschaft bestimmen.

Im Deutschland der 50er Jahre war es der Kampf der Linken gegen bürgerlich-liberale Institutionen, der die Transformation des liberalen Rechtsstaats in den Sozialstaat zum Ziel hatte. Der heutige nimmersatte Wohlfahrtsstaat ist ein Produkt dieser Zeit, gegen den sich keine Partei heute mehr konsequent stellt. Der Kampf der links-alternativen Szene gegen die Kernenergie in den 1970er und 1980er Jahren war der Beginn einer Ökologiebewegung, die nicht nur die Grünen hervorgebracht, sondern alle anderen Parteien auf den Atomausstieg und die „Ökoreligion“ eingeschworen hat.

Es gibt umgekehrt leider kein Beispiel einer Trendsetzung für mehr Freiheit und Eigenverantwortung in der jüngeren Geschichte Deutschlands. Ganz im Gegenteil. Und das sollte IHNEN Sorge bereiten. Denn die Produkte dieser Trends heißen „Erbschaftssteuer“, „Bürokratie“ und „Energiewende“, um nur einige Beispiele zu nennen.

Doch wie kann der Trend beeinflusst und umgekehrt werden? Diese Frage stellte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Großbritannien ein gewisser Antony Fisher. Als er das Buch von Friedrich August von Hayek „Der Weg zur Knechtschaft“ las, war er der Überzeugung, dass er aktiv in die Politik einsteigen müsse, um Großbritannien vor dem schleichenden Sozialismus zu bewahren. Großbritannien trieb damals auf den Staatsbankrott zu. Steuern von bis zu 90 Prozent und eine Inflation von 25 Prozent zerstörten jeden Antrieb in der Gesellschaft. Als Fisher Hayek um Rat fragte, soll dieser ihm vom Einstieg in die Politik abgeraten haben. Er empfahl ihm, stattdessen seine Zeit sinnvoller in den Aufbau einer klassisch-liberalen Denkfabrik zu investieren. Hayek ging davon aus, dass „Ideen zählen“. Fisher befolgte Hayeks Rat und gründete das Instituteof Economic Affairs in London. Dort sammelte sich ein Kreis von marktwirtschaftlich denkenden Ökonomen, die durch öffentliche Stellungnahmen und Meinungsbildung den Boden für die Thatcher-Revolution Ende der 1970er Jahre ebneten, was zur marktwirtschaftlichen Erneuerung in Großbritannien führte. Ebenso wie die Thatcher-Revolution wurden die als „Reagonomics“ bezeichneten Reformen von Ronald Reagan in den 1980er Jahren von einer Denkfabrik, hier dem Cato Institute in Washington, vorbereitet. Und auch das „Kiwi-Wunder“ in Neuseeland in den 1990er Jahren, als sich der Inselstaat innerhalb weniger Jahre zum wettbewerbsfähigsten Land auf dieser Welt entwickelte, wurde von einer klassisch-liberalen Denkfabrik

Wer sich um die künftige Entwicklung Sorgen macht, sollte sich ein Beispiel an Antony Fisher nehmen und helfen, eine klassisch-liberale Denkfabrik in Deutschland aufzubauen, die das Feuer in den Köpfen der Menschen entfacht. Es lohnt sich!


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