03. Juni 2014

Eigenverantwortung Bilde dich selbst

Erkenntnisse gewinnen und Standpunkt festigen

Wer ein selbstverantwortliches Leben führen möchte, der muss auch für das nötige Rüstzeug sorgen. Sonst besteht allzu leicht die Gefahr, dass man Scharlatanen und Quacksalbern auf den Leim geht und sich aus Angst vor diffusen Risiken zusätzlichen Gefahren aussetzt. Das gilt nicht nur für die Debatte um den Infektionsschutz durch Impfungen, sondern auch andere Entscheidungen.

Besonders wichtig ist die Sammlung von Informationen, wenn es sich um strittige Fragen mit politischer Relevanz handelt, sei es nun bei der Diskussion um den Verbraucherschutz, die Wettbewerbspolitik oder auch die Energie- und Klimapolitik handelt. Hier ist die Gefahr besonders groß, dass Ignoranz und die bequeme Orientierung an der Mehrheit zur Gefahr für die eigenen Freiheitsspielräume führt. Wer hätte vor Jahren gedacht, dass die diffuse Angst vor dem Klimawandel und die damit verbundene politische Unterstützung von Parteien mit rigiden umweltpolitischen Zielen zu inzwischen deutlich spürbaren Eingriffen in das persönliche Leben führen. Schnell können übertriebener Verbraucherschutz und falsch verstandene Nachhaltigkeit dazu führen, dass es bestimmte Produkte gar nicht zu kaufen gibt, obwohl ein verantwortungsvoller Umgang mit ihnen ausreicht Risiken bei Herstellung und Konsum zu minimieren. Allzu großer Populismus kann zur Gefahr für ganze Geschäftsmodelle führen, wie beispielsweise die hitzigen Debatten um den Online-Händler Amazon oder die Suchmaschine Google derzeit belegen. Am Ende zahlen die Verbraucher drauf, da mit der Regulierung der Märkte stets auch ein Verlust der Wahlfreiheit und höhere Kosten einher gehen. Ökonomisch und wissenschaftlich unfundierter Populismus ist ein systematischen Einfallstor für Partikularinteressen, das den Unternehmergeist weckt und politische Karrieren möglich macht. Während gesunder Wettbewerb in einer freien Marktwirtschaft recht schnell die Spreu vom Weizen trennt und den unerschütterlichen Freunden der Spreu trotzdem die eigene Nische lässt, geht die Politik in aller Regel mit dem Rasenmäher vor.

Eigenverantwortung und Neugier kann hier gar nicht groß genug geschrieben werden, denn bei politischen Streitthemen ist das Verhältnis zwischen unmittelbarer privater Betroffenheit und individuellem Aufwand besonders ungünstig. Oft scheint sich das Einholen detaillierter Informationen nicht zu lohnen, denn die Konsequenzen des Wählervotums werden nicht unmittelbar spürbar. Da ist es leicht Vorurteile oder Weltanschauung als dominante Entscheidungskriterien heranzuziehen und die Informationsbasis auf das zu beschränken, das nicht zur Gefahr für die eigene Denkwelt wird. Dabei kann die Auseinandersetzung mit den Argumenten Andersdenkender außerordentlich interessant und lehrreich sein. Die offene Perspektive bedeutet Erkenntnisgewinn, wenn nicht, hilft sie den eigenen Standpunkt zu festigen. Langfristig bewahrt sie einen vor unvernünftigen Entscheidungen, sei es als Konsument oder als Wähler.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Liberalen Instituts.


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