16. Juni 2014

Neusprech Orwell und das Gender Mainstreaming

Frauen brauchen keine Feministen-AGs

Einengung der Sprach- und Denkmöglichkeiten. Verhinderung von Gedankenverbrechen. Gleichschaltung und Gleichmachung der Menschen. Trennung von Gedanken, Gefühlen und Sprache. Manipulation und Kontrolle.

Das alles sind die eindeutigen Ziele des „Neusprech“ (im Englischen „Newspeak“), der Weiterentwicklung der normalen Sprache durch das Regime im Roman „1984“. Diese Sprache soll Gedankenverbrechen, also kritische Gedanken über das herrschend Regime, verhindern, sie sogar grammatikalisch unmöglich machen und in letzter Konsequenz wohl auch eine Möglichkeit bieten, Gedankenverbrecher zu erkennen, zu entlarven und zu eliminieren.

Im ersten Moment mag diese Vergewaltigung der Sprache einen lustigen bis absurden Eindruck machen. Worte wie „doppelplusgut“, „Minipax“ oder „Quaksprech“ hören sich einfach komisch an und es kann sich wohl niemand vorstellen, diese Worte im Alltag oder in der Wissenschaft zu benutzen.

Bei den Worten „Studierx“, „Lautsprecha“ oder „m@n“ und den dazu passende Personalpronomen „x“ und „sie“ könnte der Fall allerdings bald anders liegen. Zumindest dann, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AG Feministisch Sprachhandeln der HU Berlin nicht die einzigen bleiben, die diese merkwürdigen Formen benutzen.

In der heutigen Zeit ist es normal geworden, in allgemeinen Anreden oder Bezeichnungen ein Binnen-I oder “/innen“ zu lesen und zu benutzen, damit sich die Frauen nicht ausgeschlossen oder gar ignoriert fühlen.

Es ist eben politisch korrekt, das gehört sich so. Es wird allerdings nie gefragt, was diese Sprachvergewaltigung für Folgen nach sich zieht und was eigentlich ursprünglich damit erreicht werden sollte.

„Natürlich Gleichberechtigung!“, werden die meisten Menschen jetzt wohl ausrufen.

Und genau das war auch das Ziel, besser gesagt die Besserstellung der Frau im Allgemeinen, zu der die obengenannten Sprachformen einen kleinen Beitrag leisten sollen.

Gleichberechtigung, Besserstellung, ist das nicht dasselbe? Nein, das ist es nicht.

Gleichberechtigung ist in dem Moment hergestellt, in dem Männer und Frauen gleich behandelt werden, also ihnen niemand allein ihres Geschlechtes wegen Hindernisse in den Weg stellt. Konkret bedeutet das, sobald alle Gesetze (staatliche und gesellschaftliche), die Frauen daran hindern, beispielsweise dieselben Berufszweige wie Männer zu wählen, geschweige denn überhaupt arbeiten zu gehen, abgeschafft sind, in diesem Moment sind Frauen und Männer gleich gestellt.

Eine Besserstellung von Frauen hört jedoch nicht an diesem Punkt auf. Hier werden Privilegien für Frauen gefordert, die mit nichts zu rechtfertigen sind und den Frauen im Allgemeinen eher schaden, als nutzen.

Gender Mainstreaming wird zur Pflicht und wer sich nicht daran hält, muss damit rechnen, als „sexistisch“ stigmatisiert zu werden.

Wer allerdings glaubt, dass Frauen am Ende der Besserstellung über Männer herrschen, für sie entscheiden würden, wie es jahrhundertelang die Männer getan haben, der irrt.

Vor allem radikale Feministinnen, wie Alice Schwarzer, gefallen sich in der Opferrolle und schüren ein kollektives „schlechtes Gewissen“.

Auch das drückt sich durch die Genderisierung der deutschen Sprache aus. Bei jeder Formulierung, bei jedem noch so kleinen, offiziellen Satz wird dem Leser die angebliche Gleichstellung der Frau unter die Nase gerieben. Und das alles ohne Rücksicht auf die gewachsene Schönheit der deutschen Sprache.

Doch was erreichen Feministinnen tatsächlich mit ihren Antidiskriminierungskampagnen?

Zu allererst erreichen sie das Gegenteil ihrer gesteckten Ziele. Statt der Gleichberechtigung von Mann und Frau treiben solch radikale, linke FeministInnen und SprachvergewaltigerInnen einen Keil in das gemeinschaftliche Miteinander der Geschlechter im Alltag. Sie betonen anhaltend die Andersartigkeit von Frauen, die in der heutigen Zeit durch die tatsächliche, rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau absolut irrelevant geworden ist.

Und wenn eine Frau nachweislich dieselben Qualifikationen wie ein Mann aufweist und dennoch weniger verdient, dann ist es an ihr, sich für ihre Gleichberechtigung einzusetzen, in letzter Instanz möglicherweise sogar vor Gericht. Auch eine Frauenquote führt nicht zu größerem Respekt vor Frauen in Führungspositionen, sondern bewirkt sogar schon vor der eigentlichen Einführung, dass sich abwertend über „Quotenfrauen“ geäußert wird. Solche genderpolitischen Maßnahmen verwehren leistungsfähigen und leistungswilligen Frauen die Anerkennung, die sie verdient haben.

Diese Gleichmacherei, wie sie von linksgerichteten Feministen, Aktivisten und Politikern betrieben wird, schafft viel mehr Uneinigkeit und Ungleichheit, als wenn man die Menschen einfach selbst entscheiden lässt, ob und wann sie für ihre Rechte aufstehen möchten. Es ist nicht nötig, den Frauen in unserer Gesellschaft eine Opferrolle aufzustülpen. Wenn Frauen sich ungerecht behandelt fühlen, dann gehen sie schon selbständig auf die Barrikaden und kämpfen für ihr Recht. Das haben sie doch schon seit jeher getan, wenn es um ihre Kinder ging. Wieso sollten sie es denn in der heutigen Zeit verlernt haben? Wir haben es nicht nötig, unsere schöne Sprache durch einen Befehl von oben von irgendwelchen selbsternannten Feministen-AGs an Universitäten verhunzen zu lassen und das ganze mit der Begründung der Gleichberechtigung.

Die Sprache hat eine lange, ausdauernde Entwicklung hinter sich, genau so müssen wir selbst ausdauernd an unserer Gleichberechtigung arbeiten und festhalten und genau deshalb dürfen wir auch nicht der Illusion erliegen, dass durch die künstliche Veränderung der Sprache auch nur ein Mensch weniger diskriminiert wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Töchter der Freiheit.


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