26. Juni 2014

Herr Ponzi sucht das Unglück Niemand hätte es wissen können?

... oder nur Andersbegabte nicht?

„Mit solch einem drastischen Rückgang der Wirtschaftsleistung hat niemand gerechnet“, hieß es am 25. Juni auf Welt Online über den „heftigsten Einbruch der Wirtschaftsleistung“ der USA seit 2008.

Niemand? Iwo. Nur im Andersbegabten-Journalismus und der kunterbunten Medikamentenwelt keynesianisch gedopter Reifenspringer-Experten, politischer Clownsnasen und anderer stets überrascht im Kreis durch die Arena trabender Zirkuspferdchen der Geldfälscher-Eliten vermag man Zwei und Zwei nicht zusammenzuzählen. Zahlreiche andere, intelligente Kommentatoren schon, die im Main-Jauchestream allerdings nur ganz selten zu Wort kamen und deren Warnungen fast nie zitiert wurden. Zum Beispiel der US-Investor Julian Robertson, der unter Kollegen den Status einer lebenden Legende genießt und hier exemplarisch als lebender Gegenbeweis angeführt werden soll. Er sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC bereits im Jahre 2005 einen Kollaps von „gigantischer, epischer Dimension“ für das Jahr 2015 voraus. Es lohnt sich, einige Passagen aus dem Gespräch nochmal zu zitieren – gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Situation.

Robertsons Prognosen geben zwar ganz sicher keinen partykompatiblen Gesprächsstoff her – manche werden sie vielleicht sogar als äußerst deprimierend empfinden –, seine Warnungen lassen an Deutlichkeit und Eindringlichkeit aber nichts zu wünschen übrig und bildeten schon damals ein dringend benötigtes  Gegengewicht zum „We all live in a yellow submarine“-ponzidrogentriefenden Mitklatsch- und Schunkel-Durchhalteliedgut aus dem politrickreich-medial andersbegabten Komplex. Man kann das natürlich als extreme „Schwarzmalerei“ abtun, allerdings soll es hier nicht darum gehen, ob und wie weit Robertson mit seinen Voraussagen nun Recht behalten wird, sondern um die Falschbehauptung, es habe „niemand“ damit gerechnet.

Robertson im Jahre 2005: „In zehn Jahren wird, wer auch immer noch auf diesem Planeten am Leben ist, wieder von vorn anfangen müssen“, so der Investor über die Monopoly-Popopapierfluten. Robertson zufolge war das „Bush-Cheney-Regime“ für das Debakel  verantwortlich. Sie hätten „ihre Macht und ihr Geld auf diesem Planeten in das maximal mögliche Maß der Ausdehnung gebracht. Die Nettoliquidität der gesamten Welt, also der Netto-Free-Cash-Flow, befindet sich jetzt bereits im negativen Bereich. Der Planet sinkt nicht nur in ein Meer aus roter Tinte, er wurde bereits versenkt. Die Leute begreifen es aber derzeit noch nicht“.

Über die zunehmenden Beschneidungen von Bürgerrechten seit 2001 sagte Robertson, dass „das Bush-Cheney-Regime die Nation auf den Übergang von der Demokratie zur Zwangsherrschaft vorbereitet, weil eine Diktatur notwendig sein wird, um in fünf Jahren die Nahrungsaufstände und den Wasseraufruhr zu kontrollieren. Die Bundesregierung wird mittels Patriot-II-Gesetz riesige Internierungslager bauen müssen, sozusagen innerhalb des Landes gelegene Exile, wahrscheinlich im mittleren und hinteren Westen, wo das Land für die Unterbringung von potenziell 50 Millionen oder mehr Bürgern verfügbar ist, die sich im finanziellen Ruin befinden“. Angesichts der in den letzten zwei bis drei Jahren immer wieder auftauchenden, von Andersbegabten stets als „verschwörungstheoretisch“ belächelten Berichte über die sogenannten „FEMA-Camps“, den Kauf exorbitanter Mengen an Munition und anderer sicherheitstechnischer Ausrüstung durch US-Bundesbehörden, die zur Bekämpfung von Unruhen eingesetzt werden könnte, dürfte diese Prophezeiung Robertsons in einem erschreckend aktuellen Licht  von hoher Mulmigkeitslumineszenz stehen.

Einige weitere kurze Zitate mögen genügen: „Die Inflation wird zweistellig und schließlich dreistellig werden. Die Leute werden ihre US-amerikanischen Dollars in Schubkarren transportieren, wie einst in Deutschland.“ Es werde einen „Gesamtzusammenbruch der öffentlichen Infrastruktur“ geben, außerdem einen „totalen Zusammenbruch der Systeme der medizinischen Versorgung. Alle öffentlichen Altersversorgungspläne und die Sozialversicherung werden kollabieren. Alle korporativen Altersversorgungspläne werden zusammenbrechen“.

Der amerikanische Verbraucher unterstütze den „Rest des Planeten“, da „in allen anderen Nationen der Privatkonsum bis zu dem Punkt gefallen ist, an dem die Steuereinnahmen der Regierungen, die geschäftlichen Umsätze und die Industrien, die jene Staaten versorgen, jetzt netto im negativen Bereich liegen hinsichtlich des Gesamt-Schuldendienstes und der öffentlichen Kosten, und das praktisch in jeder Nation auf diesem Planeten. Noch wichtiger, und ich überlege, wie wir das hier einbeziehen, beziehungsweise wie wir den Leuten erklären, in welchen außergewöhnlichen Zeiten wir leben, ist, wie der Grundstein für die Zerstörung des Planeten durch die Bushonian-Kabale in den Jahren 1980 bis 1992 gelegt worden ist und wie dann ab 2001 die wirtschaftliche Liquidität des Planeten effektiv zerstört wurde“.

Wie gesagt: Robertson stand damit nicht alleine. Auch der weltweit renommierte Trendforscher Gerald Celente zum Beispiel, seit etwas mehr als 30 Jahren im Geschäft, sagte bereits in seinem „Trends Journal 2000“ den Kollaps der „Verbriefungs-Revolution“ Alan Greenspans sowie die negativen Folgen der Abschaffung des Trennbanken-Systems durch den von Goldman Sachs finanzierten und ins Amt gepushten Zauberlehrling Bill „Slick Willy“ Clinton voraus, eine Entwicklung, die 2008 dann auch einsetzte.  Dasselbe gilt für namhafte Investoren wie Marc Faber, die, sagen wir mal, schillernde Persönlichkeit eines Max Keiser, Geldexperten wie Mike Maloney und viele andere warnende Stimmen – darunter natürlich auch aus der Österreichischen Schule –, die durch die ideologisch vernagelten, mit dicken Vorhängeschlössern aus geldplanwirtschaftlicher Herstellung gesicherten Fensterchen der Anstalt für Andersbegabte natürlich erscheinen mussten und leider auch heute noch überwiegend müssen wie wirre „libertäre Theoretiker“ (Backroom Boy Chris Lindner), kreditbetrugsskeptische Gesundgeldpopulisten, neurechtskrude-antiamerimitische Höhlentrommler, Untergangssehnsüchtler et cetera pipapo. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass es sich bei den von der US-Regierung herausgegebenen wirtschaftlichen Entwicklungsdaten schlicht um Bilanztricksereien, Milchmäd ... nein, streichen Sie das bitte. Ich möchte Milchmädchen nicht zu nahe treten. Haben einen ehrlichen Beruf und verstehen von Finanzen sicher mehr als die mit holografischen Zahlen hantierenden Schönlügner und Statistikfälscher in New York und Washington, von Fed bis EZB, von Paris über London, Brüssel, Berlin, Madrid und Rom bis Nirgendwo.

Vor Kurzem erklärte die BaFin Lebensversicherungen (wohl vorsorglich?) schonmal zu einem „Auslaufmodell“ (!). Regelmäßig (und aus normalbegabter Sicht durchaus berechenbar und erwartungsgemäß) tauchen Berichte über nun doch viel größere Bilanzlöcher als ursprünglich kleinretuschiert in den Büchern großer Bankhäuser und Staatshaushalte auf, gleichzeitig beeilen sich unleugbar Gute, durch möglichst heimliches Training, Finanzieren und Bewaffnen von Terrorbanden eine Situation herbeizuführen, in der man dann – sollte es finanzsystemisch knallen – ein grell aufgeschminktes Feindbild von außen präsentieren kann (Abdullah ist schuld!), dem man, sischer datt, unter lautem Kriegsgeschrei (Dollaruh Akbar!) zu Leibe rücken müsse, man provoziert in der Ukraine bis aufs Blut (ist aber trotzdem alles Putins Schuld!), kurz: alle sind schuldig – nur die allerbesten Andersbegabten nicht, versteht sich. Und auch damit hätte kein Andersbegabter gerechnet, niemand, niemals nicht: Das deutsche Gold scheint, wie sich nun immer deutlicher herausstellt, wohl doch von seltsam immateriellem Aggregatzustand zu sein. Ja, wo isses denn?

Es kann sich also eben, nunja, niemand damit herausreden, es habe niemand irgendetwas wissen können, man habe es ja wieder mal überhaupt nicht ahnen und absolut nicht damit rechnen können. Aufgewecktere Enkel werden mit hochgezogener Augenbraue ausrufen: „Opa lügt! Unter dem Toupet nichts als Lug und Schmäh!“


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