27. Juni 2014

Verkehrspolitik Durch meinen Garten wird niemals eine Autobahn gebaut!

„Deutschland im Stau“

Anfang September kommt nicht nur mein neues Buch „Nicht mit unserem Geld“ (Finanzbuchverlag, München) heraus, das ich Ihnen natürlich rechtzeitig vorstellen werde. Kurze Zeit später wird der vielfach ausgezeichnete Wirtschaftspublizist und Filmemacher Günter Ederer gemeinsam mit dem Verkehrswissenschaftler Gottfried Ilgmann sein neues Buch präsentieren: „Deutschland im Stau – Was uns das Verkehrschaos wirklich kostet“ (Berlin Verlag). Schon jetzt durfte ich mir eine Leseprobe anschauen. Ederer beschreibt die derzeitige Verkehrspolitik, die aus einem Feuerwerk an Absurditäten besteht. Die Verkehrspolitik in diesem Land ist durch staatliche Planwirtschaft, Verschwendung und Ideologie geprägt, die den Steuerzahler Milliarden kostet. Es soll bitte nach dem Lesen dieses Buches niemand mehr sagen, der Staat habe nicht genug Geld.

Das wirtschaftlichste und umweltfreundlichste motorisierte Verkehrsmittel ist das vollbesetzte Auto und nicht die Straßenbahn. Letztere fährt morgens vollbesetzt in die Stadt, tagsüber leer durch die Gegend, um abends wieder vollbesetzt aus der Stadt zu fahren. Das vollbesetzte Auto dagegen fährt morgens in die Stadt, wird dort geparkt und fährt abends wieder vollbesetzt hinaus. Der Spritverbrauch, die bewegte Masse und der Verbrauch an Infrastruktur pro Passagier ist unschlagbar günstig. Dennoch werden überall neue U-Bahnen, Straßenbahnen sowie ICE-Trassen gebaut und sogar alte Bahnlinien reaktiviert. Diesen Unsinn entlarvt Ederer im Detail.

Derzeit wird in Ostwestfalen-Lippe über den achtspurigen Ausbau der A 2 diskutiert. Diese soll von Bielefeld aus bis zur Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt ausgebaut werden. Ederer hält dies für einen Wahnsinn. Der Ausbau würde jahrelange, vielleicht sogar jahrzehntelange Dauerstaus auf einer der wichtigsten Verkehrsachsen des Landes bedeuten. Darüber hinaus seien achtspurige Autobahnen durch den häufigeren Spurwechsel besonders unfallgefährdet. Viel besser sei eine Verlängerung der A 39 von Salzgitter über Holzminden durch den Kreis Höxter zur A 33 bei Paderborn. Dies könnte den steigenden Ost-West-Verkehr viel besser absorbieren, ohne dass die A 2 völlig lahm gelegt wird.

Schön ist auch die Geschichte über die Kammolche. Entlang der geplanten A 44 zwischen Kassel und Eisenach wurden seinerzeit große Kammolchkolonien (1700 Tiere) entdeckt. Genau genommen in einer ehemaligen Klärgrube bei Helsa in Nordhessen. Aufgrund seiner natürlichen Geschwindigkeit kann der Kammolch nur sehr schwierig Verkehrswege überqueren und kommt daher sehr schnell unter die Räder. Parallel zur geplanten Autobahn soll eine Straßenbahnlinie für den Nahverkehr gebaut werden. Jetzt hatten die Molche ein zusätzliches Problem. Doch die Lösung war schnell in Sicht: Die Bahntrasse wird auf Ständer gestellt. Und um die Tiere vor den Autos zu schützen, werden jeweils zwei Tunnel von 1200 bis 2000 Metern Länge geplant. Zwar konnte eine Fauna-Flora-Habitat-Verträglichkeitsprüfung für diese Planung keine Beeinträchtigung der Kammolchlebensräume feststellen, das Bundesverkehrsministerium empfiehlt aber trotzdem einen durchgehenden Tunnel mit der Begründung einer „Vermeidungsstrategie des Lebensraumes bedrohter Tiere“. Die Folge: Mehrkosten von über 50 Millionen Euro und eine Bauverzögerung von sechs Monaten. Inzwischen soll sich dort die Population der Kammolche auf 5000 erhöht haben. Dem Steuerzahler ist ein Kammolch derzeit also rund 10.000 Euro wert.

Ebenso tierisch ist der Bericht über die vierte Start- und Landebahn am Frankfurter Flughafen. Im nahegelegenen Schwanheimer Wald hatte man in vorauseilendem Gehorsam nach Fledermäusen Ausschau gehalten. Naturfreunde hatten von einer Population von Bechsteinfledermäusen berichtet. Es wurde untersucht und untersucht und untersucht. Am Ende fanden die Forscher in sechs Gutachten für insgesamt fast zwei Millionen Euro heraus, dass im Schwanheimer Wald genau eine männliche Bechsteinfledermaus beheimatet war. Eine wichtige Nachricht konnten die Biologen der erstaunten Öffentlichkeit dennoch mitteilen: Der Fledermausmann war nachweislich sexuell inaktiv.

Ortswechsel: In meinem Gartenteich schwimmen seit geraumer Zeit zahlreiche Kammolche. Gleichzeitig schwirren an warmen Sommerabenden Fledermäuse in meinem Garten. Ich weiß nicht, ob es sich um Bechsteinfledermäuse handelt, ob sie männlich, weiblich oder beides sind. Ich weiß auch nicht, ob sie sexuell aktiv sind. Ich weiß nur eins, durch meinen Garten wird niemals eine Autobahn geplant und erst recht nicht gebaut!

Link:

Günter Ederer/Gottfried Ilgmann, „Deutschland im Stau“ (amazon.de)


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Frank Schäffler

Über Frank Schäffler

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige