01. Juli 2014

Geistiges Eigentum Kein Triumph des Kapitalismus

Bestenfalls Sieg des Stamokaps

Peter Linebaugh, amerikanischer Historiker und Marxismusforscher, hat die Forderung eines amerikanischen Verlages, die 50-bändigen gesammelten Werke von Marx und Engels aus dem öffentlichen Marxist Internet Archive aufgrund eines Verstoßes gegen das Copyright an der englischen Übersetzung herauszunehmen, mit einer Kritik am Kapitalismus kommentiert:

„This is the triumph of capitalism, having the small fish biting at each other.” („Das ist der Triumph des Kapitalismus, wenn die kleinen Fische einander beißen.”)

Geistiges Eigentum ist alles andere als ein „Triumph des Kapitalismus”, es ist ein staatliches Privileg, dessen Rechtfertigung in einer marktwirtschaftlichen Eigentumsordnung auf außerordentlich wackligen Füßen steht. Ziel privaten Eigentums kann nur die Vermeidung von Konflikten um die Nutzung knapper Ressourcen sein. Immaterielle Güter sind nicht knapp, es treten keine Nutzungskonflikte auf. Geistiges Eigentum führt zu temporären Monopolen, wobei der Wettbewerb um die beste Umsetzung von Ideen in Güter und Dienstleistungen durch den Staatseingriff limitiert ist. Zudem setzt die staatliche Durchsetzung geistigen Eigentums selbst einen Eingriff in die Nutzungsrechte der Menschen an ihrem materiellen Eigentum voraus. Der jedoch dient nicht dazu, einen Angriff auf die körperliche Unversehrtheit eines Menschen zu unterbinden oder Konflikte um die Nutzung knapper Ressourcen zu reduzieren, sondern lediglich einer Monopolisierung fiktiver Gewinnansprüche. Ob geistiges Eigentum eine Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen ist, kann im Einzelfall nicht theoretisch, sondern lediglich empirisch beantwortet werden. Eine Vielzahl hochinnovativer Branchen kommt völlig ohne ein Verwertungsmonopol auf Ideen und deren technologische Umsetzung aus. Um bei dem Vokabular der Marxisten zu bleiben, handelt es sich hier bestenfalls um einen Triumph des sogenannten staatsmonopolistischen Kapitalismus (Stamokap). Den lehnen aber auch Liberale ab.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Liberalen Instituts.


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