07. Juli 2014

Papiergeld Investiert auf der ganzen Welt

Zentralbanken fluten auch die Börsen

Die Denkfabrik Official Monetary and Financial Institutions Forum (OMFIF) aus London hat vor wenigen Tagen ihren ersten ausführlichen Bericht für das Jahr 2014 vorgestellt. Und dieser hat es in sich.

Laut den Studienergebnissen agieren derzeit 400 Zentralbanken und andere öffentlich-rechtliche Institutionen aus 162 Ländern als einflussreichste Anleger auf den weltweiten Aktienmärkten. Rund 40 Prozent des aktuellen Wertpapierkapitals von 29,1 Billionen US-Dollar wird von diesen Einrichtungen gehalten. Die State Administration of Foreign Exchange (SAFE), als Teil der chinesischen Zentralbank, ist hier Vorreiter. Chinesische Staatsbedienstete sollen insgesamt vier Billionen US-Dollar in Aktien und Anleihen angelegt haben, den Großteil davon in Europa. In Japan agieren die Zentralbank und die staatliche Pensionskasse mit einem Kapital von je 1,3 Billionen US-Dollar auf den Aktienmärkten.

In Europa führen staatliche Institutionen der Schweiz und Norwegens das Feld der Investoren an. Die Schweizer Nationalbank (SNB) verbucht derzeit 15 Prozent ihres Vermögens in Aktien und Anleihen. Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der SNB, sagte dazu gegenüber der „Financial Times“: „Wir sind investiert in kleine, mittlere und große Unternehmen auf entwickelten Märkten in der ganzen Welt.“ Norwegens staatlicher Pensionsfonds investierte Exportüberschüsse aus dem Erdölgeschäft in Höhe von einer Billion US-Dollar in Unternehmensanteile. Immerhin 500 Millionen US-Dollar schwer ist das Aktienportfolio der dänischen Nationalbank.

David Marsh, Direktor des OMFIF und gelegentlicher Autor im „Handelsblatt“, machte kürzlich in seiner Kolumne für das Online-Magazin MarketWatch deutlich, dass diese hohen Volumina zwar eine auf den ersten Blick überraschende, aber dennoch auch logische Folge der weltweiten Geldpolitik seien: „Das gesteigerte Interesse der Zentralbanken für Unternehmensbeteiligungen ist eines der unerwarteten Konsequenzen der gefallenen Zinsen der letzten Jahre. Die gefallenen Zinsen haben auch die Renditen der Zentralbanken auf ihre Devisenbestände geschmälert und sie dazu gedrängt, alternative Investitionsmöglichkeiten zu finden.“

Die Abenteuer staatlicher Finanzinstitute auf den Aktienmärkten müssen die Bürger weltweit mit noch lauernder bis bereits ausbrechender Preisinflation sowie schleichendem bis galoppierendem Wohlstandsverlust bezahlen. Private Anleger hoffen, den kleinen Teil ihres sauer erarbeiteten Einkommens, den sie den steigenden Lebenshaltungskosten nicht zum Fraß vorwerfen müssen, auf den Börsen zu renditeträchtigem Vermögen umwandeln zu können. Währenddessen fluten Zentralbanken und Pensionskassen die Börsen dieser Welt mit aus dem Nichts gezaubertem Geld.

Die Folge: Blasenbildung. Virtuelle Werte wie Aktien erfahren mehr Zuspruch, als es die realwirtschaftliche Leistung vermuten lässt. Ein Teufelskreis entsteht, in dem wirklich produktives Kapital abfließt, um an den Börsen für überschwengliche Partys zu sorgen. Von 2010 bis Juni 2014 stieg der Aktienindex MSCI World, der die Börsenwerte von mehr als 1.600 Unternehmen weltweit zusammenfasst, von 1.100 auf 1.735 Punkte. Im gleichen Zeitraum sank die jährliche Steigerungsrate des Bruttoweltprodukts von 5,3 auf 2,7 Prozentpunkte.


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