14. Juli 2014

Klimaschutz Ablasshandel

Vorbildwirkung auf fremde Kosten

In Sachen Klimadebatte geht es hierzulande zu wie im Kindergarten. Wichtig ist vor allem die Vorbildwirkung, die Konsequenzen des Handelns übernehmen andere. Hauptsache, man ist Vorreiter, dann werden die anderen schon nachziehen, egal wie die Details dieses Vorauseilens aussehen. Zum Vorbild in Sachen Klimaschutz wird man in Deutschland indes recht einfach, die Risiken halten sich in Grenzen, die Kosten sind zumeist minimal. Investitionen in erneuerbare Energieträger werden mit üppigen Subventionen belohnt, dasselbe gilt für Wärmedämmung und manch andere Maßnahme mit vermeintlicher Klimaschutzwirkung, für die Zuschüsse und vergünstigte Kredite gewährt werden. Schon wird man zum Vorbild, ohne auch nur einen Hauch von Risiko einzugehen oder bewiesen zu haben, dass die belohnte Handlung nicht nur gut klingt, sondern auch hinsichtlich des zu erreichenden Ziels sinnvoll ist. Auf die Spitze treibt dies wieder einmal der Staatsapparat selbst, indem die Bundesregierung plant, zwei Millionen Euro für den Klimaausgleich von Dienstflügen und -fahrten in den Haushalt 2015 einzustellen. Mit dem Geld der Steuerzahler will man sich nun doch an dem Ablasshandel gegen den Klimaschutz beteiligen und die Hände rein waschen.

Knapp 23 Euro/Tonne CO2 kassiert zum Beispiel ATMOSFAIR für einen Flug mit einem A340-300, wie ihn die Bundeskanzlerin benutzt. Das ist ungefähr das Vierfache des Preises, der für ein Emissionsrecht des Europäischen Emissionshandels an der EEX zu zahlen ist. Dieser Preis entspricht den aktuellen Grenzkosten, die eine Vermeidung einer Tonne CO2 derzeit in den am Emissionshandel beteiligten Anlagen kostet. Ohne die Details des „Klima-neutral-Stellens” zu kennen, es ist davon auszugehen, dass der Steuerzahler über das eigentlich Notwendige hinaus draufzahlt. Schöne Vorbildwirkung, wenn beim ohnehin schon teuren Dienstreisetourismus noch ein paar Euro nachgelegt werden sollen, ohne dass der oder die dafür Verantwortliche einen Euro selbst übernimmt und klar ist, wofür das Geld eigentlich genau verwendet wird. So wird der Bundeshaushalt auch noch zum Selbstbedienungsladen für das Seelenheil von Politikern und denjenigen, die ein Geschäftsmodell daraus gemacht haben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Liberalen Instituts.


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