17. Juli 2014

Lethargie Am Infotropf in der Gehirnwäscheklinik

Die breite Masse ist lernresistent

Um Dinge wirklich zu verstehen, sollte man stets und ausnahmslos bis zu ihrem Kern vordringen und nach den Ursachen für die zu beurteilenden Geschehnisse und Vorgänge suchen. In unserer heutigen Zeit ist dies den meisten Menschen zu mühsam, sie beschäftigen sich lieber – und das auch meist nur sehr oberflächlich – mit den Auswirkungen.

Diese Bequemlichkeit machen sich die Regierungen weltweit, vor allem in unserer angeblich so fortschrittlichen westlichen Welt, zu Nutze und bauen ihre ganze Macht auf unserem Bedürfnis auf, „unsere Ruhe haben zu wollen“. Dieses Bedürfnis nach Ruhe treibt allerdings zunehmend bemerkenswerte Blüten. Dieses Bedürfnis nach Ruhe ist auf dem besten Weg, aus uns vollkommene Idioten zu machen, die sich in Grund und Boden schämen sollten, wenn sie sich im Spiegel betrachten.

Vor einigen Tagen ließ es sich nicht vermeiden, dass ich beim morgendlichen Frühstück in einem Hotel Fernsehen geschaut habe, und ich bin immer noch erstaunt, dass ich das – übrigens köstliche – Brötchen nicht direkt wieder hervorwürgen musste. So abgebrüht bin ich inzwischen – welch eine erschreckende Erkenntnis.

Die 7.30-Uhr-Nachrichten wurden selbstverständlich mit dem Unmenschen Uli Hoeneß eröffnet, der sich erdreistet hat, das Allgemeinwohl zu schädigen, indem er unter anderem nicht realisierte Gewinne seines eigenen erwirtschafteten Geldes nicht der Verschwendung durch unsere Volksvertreter zur Verfügung gestellt hat. Nun muss man Uli Hoeneß nicht in Schutz nehmen. Wer „bereut“, was er in diesem Fall getan hat, hat nicht verstanden, zu welchem Hampelmann er sich selbst degradiert. Viel erstaunlicher ist es, wie gut es uns gehen muss, dass wir uns mit solch einem Quatsch beschäftigen. Tagelang, wochenlang waren die Zeitungen und Reportagen voll davon; nichts schien mehr Bedeutung zu haben als der Stress eines Zeitgenossen, der lediglich als Exempel statuiert wurde.

Fragt man die Menschen auf der Straße, wie sie ihre Zukunftsaussichten einschätzen, dann hat man das Gefühl, wir leben in einem Land, wo Milch und Honig fließen. Nichts kann unser Wohlgefühl stören. Wir sind so dem Glauben an den ewigen Wohlstand verfallen, dass wir nicht einmal irritiert wären, wenn direkt vor unserer Nase Menschen „weggesperrt“ würden, die sich dem derzeitigen Zeitgeist widersetzen.

Immer mehr aufgeweckte und kritische Menschen werden mutlos und verzweifeln – oftmals setzen sie ihre ganze Energie ein, um ihre Artgenossen zu warnen und ihnen klarzumachen, dass wir geradewegs und planwirtschaftlich korrekt in eine Richtung laufen, aus der andere ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um diesem Wahnsinn zu entkommen.

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass wir – solange der Fernseher Strom hat und das Mikrowellen-Essen auf dem Tisch steht – keiner Beunruhigung anheimfallen. „Es geht uns doch gut!“ ist eine der häufigsten Aussagen, die man zu hören bekommt, und wenn man nachfragt, woher dieser Optimismus kommt, antworten diese: „aus der Staats-Zeitung oder aus dem Staats-Fernsehen“, wobei den Zusatz „Staat“ keiner in den Mund nimmt. Dies erinnert doch zu sehr an Zeiten, worüber sich gerade in der „westlichen Welt“ Aufgezogene nur zu gern und zu oft lustig machen. So fällt es ihnen gar nicht auf, wie sehr sie der Propaganda inzwischen auf den Leim gehen; die Arroganz, dafür zu klug zu sein, verhindert jegliche Auseinandersetzung mit der eigenen kleingeistigen Lebenseinstellung und Lebenswahrnehmung.

Diese dekadente Verleugnung jeglicher Realitäten macht natürlich hilflos und der natürliche Reflex, sich ebenfalls der Lethargie hinzugeben, liegt auf der Hand – es ist einfach zu oft zu anstrengend. Der Plan, den unsere „Eliten“ da aushecken, ist mehr als hinterhältig und verstörend. Am Infotropf in der Gehirnwäscheklinik werden wir beständig mit Belullungspharmazie zugedröhnt und verlieren zunehmend den Verstand. Die wenigen, die sich dagegen stellen, sind relativ hilflos der Dauerindoktrinierung ausgesetzt und verlieren ihren klaren Verstand zwar deutlich später – davor gefeit sind sie keineswegs. Vor allem dann, wenn der Dauerbeschuss noch schneller und schärfer um die Ecke biegt.

Ich bewundere die Menschen, die, ob in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, nicht müde wurden, sich dem Mainstream aufrecht entgegenzustellen. Die immer wieder betonten und dies auch vorlebten, wie wichtig die Freiheit des Einzelnen ist. Wir sollten als Gesellschaft uns an jedem „Helden des Alltags“ ein Beispiel nehmen – tun wir aber nicht. Stattdessen diskreditieren wir sie als „Spinner“ und „Verräter am Gemeinwohl“.

Warum schauen wir uns nicht in der Historie um? Immer, wenn das Gemeinwohl propagiert wurde, war der Untergang nicht weit. Warum glauben wir daran, dass es diesmal anders ausgehen wird? Weil es früher nicht richtig umgesetzt wurde? Weil wichtige Aspekte vergessen wurden? Mit diesem Schwachsinn hält man die Menschen bei der Stange, während sich die davon Profitierenden die Macht und den Reichtum der Welt unter den Nagel reißen.

Wir sind in der breiten Masse vollkommen lernresistent – der Staat ist unser Gott, der Staat ist unser Leben. Wenn er sich zurückziehen würde, wären wir alle dem Untergang geweiht. Wenn es ihn in dieser Form nicht mehr gäbe, würden wir alle einen grausamen Tod sterben. Immer wieder in der Geschichte wurde den Menschen dies in den Kopf eingehämmert. Und immer wieder führt es ins Verderben. Wie viele Milliarden von Menschen sollen denn noch ihr Leben geben, um zu beweisen, dass Staaten noch nie unser Bestes wollten? Dass Regierungen bis auf einige sehr wenige rühmliche Ausnahmen immer, absolut immer nur ihr eigenes Wohl im Blick hatten? Dass „das Gemeinwohl” schon immer nur ein Haufen manipulativer Buchstabenhülsen war, das stets nur einigen Wenigen diente?

Immer mehr Menschen sind abhängig „vom Staat“. Sie freuen sich darüber, dass sie im Staatswesen arbeiten und „unkündbar“ sind. Der regelmäßige Lohnzettel ist von größerer Bedeutung als die Gewissheit, ein freier, unabhängiger Mensch zu sein, der auf eigenen Beinen zu stehen in der Lage ist und sich nicht von „behördlichen Anordnungen“ einschüchtern oder maßregeln lässt.

In dieser Zeit grenzt es an ein Wunder, dass unser Lohn oder unser Gehalt nicht gleich ganz und direkt vom Arbeit- oder Auftraggeber an den Fiskus geht und von dort aus die paar mickrigen Euronen, die nach der Umverteilung noch übrig bleiben, an die dankbaren Leistungsträger ausgezahlt werden. Da Finanzämter bisweilen ein wenig Zeit brauchen, um ihrem Staatsauftrag nachzukommen, würden entgegenkommenderweise bis zur Auszahlung eben Lebensmittelkarten, Fernsehgutscheine und Fußballfreikarten verteilt werden, und schwups – die Welt wäre wieder ein Hort der Freude und Glückseligkeit.

Die als gut und sinnvoll deklarierte und somit auch empfundene „Inflation“ täte dann noch ihr Übriges, indem von den verteilten Kärtchen und Gutscheinchen jeden Monat ein hübsches Eckchen mehr abgeschnitten würde, womit sich die dankbaren Restempfänger dann ihr Leben „versüßen” könnten.

Vielleicht wäre das ja hilfreich und bewusstseinserweiternd – obwohl ich das inzwischen bezweifle. Selbst das würde wahrscheinlich in der breiten Masse noch als sozial gerecht empfunden. So hängen wir also am Tropf in der Gehirnwäscheklinik und die Dosierung unserer Medikation wird zunehmend höher. Aber das ist nicht so schlimm – solange eben diese entsprechend angepasst wird, ist alles in bester Ordnung!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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