23. Juli 2014

Marktwirtschaft Die unsichtbare Hand des Karl Albrecht

Mit Aldi half er den Ärmsten

Karl Albrecht hat viel für die Schwächsten und Ärmsten in unserer Gesellschaft getan, vielleicht mehr als jeder andere Deutsche. Nur wurde ihm das selten gedankt. In den jetzt erscheinenden Nachrufen wird sein Lebenswerk zwar gewürdigt. Doch seine Leistung, sein Beitrag zu Wohlstand und einem besseren Leben von Millionen von Menschen kann gar nicht zu hoch eingeschätzt werden.

Denn Karl Albrecht wirkte über die unsichtbare Hand des Marktes. Dank Aldi wurde der Handel effizienter, die Konsumgüter günstiger, der Wettbewerb härter. Das schmeckte zwar einigen Lebensmittelproduzenten nicht. Und auch die Konkurrenten im Einzelhandel hat sein Wirken nicht immer erfreut. Doch die Kunden von Aldi profitierten bei jedem Einkauf. Und selbst die Kunden anderer Discounter waren Nutznießer des stärkeren Wettbewerbs, der innovativen Aldi-Logistik, die sich im ganzen Markt durchsetzte.

Karl Albrecht und sein Bruder Theo ließen das steigen, was Ökonomen die Konsumentenrente nennen. Das klingt sehr technisch, ist aber ganz real und lebensnah. Das zeigt zum Beispiel der Blick über die Alpen. In Italien gibt es keinen Aldi und auch sonst keine effizienten Strukturen im Lebensmittelhandel. Deshalb kostet eine Packung Frischkäse auch rund zwei Euro. Aldi verlangt weniger als einen Euro. Das mag für einen Gutverdiener, der keinen Frischkäse mag, egal sein. Für die Ärmsten der Gesellschaft rechnet sich das. Der Hartz-IV-Empfänger, der Soziologiestudent, die alleinerziehende Mutter mit Minijob oder die von Altersarmut bedrohte Rentnerin haben in Deutschland zumindest die Möglichkeit, Frischkäse und praktisch jedes andere Lebensmittel zu kaufen, und zwar in ordentlicher, oft sogar hochwertiger Qualität. Auch leistungsstarke Computer oder mal eine Flasche Champagner wurden dank Aldi für alle erschwinglicher. Es ist auch ein Verdienst von Karl Albrecht, dass wir in Deutschland billiger einkaufen können als unsere Nachbarn in den meisten europäischen Staaten. Karl Albrecht hat damit dazu beigetragen, dass die faktische Ungleichheit gemessen an den Konsummöglichkeiten in Deutschland so gering ist. Fragen Sie mal einen Hartz-IV-Empfänger, welches Konsumgut er sich nicht leisten kann, selbst wenn er sonst gut mit seinen Mitteln haushaltet: Es wird nichts Existenzielles sein. Ihm fehlt vielleicht eine Aufgabe, eine Arbeit oder Anerkennung. Aber ihm wird es nicht an der Möglichkeit fehlen, Lebensmittel und gebräuchliche Konsumartikel und elektronische Geräte in guter Qualität zu kaufen. Dies ist ein riesiger sozialer Fortschritt, ein Grund zur Freude und eben auch mit ein Verdienst von Karl Albrecht.

Die Konsumentenrente, die sich über Jahrzehnte dank der unternehmerischen Leistung von Karl Albrecht angesammelt hat, ist schwer in Zahlen zu packen. Sie ist generell schwer zu greifen, da sie sich im ganzen Land, ja in der ganzen Welt verbreitet hat. Sie entwickelt sich im Hintergrund. Ganz bescheiden, so wie Karl Albrecht selbst.

 Karl Albrecht half den Armen, ohne dass er das von sich behauptete. Er ist damit sozusagen das Gegenstück zu Sigmar Gabriel, Aldi das Gegenstück zum Mindestlohn.

Der Marktwirtschaft können wir für ihre Verdienste nicht auf die Schulter klopfen. Karl Albrecht leider auch nicht mehr. Aber wir können an ihn denken, spätestens beim nächsten Italienurlaub.


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