29. Juli 2014

Marktkommentar Silber – wie weit geht es runter?

Keine Eile für Käufe

Bereits vor über einem Monat mussten wir eine erste Warnung für Gold und Silber veröffentlichen, da sich nicht nur die Commitment-of-Traders-Daten überraschend schnell verschlechtert hatten, sondern wir auch eine massive  Manipulation seitens JPMorgan im Silber ausmachen konnten. Dadurch wurde ein weiterer nachhaltiger Anstieg über 21,25 US-Dollar im Silber und 1.326 US-Dollar im Gold erfolgreich verhindert. Der kurze Ausbruch des Goldpreises über diesen Widerstand konnte allein über physisches Angebot nicht mehr schnell genug verhindert werden, weshalb man sich auch im Gold gezwungen sah, direkt über den Terminmarkt zu intervenieren. Ziel dürfte es gewesen sein, den Preisanstieg frühzeitig auszubremsen, bevor weitere Spekulanten durch eine größere Rallye angezogen würden.

Als wir vor einem Monat in den Daten die äußerst starke Manipulation fanden, zogen wir nur Minuten danach die Stop-Loss-Orders an und nahmen im Trading gar erste Teilgewinne mit. Die äußerst starke Intervention nach einem Anstieg von gerade einmal 2,50 US-Dollar im Silber und 70 US-Dollar im Gold zeigten deutlich, dass etwas nicht koscher war. Den Long-Spekulanten gelang es nicht, den Preis nach oben zu hieven, obwohl diese sehr optimistisch waren und massiv kauften. In den folgenden beiden Wochen bestätigte sich unsere Warnung weiter und die Spekulanten verausgabten sich weiter völlig, ohne den Preis dabei bewegen zu können. Eine normale technische Korrektur hätte völlig anders ausgesehen. Man hätte Gewinnmitnahmen der Spekulanten und eine Bereinigung der CoT-Daten sehen müssen, während der Preis das neue Niveau verteidigt oder leicht fällt. Doch die Daten zeigten das völlige Gegenteil – die spekulativen Positionen stiegen stark an und der Preis blieb unverändert, sodass die Risiken für eine Long-Position schnell die Chancen überstiegen.

Leider mussten wir in den letzten beiden Wochen erkennen, dass es extrem große Parallelen zu dem Jahr 2013 gibt, bevor der Preis im Silber unter 26 US-Dollar fiel. Wir konnten ein Muster identifizieren, das sehr überzeugend und aussagekräftig ist, und machen uns deshalb etwas Sorgen um die Entwicklung in den nächsten Wochen. Sollte nicht ein äußerer Faktor, wie der Abschuss der MH 17, zu einem Schock an den Märkten führen, dann halten wir steigende Edelmetallpreise in den nächsten zwei bis drei Monaten für sehr unwahrscheinlich. Im besten Fall wird der Preis trendlos seitwärts tendieren, doch das ist im Moment auch nicht das gerade wahrscheinlichste Szenario nach unserer Analyse.

Wie sich ein von außen verursachter Schock auswirken kann, sahen wir in der letzten Woche, als Gold und Silber bereits einmal kurz die Handelsspanne nach unten verlassen hatten. Die Preise vollzogen einen normalen technischen Pull Back an das Ausbruchsniveau, was bei der zu diesem Zeitpunkt immer noch allgemein positiven Marktstimmung zu erwarten war. Als der Abschuss der malaysischen Boeing MH 17 über den Ticker kam, sorgte dies für einen sofortigen Preisanstieg bei beiden Edelmetallen zurück in die Handelsspannen und an deren Oberseite, wo dieser wieder ausgebremst wurde. Derartige äußere Faktoren sind so gut wie nicht vorherzusagen und kaum handelbar, wenn man im Vorfeld nicht zufällig verdächtige Insideraktivitäten ausmachen kann, wie es ab und an im Vorfeld von Notenbanksitzungen gelingt.

Die unvernünftige hysterische Reaktion der westlichen Medien und Politiker zu diesem Unglück zeigt, warum jeder verantwortungsbewusste Investor heute Gold und Silber in physischer Form besitzen sollte. Manch schwachsinnige Politiker wollten gar Soldaten entsenden und einen Krieg beginnen. Doch mittlerweile sind selbst die USA zurückgerudert und haben jede Beteiligung Russlands an dem Absturz dementieren müssen. Angebliche Beweise entpuppten sich als Fälschungen, rückten das US-amerikanische Marionettenregime in Kiew in ein äußerst schlechtes Licht und blamierten den US-Geheimdienst, der seine Informationen lediglich Youtube und Twitter entnahm – also den gleichen Quellen wie jeder von uns auch. Selbst wenn die ostukrainischen Separatisten versehentlich das Flugzeug abgeschossen haben sollten, so läge die Schuld nicht bei ihnen oder Putin, sondern eindeutig bei denjenigen, die eine Passagiermaschine über ein Kriegsgebiet leiteten. Sei es Dummheit oder Vorsatz, was man nach der plötzlichen Kursänderung des Flugzeugs gen Norden nicht ausschließen kann, die Schuld liegt klar bei den Piloten und insbesondere bei den westukrainischen Fluglotsen. Man überfliegt einfach kein Gebiet, in dem kurz davor bereits Militärflugzeuge abgeschossen wurden, ohne mit Gefahren für Leib und Leben rechnen zu müssen. Das gilt überall auf der Welt und es ist völlig irrwitzig, Russland oder die ostukrainischen Separatisten dafür verantwortlich machen oder gar bestrafen zu wollen.

Die ständig wiederholte Empörung darüber, dass Russland die Separatisten mit Waffen beliefert, ist ebenso völlig unverständlich. Warum sollte Russland dies auch nicht tun, damit sich die dortige russische Bevölkerung verteidigen kann? Solange die USA die Taliban und den ISIS mit Waffen und Ausrüstung versorgen, um andere stabile Staaten zu stürzen, oder die BRD kostenlos atomwaffenfähige U-Boote und andere Waffen an Israel liefert, die der deutsche Steuerzahler auch noch bezahlen muss, und mit denen bekanntlich andere Städte bombardiert oder bedroht werden, ist es nicht angebracht, Russland Vorwürfe für Waffenlieferungen zu machen.

Der Tag, an dem die westlichen Regierungen einen Krieg anzetteln werden, liegt vielleicht gar nicht so weit entfernt in der Zukunft. Wenn dieser Tag kommt, könnte es sein, dass bei Gold und Silber alle Dämme brechen werden. Kurssprünge von 50 bis 100 Prozent binnen Stunden sind dann höchst wahrscheinlich und physische Ware könnte nicht mehr verfügbar sein, da es einerseits zu Engpässen kommen wird und andererseits die Händler ihre Ware möglicherweise auch zurückhalten werden, solange diese glauben, dass die Aufwertung der Edelmetalle weitergehen wird. Börsen werden möglicherweise für einige Zeit nicht öffnen, sodass jeder, der bis dahin nicht bereits physische Ware besitzt, der Aufwertung der Edelmetalle hilflos zusehen muss. In Zeiten, in denen das Finanzsystem jederzeit kollabieren könnte, muss man mit derartigen Ereignissen rechnen. Wichtig bleibt, an der Börse und in der Politik einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht voreilige und irrationale Schlüsse zu ziehen und sich von der Medienpropaganda und Emotionen vereinnahmen und leiten zu lassen. Wer Gold und Silber aufgrund des Unglücks kaufte und somit auf eine Zuspitzung des Konflikts setzte, handelte womöglich emotional und unüberlegt, doch nicht den Marktdaten entsprechend, denn diese sprachen schon länger für eine Korrektur an den Märkten.

Am Mittwoch um 20 Uhr wird das Sitzungsergebnis der US-Notenbank Fed veröffentlicht werden, das wieder einen Einfluss auf die Edelmetalle haben dürfte. Da wir im Gesamtbild eher negativ gestimmt sind, würden uns Preisabschläge im Anschluss der Veröffentlichung nicht wundern. Weiterhin wird am Mittwoch der US-Arbeitsmarktbericht des Personaldienstleisters ADP erscheinen und das US-Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal. Am Freitag gibt es dann noch den offiziellen US-Arbeitsmarktbericht, der sowohl auf die Edelmetalle als auch die Aktienmärkte Auswirkungen haben wird. Mittwoch um 20 Uhr und Freitag um 14:30 Uhr sollte man keine zu großen Positionen im Feuer halten sowie Gewinne absichern für den Fall, dass die Daten und die Marktreaktion nicht den eigenen Erwartungen entsprechen. Vor der Notenbanksitzung sind keine großen Kursbewegungen nach oben mehr zu erwarten bei Gold und Silber – es sei denn, ein äußerer politischer Faktor sorgt dafür. Ansonsten dürften die neuen kurzfristigen Abwärtstrends standhalten und es am Mittwochabend möglicherweise zu stärkeren Verlusten im Rahmen der Korrektur kommen.

Analyse für Silber

Der Anstieg des Silberpreises wurde ab etwa dem 18. Juni ausgebremst, was wir dem Commitment of Traders Report vom 27. Juni entnehmen konnten und zu jenem Zeitpunkt auch die erste Warnung gaben. Spätestens nach dem Fake-Out über 21,25 US-Dollar, dem Rückfall aus dem Aufwärtstrend zurück in die Handelsspanne, bei einer gleichzeitigen Verschlechterung der Daten und einer erneuten Manipulation selbst in den Daten für Gold, war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Silberpreis als nächstes nach unten aus der Handelsspanne fallen würde. Es dauerte noch fast zwei Wochen, bis schließlich gestern die ersten Bullen die Reißleine ziehen mussten. Wir könnten uns vorstellen, dass sich die neuen CoT-Daten, die heute erscheinen werden, noch nicht verbessert haben dürften. Daher gehen wir davon aus, dass der Preis weiter schwach sein wird und mit guter Wahrscheinlichkeit wieder die 19 US-Dollar testen könnte.

In jedem Fall halten wir einen erneuten Anstieg über 21,50 US-Dollar in den nächsten beiden Monaten für äußerst unwahrscheinlich, wenn nicht eben ein Schock von außen auf den Märkten auftritt. Das bärische Muster, das wir isoliert haben, verheißt nichts Gutes und selbst die Unterstützung bei 19 US-Dollar wäre demnach in Gefahr. Für das Trading ist die Sache im Augenblick recht einfach. Der Widerstand bei 21,25 US-Dollar war noch einmal eine gute Gelegenheit, um eine erste Shortposition zu eröffnen und spätestens mit dem Fall unter 20,80 US-Dollar die zweite Shortposition. Selbst die mittelfristig ausgerichteten Positionen hatten wir geschlossen und Gewinne mitgenommen in der letzten Woche, da das Chance-Risiko-Verhältnis extrem schlecht geworden war. Im Moment besteht keine Eile für Käufe, solange der Preis nicht über 21,25 US-Dollar ansteigt, was wir erstmals für sehr unwahrscheinlich halten. Im Trading sind wir short und mittelfristig haben wir die Longpositionen verkauft. Wir warten nun ab, bis sich der Markt bereinigt hat, und wechseln dann wieder auf die Seite der Käufer. Unser bärisches Szenario würde sich mit einer deutlichen spekulativen Bereinigung oder Preisen über 21,25 US-Dollar auflösen.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Markus Blaschzok

Über Markus Blaschzok

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige