07. August 2014

Umwelt Bericht der Weltbank

Ist „grünes Wachstum“ ein Rezept gegen Armut?

„Grünes Wachstum“ gilt für viele als das Schweizer Taschenmesser unter den Entwicklungsstrategien. Der gemeinsame Kampf gegen Armut und Umweltverschmutzung durch umweltfreundliche Wachstumspolitik erscheint naheliegend. Doch ganz so einfach ist die Sachlage dann doch nicht, denn die höheren Kosten des grünen Wachstums belasten gerade die ärmeren Teile der Bevölkerung. Stefan Dercon ist in seinem Weltbank-Arbeitspapier „Is Green Growth Good for the Poor?“ (World Bank Policy Research Working Paper) wenig optimistisch, dass höhere Energiepreise und umweltpolitische Regulierungen automatisch auch den Armen zugutekommen. Eher profitieren Mittelklasse und Reiche, wenn der Einsatz von Umweltressourcen durch Kapital und qualifizierte Arbeit substituiert werden muss. Armen fehlt hier oft der schnelle Zugang zu finanziellen Mitteln und die Qualifikation.  Steigende Güterpreise hingegen treffen die Ärmsten als Konsumenten am härtesten. Auch „grüne” Investitionsprojekte, bei denen der Einsatz von Subventionen mehr Beschäftigung verspricht, können für einkommensschwache Haushalte ein Problem sein, da die notwendigen Mittel nicht mehr für andere Investitionen zur Verfügung stehen. Besonders kritisch sind solche Maßnahmen zu betrachten, mit denen eine lokale Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln und eine Reduzierung des Transports von Gütern und Personen erreicht werden sollen. Hier besteht die Gefahr, die Vorteile der überregionalen und internationalen Arbeitsteilung nicht zu nutzen und erst recht in eine Armutsfalle zu geraten. Auch die Anpassung an Umweltveränderungen und den Klimawandel sollte nicht auf ein lokales Gefahrenmanagement beschränkt bleiben, sondern vor allem als allgemeine Resilienz durch mehr Wohlstand und technologischen Fortschritt verstanden werden. Grünes Wachstum ist nicht zwangsläufig schlecht für Arme, doch es ist kein Ersatz für Wachstum durch institutionelle Reformen und technische Entwicklung. Die Ärmsten der Erde sollten nicht den Preis für einen „grünen” Planeten zahlen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Liberalen Instituts.


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