25. August 2014

Buchkritik Die Schüsse von Sarajevo

Christopher Clark über die vermeidbare Tragödie

Am 28. Juni 1914 verübte der bosnische Serbe Gavrilo Princip das vielleicht folgenschwerste Attentat der Geschichte. Er erschoss den in Sarajevo zu Besuch weilenden Erzherzog Franz Ferdinand, den habsburgischen Thronerben von Österreich-Ungarn. Obgleich die feige Bluttat in den Metropolen von Wien, Berlin, Paris, Rom, London, Sankt Petersburg und New York gleichermaßen verurteilt wurde, sollte sie doch den Startschuss zu einem militärischen Konflikt bilden, in dessen Verlauf mehr als 20 Millionen Menschen ihr Leben verloren: den „Großen Krieg“ oder, wie wir heute sagen: den Ersten Weltkrieg.

Wie konnte ein blutiger Terrorakt, der rund um den Globus mit Abscheu betrachtet wurde, die Welt in einen Krieg stürzen, wie sie ihn noch nie zuvor gesehen hatte? Dies ist die Frage, der der australische Historiker Christopher Clark in seinem ebenso ausgezeichnet wie anschaulich geschriebenen Buch „Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“ nachgeht.

Im Unterschied zu anderen Forschern – allen voran den nach wie vor von volkspädagogischen Motiven geleiteten deutschen Historikern – ist es Christopher Clark nicht darum zu tun, nach dem vermeintlich allein schuldigen Urheber des Krieges zu suchen. Für ihn ist der Erste Weltkrieg nicht das Ergebnis eines Verbrechens, wie etwa des vielbeschworenen „Griffs nach der Weltmacht“ durch Kaiser Wilhelm II. Für ihn ist der Erste Weltkrieg vielmehr eine Tragödie, in der die handelnden Figuren unschuldig schuldig wurden. Die europäischen Mächte sind, wie es der Titel von Clarks Buch denn auch andeuten will, mehr oder weniger „schlafwandlerisch“ in den Konflikt getaumelt: „Der Kriegsausbruch war eine Tragödie, kein Verbrechen.“ (S. 716.)

Nach Christopher Clark plante im Sommer 1914 „keine einzige europäische Großmacht den Beginn eines Aggressionskrieges“ (S. 470). Wie konnte es denn aber trotzdem zu einem globalen Krieg kommen? Um dies zu verstehen, muss man einen genaueren Blick auf die Hintergründe des Attentats von Sarajevo werfen.

Gavrilo Princip, der die tödlichen Schüsse auf Erzherzog Franz Ferdinand abfeuerte, war Mitglied der „Schwarzen Hand“, einer in Belgrad beheimateten terroristischen Vereinigung. Die Insignien dieser Organisation bestanden aus einem runden Logo mit einem Schädel, gekreuzten Knochen, einem Messer, einer Bombe und einer Phiole mit Gift. Es war buchstäblich eine Vereinigung von Selbstmordattentätern (S. 69).

1911 von Oberstleutnant Dragutin Dimitrijević in die Welt gerufen, setzte sich die Schwarze Hand die Gründung eines „großserbischen Reiches“ zum Ziel.  Dieses Reich sollte neben Serbien auch Kroatien, Bosnien, Istrien, Dalmatien, Makedonien, Albanien, Montenegro, Herzegowina, das Kosovo und den nördlichen Teil Griechenlands umfassen.

Der Verwirklichung des Traums von einem „südslawischen“ oder „jugoslawischen“ Reich standen allerdings zwei andere Reiche im Wege – das der Habsburger und das der Osmanen. In den Augen der Schwarzen Hand hielt Wien mit Bosnien und Herzegowina und Konstantinopel mit Makedonien und Albanien großserbische Territorien besetzt, die es unbedingt zu erobern galt.

Als die Nachricht vom Tode Franz Ferdinands in Wien eintraf, hatte die Regierung von Österreich-Ungarn freilich noch keinen handfesten Beweis dafür, dass das Attentat ein Werk der Schwarzen Hand war; doch sie hegte bereits den mehr als berechtigten Verdacht, dass der Anschlag mit Wissen und Billigung der serbischen Regierung erfolgt war. Was sollte man tun? Da die Ermordung des Erzherzogs nicht der erste gegen Österreich-Ungarn gerichtete Terrorakt war – ihm gingen tatsächlich etwa ein Dutzend anderer Übergriffe voraus –, dachte man in Wien zuerst über einen sofortigen Militärschlag gegen Serbien nach. 

Dank des Einlenkens des ungarischen Regierungschefs István Tisza einigte man sich jedoch darauf, dass der serbischen Regierung „Zeit gelassen werden sollte, ihre Loyalität zu bezeigen“ (S. 513). Mit anderen Worten: Belgrad sollte die Hintergründe des Attentats aufklären und sämtliche Drahtzieher des Verbrechens zur Verantwortung ziehen.

Als das serbische Innenministerium seine Untersuchung zu dem Anschlag bereits nach einer Woche abbrach und kurzerhand erklärte, dass das Attentat keinerlei Verbindungen zur Regierung aufweise, zeigte man sich in Wien ungehalten. Auch wenn man die genauen Hintergründe noch nicht kannte, hatten eigene Untersuchungen doch bereits ergeben, dass die Regierung in Belgrad von der Planung des Anschlags wusste und die Täter deckte.  

Österreich-Ungarn beschloss daher, Serbien ein Ultimatum zu stellen. Belgrad sollte es Wien gestatten, sich mit eigenen Beamten an der lückenlosen Aufklärung des Attentats zu beteiligen.

„Da die Österreicher ihr Anliegen juristisch unbedingt so einwandfrei wie möglich präsentieren wollten, kam es nicht in Frage, Serbien eine direkte Mitschuld an dem Mord von Sarajevo zu unterstellen.“ (S. 582.) In einem Begleittext zum Ultimatum, das der Regierung von Belgrad am 23. Juli 1914 übergeben wurde, war denn auch an keiner Stelle von einer serbischen Mittäterschaft die Rede. Stattdessen erinnerte man Belgrad lediglich daran, dass es versprochen habe, „eine freundnachbarliche Beziehung“ zu Österreich-Ungarn zu unterhalten. Trotz dieses Versprechens, fügte man in etwas schärferem Tone hinzu, habe die serbische Regierung jedoch die Existenz einer „subversiven Bewegung“ geduldet, welche „durch Akte des Terrorismus, durch eine Reihe von Attentaten und durch Morde Ausdruck gefunden“ habe (S. 580).

Serbien war eine Frist von 48 Stunden gesetzt worden. Im Prinzip hätte es dem serbischen Regierungschef Nikola Pašić keine große Mühe bereiten sollen, ein im angemessenen Ton gehaltenes Antwortschreiben aufzusetzen und die wohl keineswegs als überzogen zu bezeichnenden Forderungen Wiens anzunehmen.

Doch Pašić befand sich in einem Dilemma. Obgleich er die Mittel der Schwarzen Hand verabscheute, unterstützte er doch ihre Ziele. Er träumte ebenfalls von einem großserbischen Reich, das sich bis zur Adriaküste erstrecken sollte. Mehr noch: Wenn er Wiens Forderung nachgab und es österreichischen Beamten gestattete, die Hintergründe des Attentats aufzuklären, wäre womöglich ans Licht gekommen, dass er über den Plan zur Ermordung des Erzherzogs vorab in Kenntnis gesetzt worden war und es bewusst verabsäumte, die Doppelmonarchie zu warnen. 

In seiner Not telegraphierte Pašić eine Nachricht an seine Gesandten in London, Paris, Wien, Berlin und Sankt Petersburg, in der er vorgab, dass er das österreichisch-ungarische Ultimatum bedingungslos zu akzeptieren gedenke. Mit diesem Schritt suchte Pašić jedoch nur die Haltung der anderen europäischen Mächte zu sondieren. Gab es vielleicht eine Regierung, die bereit war, Serbien zur Hilfe zu eilen? 

Und tatsächlich: Russland, das sich als Schutzherr aller slawischen Völker betrachtete, sagte sogleich seine Unterstützung zu. Wie der serbische Gesandte in Sankt Petersburg, Miroslav Spalajković, mitteilte, habe das russische Außenministerium „das österreichisch-ungarische Ultimatum voller Abscheu verurteilt“ und erklärt, dass kein souveräner Staat derart demütigende Forderungen akzeptieren könne, „ohne Selbstmord zu begehen“. Russland werde in Kürze ein Kommuniqué veröffentlichen, in dem es Serbien offiziell unter seinen Schutz stelle (S. 592). 

Durch Russlands Unterstützung ermuntert, beschloss Serbien, die Forderungen Österreichs abzulehnen. Fünf Minuten vor Ablauf der gesetzten Frist übergab Nicola Pašić der österreichischen Gesandtschaft eine Note, in der es hieß, dass die serbische Regierung nicht für die Handlungen privater Einzelpersonen verantwortlich gemacht werden könne. Zudem würde eine Beteiligung österreichischer Beamter an den Ermittlungen zur Aufklärung des Attentats von Sarajevo der serbischen Verfassung widersprechen. 

Um sein Gesicht zu wahren, entschloss sich Österreich-Ungarn, Stärke zu demonstrieren. „Am Morgen des 28. Juli 1914 unterschrieb Kaiser Franz Joseph in seinem Arbeitszimmer in der kaiserlichen Villa in Bad Ischl am Schreibtisch mit einem Federkiel die Kriegserklärung an Serbien.“ (S. 601.)

Mit welchem Recht, wird man an dieser Stelle fragen, glaubte Russland sich in eine Angelegenheit einmischen zu dürfen, die eigentlich nur Serbien und Österreich betraf?

Wie erwähnt betrachteten die Russen sich als „Blutsbrüder“ der Serben. Sie meinten, es sei ihre „historische Mission“, die „Unabhängigkeit aller slawischen Völker“ zu garantieren. Doch dies war natürlich bloße Rhetorik. Viel entscheidender war, dass Sankt Petersburg Belgrads Streben nach einem großserbischen Reich unterstützte. Russland hoffte, mit Serbien einen gefügigen Bündnispartner auf dem Balkan zu gewinnen, der ihm half, seinen seit Jahrzehnten gehegten Traum zu verwirklichen: die Kontrolle über den Bosporus. Eine Kontrolle über den ökonomisch und strategisch so wichtigen Bosporus sollte es den Russen ermöglichen, nicht nur ihre Handelsschiffe, sondern auch ihre Kriegsschiffe jederzeit vom Schwarzen Meer in das Mittelmeer entsenden zu können. So gesehen ist es denn auch nicht weiter verwunderlich, dass aus Sankt Petersburg heimlich Gelder nach Belgrad flossen – Gelder zur Unterstützung der Schwarzen Hand. 

Was war mit Frankreich und Deutschland? Paris hatte seit 1894 ein Bündnis mit Sankt Petersburg und Berlin hatte seit 1879 ein Bündnis mit Wien. Wenn es zu einem Krieg kommen sollte, war Frankreich verpflichtet, an der Seite von Russland zu kämpfen, und Deutschland war verpflichtet, an der Seite von Österreich zu kämpfen. Bedauerlicherweise begingen Paris und Berlin 1914 auch denselben Fehler: Indem Frankreich und Deutschland sogleich ihre Bündnistreue erklärten, stellten sie Russland und Österreich den viel zitierten Blankoscheck aus.  

Wie Christopher Clark überzeugend dartut, ist „Blankoscheck“ allerdings ein irreführender Begriff. Es waren keineswegs nur die mit dem Beistandspakt einhergehenden Verpflichtungen, die Frankreich und Deutschland dazu bewogen, ihrem jeweiligen Bündnispartner zur Seite zu stehen. 

In Berlin stellte der deutsche Kanzler Theobald von Bethmann Hollweg eine durchaus rationale Überlegung an. Er sagte sich, Sankt Petersburg hat nur zwei Optionen. Die erste Option, die er für die wahrscheinlichere hielt, war die, dass Russland angesichts eines drohenden Krieges mit Deutschland von einer weiteren Unterstützung Serbiens absehen und der Frieden erhalten bleiben werde. Die zweite Option, die er für eher unwahrscheinlich hielt, war die, dass Russland dennoch zu den Waffen greifen werde. Wenn Sankt Petersburg aber bereit sein sollte, für eine Sache zu kämpfen, die „weder aus moralisch-rechtlicher noch aus sicherheitspolitischer Sicht zu rechtfertigen war“ (S. 537), beweise dies nur, dass Russland den Willen habe, einen Krieg „zu suchen“ (S. 537). Und: „Wenn es ohnehin zum Krieg kommen sollte, dann lieber gleich“ (S. 536), also noch bevor Russland sein in alle Welt ausposauntes Aufrüstungsprogramm abgeschlossen hatte. 

In Paris stellte der französische Präsident Raymond Poincaré ähnliche Überlegungen an wie Bethmann Hollweg. Um politischen Druck auf Berlin ausüben zu können, war es für Paris wichtig, dass Deutschland weiter von zwei Seiten bedroht blieb: im Osten von Russland und im Westen von Frankreich. Angesichts des gigantischen Aufrüstungsprogramms, das Sankt Petersburg gestartet hatte, fürchtete Poincaré, dass die Russen vielleicht schon bald nicht mehr der Franzosen bedurften (S. 406). Um Russland von der vitalen Bedeutung des bestehenden Bündnisses mit Frankreich zu überzeugen, glaubte er daher keine Minute zögern zu dürfen, Sankt Petersburg seiner unbedingten Treue zu versichern. „Poincaré nannte das eine Politik des Friedens, weil er davon ausging, dass Deutschland und Österreich angesichts einer so unerschrockenen Solidarität wohl einen Rückzieher machen würden. Aber wenn alles schiefging, gab es Schlimmeres als einen Krieg an der Seite des mächtigen Russlands und der, wie man hoffte, Militär-, See- und Handelsmacht Großbritannien.“ (S. 577.) 

Der Bündnistreue Frankreichs gewiss, befahl Russland am 30. Juli 1914 die Generalmobilmachung. Es mobilisierte seine Armee aber nicht nur entlang der österreichischen, sondern auch entlang der deutschen Grenze. Berlin, das zu dieser Zeit noch nicht einmal den Zustand drohender Kriegsgefahr ausgerufen hatte, appellierte an Sankt Petersburg, seine Mobilmachung sofort zu stoppen. Als Sankt Petersburg sich weigerte, seinen Mobilmachungsbefehl zurückzunehmen, erklärte Deutschland Russland am 1. August 1914 den Krieg.     

Großbritannien verhielt sich zu Beginn des Konflikts neutral. In einem Leitartikel der „Times“ vom 16. Juli 1914 hieß es, „dass es das gute Recht der Österreicher sei, auf einer sorgfältigen Untersuchung aller Verzweigungen der Verschwörung zu bestehen“ (S. 521), die zur Ermordung ihres Thronfolgers führte. Am 24. Juli bot London sogar an, als Schlichter in dem Konflikt aufzutreten. Auf Druck Russlands lehnte Serbien dieses Angebot jedoch ab (S. 619). Der „Manchester Guardian“ erklärte daraufhin, „dass Manchester sich so wenig um Belgrad schere wie Belgrad um Manchester“ (S. 629). Und „am 29. Juli äußerten die ‚Daily News‘ Abscheu bei der Vorstellung, dass britische Leben ‚im Namen der russischen Hegemonie über die slawische Welt‘ geopfert werden könnten“ (S. 629).

Was bewog Großbritannien zu der Entscheidung, an der Seite von Frankreich und Russland gegen Deutschland und Österreich zu kämpfen? Gemeinhin wird gesagt, dass es die Verletzung der belgischen Neutralität war, die London am 4. August 1914 dazu zwang, Berlin den Krieg zu erklären. Christopher Clark bezweifelt dies. Er verweist hierzu auf die Kabinettssitzung vom 29. Juli, auf der beschlossen wurde, dass eine deutsche Verletzung der belgischen Neutralität kein militärisches Eingreifen Großbritanniens erfordere (S. 689). Der Marsch deutscher Truppen durch das neutrale Belgien war daher nicht der wahre Grund, sondern nur eine nachträgliche Rechtfertigung für die Kriegserklärung Großbritanniens (S. 697).

Obgleich Clark ganz unmissverständlich schreibt, dass Großbritannien 1914 in den Krieg zog, „um Deutschland in Schach zu halten“ (S. 698), überlässt er es doch weitgehend seinen Lesern, Londons konkrete Motive zu verstehen. Offenbar war es das geradezu atemberaubende Wirtschaftswachstum Deutschlands, das Großbritannien Sorge bereitete: Im Jahr 1913 hatte die deutsche Industrie die britische überholt. „Anders ausgedrückt: In den Jahren von 1860 bis 1913 vervierfachte sich der deutsche Anteil an der weltweiten Industrieproduktion, während der britische Anteil um ein Drittel sank. Noch beeindruckender war der wachsende deutsche Anteil am Welthandel. Im Jahr 1880 kontrollierte Großbritannien 22,4 Prozent des Welthandels; die Deutschen belegten zwar den zweiten Platz, hatten aber mit 10,3 Prozent einen deutlichen Rückstand. Im Jahr 1913 hingegen war Deutschland mit 12,3 Prozent Großbritannien hart auf den Fersen, dessen Anteil auf 14,2 Prozent geschrumpft war. In Großbritannien schwang bei den Worten ‚Made in Germany‘ sehr stark das Gefühl einer Bedrohung mit, nicht weil die deutschen Handels- oder Wirtschaftspraktiken aggressiver oder expansionistischer als andere waren, sondern weil sie die Grenzen der britischen Weltherrschaft aufzeigten.“ (S. 224.)

Das einzige, was man in Clarks Buch vermisst, ist ein Kapitel über die territorialen und ökonomischen Gewinne, die sich die europäischen Mächte von einem etwaigen Krieg versprachen. Auch wenn letztlich keine Nation einen Krieg wollte, sondern ihn bestenfalls billigend in Kauf nahm, gab es doch in allen Hauptstädten bereits Überlegungen zur möglichen Kriegsbeute: Großbritannien hoffte sich eines lästigen Konkurrenten auf dem Weltmarkt entledigen zu können. Russland hoffte auf die Kontrolle des Bosporus. Frankreich hoffte auf die Rückeroberung von Elsass und Lothringen. Und Serbien hoffte auf die Entstehung eines von Belgrad regierten Jugoslawiens, das den Balkan dominieren und bis zur Adria reichen sollte. 

Auf die Frage, wie der Krieg hätte vermieden werden können, gibt Clark eine ebenso einfache wie überzeugende Antwort: Der serbische Regierungschef Nikola Pašić „hätte eine echte Untersuchung der Verschwörung in die Wege leiten und sein eigenes Amt riskieren können, statt den Frieden seiner Nation“ (S. 95).

Eingangs ist die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand als das „vielleicht folgenschwerste Attentat der Geschichte“ bezeichnet worden. Um diese Aussage zu rechtfertigen, sollte ich abschließend noch kurz an einen Umstand erinnern, auf den nicht erst der australische Historiker Christopher Clark, sondern bereits der schottische Historiker Niall Ferguson in seinem Buch „Der falsche Krieg“ hingewiesen hat: Der Erste Weltkrieg war kein von langer Hand geplantes Verbrechen. Er war vielmehr eine durchaus vermeidbare Tragödie. Hätten die Machthaber in Wien, Belgrad, Sankt Petersburg, Berlin, Paris und London besonnener gehandelt und den lokalen Konflikt auf dem Balkan nicht zum Auslöser eines Krieges werden lassen, wäre 20 Millionen Menschen der Tod erspart geblieben. Ja, mehr noch: Wäre es nicht zu einem Waffengang gekommen, hätte es keine Oktoberrevolution, kein Schanddiktat von Versailles, keinen Reichskanzler namens Adolf Hitler und keinen Holocaust gegeben.

Link:

Christopher Clark, Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog (amazon.de)


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Edgar Dahl

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