27. August 2014

Gender-Neusprech Wie können Ideologen überzeugt werden?

Der Markt bietet bereits eine Lösung

Dossierbild

Des öfteren höre ich, wie sich Freunde und Bekannte über die gegenderte Sprache beschweren, die ihnen alltäglich ungebeten aus dem Internet entgegenschwappt. Grundsätzlich möchte ich diese Einstellung gegenüber Gender-Mainstreaming teilen.

Gender-Mainstreaming verurteilt herkömmlichen Sprachgebrauch als androzentrisch und sexistisch und will ihn in Vokabular und Rechtschreibung geschlechtergerecht verändern. Dadurch soll ein Bewusstseinswandel angestoßen werden, der Geschlechtervorurteile und Geringschätzung gegenüber Frauen und sexuellen Minderheiten beseitige.

Wie erfolgreich diese Vorgehensweise dabei allerdings ist, bleibt höchst fraglich. Klar sind jedenfalls die Kosten. Obwohl sich die Vorteile ihrer Nutzung nicht erkennbar machen, beeinträchtigen die diversen Gender-Konstruktionen den Lesefluss, ergeben einen gezwungen wirkenden Sprachstil und sind in Lautsprache oft kaum ausdrückbar. Ihre Verwendung wirkt häufig einfach lächerlich.

Nachvollziehbar also, dass gegenderte Sprachkonstruktionen auf Abneigung stoßen. Doch wie auch der Gebrauch von „Beamtendeutsch” zeigt, reagieren einige Institutionen, insbesondere staatliche und staatsnahe, ziemlich inflexibel auf die Nachfrage nach „benutzerfreundlicher” Sprache – und wie wirkungsvoll mag es sein, Gender-Ideologen im Meta-Diskurs von der Absurdität und praktischen Untauglichkeit ihrer Ideen zu überzeugen?

Zumindest was das Internet betrifft, gibt es mittlerweile zielführendere Lösungen, die Abhilfe schaffen können. Mit Programmen wie dem Browser-Plugin Binnen-I be gone ist es möglich, die häufigsten Gender-Konstruktionen aus Webseiten herauszufiltern und durch dudentaugliche Formulierungen zu ersetzen. Dazu gibt es auch verschiedene Zusatzfunktionen, um beispielsweise Doppelformen („Wählerinnen und Wähler“) zu ersetzen oder beizubehalten, um Whitelists für besondere Webseiten zu erstellen, auf denen nicht gefiltert werden soll, oder für Artikel mit dem Thema „Binnen-I“ eine Ausnahme zu machen.

Da der Bedarf an solchen Lösungen offenbar nicht gering ist, steht die Erweiterung mittlerweile schon für Firefox, Chrome und Opera zur Verfügung, und auch eine für Safari angepasste Light-Version ist bereits unter dem Namen „Binnen-X“ erhältlich.

Ob gegenderte Sprache tatsächlich ein so allgegenwärtiges Phänomen ist, ist mir durch meine längere Nutzung des Programms nicht mehr möglich zu beurteilen. In jedem Fall bietet das Programm eine individuelle Möglichkeit, sich weitestgehend aus den irrsinnigen Kreationen der Sprachkonstruktivisten auszuklinken.

Diese Entwicklung ist nicht nur begrüßenswert, sondern auch natürlich. Sprache geht immer schon aus einer spontanen Ordnung hervor; aus Konventionen zwischen denen, die sie gebrauchen, nicht Top-down aus den Plänen einiger weniger Gesellschaftskonstrukteure.


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Dossier: Gender Mainstreaming

Autor

Jonathan Olbrück

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