15. September 2014

Schottland Zentralismus oder Recht auf Sezession?

Die Abspaltung hätte weitreichende Folgen – auch für Sie als Anleger

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Heute widme ich mich einem vermeintlich börsenfernen Thema. Aber dem ist mitnichten so, denn dieses Thema wird früher oder später auch die Finanzmärkte erschüttern: Am 18. September 2014 hat die Bevölkerung Schottlands die Gelegenheit, das Land in die Unabhängigkeit zu führen. Wird sie es tatsächlich tun? Und welche Folgen wird das vor allem für Sie als Anleger haben?

Den Umfragen zufolge ist der Ausgang dieses Referendums völlig offen. An diesem Punkt müssen wir uns also in Geduld üben. Aber über die Folgen einer Sezession sollten Sie sich durchaus jetzt schon ein paar Gedanken machen.

Aus Sicht der Anhänger des politischen Zentralismus wird mit diesem Referendum die Büchse der Pandora geöffnet: „Wo kämen wir denn hin, wenn jedes Volk selbst bestimmen könnte, unter welcher Herrschaft es leben möchte?“

Ganz anders sehen es die Verfechter eines Rechts auf Sezession. Sie halten die Selbstbestimmung für ein freiheitliches Grundprinzip, also für ein selbstverständliches Recht eines jeden Volkes.

Löst sich die Europäische Union einfach auf?

Dass dieses Recht jetzt den Schotten gewährt wird, hat wahrscheinlich eine Signalwirkung für ganz Europa und sogar den Rest der Welt. Wenn die seit Jahrhunderten bestehende Union zwischen Schottland und England so einfach aufgekündigt werden kann, dann ist keine bestehende Grenze mehr sicher und nahezu alles möglich.

Denn mit welchen Argumenten und mit welchem Recht will man in anderen Ländern und Regionen jetzt noch Sezessionsbestrebungen ächten und die Unverrückbarkeit bestehender Grenzen begründen? An teilweise uralte Sezessionsbestrebungen kann plötzlich wieder angeknüpft werden, und das mit Aussicht auf Erfolg. Beispielsweise in Spanien, wo entsprechende Stimmen bereits laut werden, oder in Italien, auf Korsika und so weiter.

Die Frage lautet: Was würde ein unabhängiges Schottland tun?

Würde Schottland in der EU bleiben? Würde es eine Währungsunion mit Großbritannien eingehen oder der Europäischen Währungsunion beitreten und den Euro übernehmen, oder gar eine eigene Währung einführen? Würde Schottland in der NATO bleiben oder sich in Neutralität üben? Fragen über Fragen, auf die es heute noch keine Antworten geben kann.

Zweierlei ist aber heute schon sicher:

Erstens wird es im Falle der Sezession ein hartes Geschachere geben um die Aufteilung der bestehenden Staatsschulden einerseits und um die Einnahmen aus dem Nordseeöl andererseits.

Zweitens gibt es in einem Großbritannien ohne Schottland eine Mehrheit der EU-Skeptiker. Sie würden wohl umgehend die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens beenden und damit einen Grundpfeiler der Europäischen Union entfernen.

Schottlands Unabhängigkeit würde zum Austritt Großbritanniens aus der EU führen

Der Austritt Großbritanniens aus der EU hätte weitreichende Folgen. Er würde Europa bis ins Mark erschüttern und endgültig den Weg frei machen für eine sozialistische und politisch von Frankreich dominierte Europäische Restunion. Schließlich war immer wieder Großbritannien das Land, das innerhalb der EU für marktwirtschaftliche Prinzipien kämpfte und den französischen Sozialisten und Zentralisten in die Parade fuhr. Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, wer diese überaus wichtige Rolle übernehmen könnte.

Für Sie als Anleger sind die hier angesprochenen Entwicklungen von höchster Brisanz. Die Finanzmärkte befinden sich ohnehin in einem überaus fragilen und riskanten Zustand. Die extreme Überbewertung der Aktien- und Rentenmärkte basiert ausschließlich auf einem zwar absurden, aber derzeit grenzenlosen Vertrauen in die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Zentralbankbürokraten. Dieses blinde und vor allem naive Vertrauen kann jederzeit erschüttert werden, womit das Platzen der Blasen besiegelt wäre. Mögliche Auslöser für das früher oder später mit Sicherheit stattfindende Platzen der Blase gibt es viele. Die Sezession Schottlands könnte einer dieser Auslöser sein.

Weitere Analysen und Anlagehinweise finden Sie in Claus Vogts Börsenbrief „Krisensicher Investieren“.


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