18. September 2014

Energiewende Neues Kinderspiel

Lustiges Windräderzählen

Um jahrhundertealte Kulturlandschaften ästhetisch zu ruinieren, und zwar zügig, dazu braucht es robuste Mandate. Das EEG vor allem, sowie die mittels der EEG-Milliardensubventionen alimentierte Windradindustrie, welche bestens mit Politik und Medien vernetzt ist. Es braucht allerdings auch Bürger, die klaglos oder billigend in Kauf nehmen, dass ihr Land mit Riesenspargeln von derzeit 186 Metern Höhe (demnächst geht’s weiter himmelwärts) zugestellt wird. Da liegt manches im Argen. Vielerorts haben sich Widerstandsnester gebildet, sogar beim NABU. Immer mehr Bürger votieren gegen Rotorenterror und Stromtrassenmonster, schreiben wütende Leserbriefe, ziehen vor Gericht. Manche wählen gar die AfD. Was ist zu tun?

Fest steht: Ein Projekt, wie man es sich totaler und radikaler gar nicht vorstellen kann, muss vor allem die Jugend begeistern. Das hatten in der jüngeren deutschen Geschichte schon andere kühne Visionäre erkannt. Deren pädagogische Anstrengungen habe ich in einem Artikel für das Debattenmagazin „liberal“ leicht aktualisiert:

„Kindern muss schon in der Kita beigebracht werden, solche Bauwerke zu lieben. Um das, was sie auf alten Landschaftsbildern sehen, als rückständige Relikte dunkler Zeiten empfinden zu können. Es darf ihnen später nicht mal mehr möglich sein, ein Bild wie Max Liebermanns ,Die Netzflickerinnen’ mit Freude anzuschauen. Vielmehr müssen sie sich vor diesem 1887 an der flämischen Kanalküste entstandenen Panorama einer weiten windigen Landschaft die irritierten Augen reiben: Wo sind denn da die Windräder?“

Die Oldenburger EWE, fünftgrößter Energieversorger der Republik, ist auf diesem Pfad beherzt vorangeschritten. Sie macht seit einigen Jahren ostentativ auf „Grünstrom“, weil sie im konventionellen Strom- und Gasgeschäft für ihre Aktionäre offenbar nicht genug Kohle raushauen kann. „Neue Geschäftsfelder wie Stromspeicher und Windparks sollen langfristig Geld in die Kasse spülen“, meldet das „Handelsblatt“ über den Konzern, dessen Gewinn in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2014 „um fast 90 Prozent“ einbrach, so das „HB“.

Das aktuelle EWE-Firmenmagazin „Hallo Nachbar“ enthält folgerichtig ein lustiges Gewinnspiel für Kinder. Über eine Doppelseite entfaltet sich ein quietschbuntes Küstenpanorama, wo Segelboote, Lenkdrachen, Vögel, Deichschafe und Menschen vom Wind gezaust werden. Auch sind da ganz viele Windräder zu sehen, „mit denen an Land und im Meer Strom erzeugt wird“, so der Text unter dem Wimmelbild. Preisfrage an die Lütten: „Wie viele Windräder zählst du im Wasser und an Land?“ Zu gewinnen: „30 Drachen mit Tiermotiven.“

Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will, sagt der Volksmund. Auf den Haken an der Sache werden unsere jungen Windradpioniere irgendwann von selbst kommen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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