24. September 2014

Klima Wenn Emotionen den Journalismus fressen

Die „Nachrichten“ und die Klimakonferenz in New York

Dossierbild

Weltweit in 150 Ländern haben Hunderttausende von Menschen für mehr erneuerbare Energie und gegen den Klimawandel demonstriert. Im Gesicht von Thomas Roth war der ganze Weltschmerz zu sehen, als er diesen Aufmacher am 21. September in den Tagesthemen ankündigte. Die Masse der Zuschauer wird sicher beeindruckt haben, was sie dann zu sehen bekamen. Eine lautstarke, bunte Demo mit viel Prominenz: Der bärtige Hollywoodstar Leonardo DiCaprio, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und der unvermeidliche Klimaerwärmungsprediger Al Gore.

Sorry, Kollege Roth: Was Sie da ankündigten, war leider, um es in direktem amerikanischen Slang zu sagen: „Bullshit.“ Da wurde der Eindruck erweckt, als ob die Klimaerwärmung Katastrophen ausgelöst hätte, die den Menschen Angst machen. Ja, Angst haben die Menschen, weil ihnen solch unreflektierte Nachrichten vorgesetzt werden. Wie, bitte schön, erklären Sie sich, dass wir es mit Katastrophenschäden dank der Erderwärmung zu tun haben, wenn alle, wirklich alle Institute, auch und gerade die, die für den IPCC, auf Deutsch: „Weltklimarat“, arbeiten, seit 17 Jahren einen leichten Temperaturrückgang messen?

Also, das müssen Sie mir erklären: Wir haben einen realen Temperaturrückgang, aber die Katastrophen nehmen wegen der Erderwärmung zu? Nun kann es sein, dass Sie keine Zeit haben, sich so im Detail mit der Materie zu beschäftigen. Dafür sollten dann in der Redaktion unabhängige, nachfragende Fachkollegen sitzen. Aber der Beitrag wurde von Isabel Schayani, die aus der Monitor-Redaktion in Köln stammt, gefertigt. Nun habe ich fast alle Konferenzen besucht, die sich kritisch mit der menschengemachten Klimaerwärmung beschäftigen. Isabel Schayani habe ich da nie gesehen. Sie ist mir als sehr gute Kennerin des Iran bekannt und in dieser Frage teile ich fast komplett ihre Ansichten. Von 1979 bis 1983 habe ich nämlich auch regelmäßig als Journalist im Iran gearbeitet und wundere mich, mit welcher Nonchalance wir über die Realitäten in den islamischen Ländern hinwegschauen. Aber als Klimaexpertin ist sie mir noch nie aufgefallen.

Schon in der Anmoderation erwähnten Sie den Hurrikan Sandy, der vor zwei Jahren große Schäden in New York anrichtete. Sind Sie sicher, dass es ein Hurrikan war? Meine letzte Information lautete, dass die Einstufung strittig war, ob es sich um einen Hurrikan der Stufe eins, also der niedrigsten Klassifizierung, handelte oder doch nur um einen sehr starken Sturm. Das ist nämlich in den USA sehr wichtig. In einem Falle müssen die Versicherungen zahlen (Sturm), im anderen Falle hilft die Regierung mit ihrem Katastrophenfonds. Sandy wurde nur deshalb so berühmt, weil er die medial gut vernetzte Stadt New York traf. Tage bevor er die Küste erreichte, berichteten auch die deutschen Fernsehsender, wo Sandy jetzt ist. Liveschaltungen und fast stündliche Berichte bliesen so auch durch die deutschen Wohnzimmer. An der Spitze Manhattans stand das Wasser sogar knietief – aber nicht tief genug, um die Reporter zu vertreiben. Für ein spektakuläres Bild sorgte dann Gott sei Dank ein durchgebrannter Trafo. Aber: Sie kennen doch auch die Leitungen und Trafos in den USA. Der deutsche TÜV würde die halbe Nation in Amerika aus Sicherheitsgründen stillegen.

Aus noch einem Grund taugt Sandy nicht zur Panikmache. Die langjährige Statistik zeigt, dass seit einigen Jahren die Zahl der Hurrikane abgenommen hat, die letzte Saison fiel ganz aus und damit stimmt auch die zweite Behauptung nicht: Sie seien jetzt stärker geworden. Wo es keinen Hurrikan gibt, kann er auch nicht stärker werden – das müssen Sie mir zugeben. Wo das Ihre Redaktion erfahren kann? Einmal natürlich bei der zuständigen Behörde in den USA, aber ich vermittle gern einige Forscher in Deutschland, die Sie je nach Bedarf, sogar wöchentlich mit den neuesten Informationen über unsere Temperatur, die Katastrophen in der Welt und auch das Klima an den Polen informieren.

Im Text hat Isabel Schayani dann formuliert: „Die zerbrechliche Schicht der Zivilisation, Sandy hat sie weggespült“, schöner Text, fast poetisch. Aber ein aus Emotionen geborener Quatsch. Zu den Horrorbildern, in denen der Kölner Dom bis auf die Turmspitzen im Wasser steht, hat sich auch das Bild des abgesoffenen New Yorks gesellt. Wissen Sie, wie oft die Spitze Manhattans schon unter Wasser stand? Ich nicht. Seit 1969 war ich immer wieder dort und verfolge ziemlich genau, wenn Schneestürme im Winter oder brütende Hitze im Sommer die Ostküste der USA heimsuchen. Einige Schneestürme habe ich selbst erlebt. Das gehört zur Normalität. Früher hat sich auch kein Mensch um die Temperaturen in den USA gekümmert. Heute bestehen unsere Nachrichten aus allen Wetterkapriolen rund um den Globus und erwecken so den Eindruck, das sei neu. Vor allem Hitzewellen und Trockenheiten sind beliebt. Haben Sie auch gemeldet, dass in der Antarktis ein neuer Kälterekord mit minus 93 Grad gemessen wurde? Spannend wäre dann noch die Frage, wie das Eis bei diesen Temperaturen schmilzt.

Einen kleinen Wink hat Isabel Schayani dem Zuschauer dann doch gegeben, um was es bei der Klimafrage geht. Sie stellte den niederländischen Unternehmer Edgar Westerhof vor, der einen Plan ausgearbeitet hat, wie New York zu schützen sei, denn das, was die Stadt bisher gemacht habe, sei lächerlich. Leider, so der Nachrichtentext, ist der Auftrag für 20 Milliarden Dollar noch nicht an Herrn Westerhof erteilt. Eine Nachricht für die Hauptsendezeit der wichtigen deutschen Nachrichtensendung?  Wir Zuschauer dürfen uns wundern, was für uns alles wichtig sein soll.

Bei der Beurteilung der Demonstranten gab es zwischen Frau Schayani und der amerikanischen Öffentlichkeit auch ein sehr unterschiedliches Wahrnehmungsvermögen. In The American Interest, einem radikalen zentristischen Blog, schrieb der angesehene Demokrat und bekennende Obama-Wähler Walter Russell Mead: „Es war der gewöhnliche postkommunistische Marsch der ‚Lefties‘, also der Linksgedrehten. Das ist das Kleinbürgertum mit seinen bedeutungslosen Ritualen, das damit jene beeindrucken will, die keine Ahnung haben, emotional aufgeregt sind, zu ungebildet, um reflektieren zu können, wie nutzlos und ermüdend solche konventionellen Aufmärsche mittlerweile sind.“

Das „Wall Street Journal“ stellte lapidar fest: „Das Einzige, was sie erreicht haben, ist, den Verkehr durcheinander zu bringen“, und dass die New Yorker Konferenz schon jetzt gescheitert ist, wie alle anderen davor auch, wenn es um ein international bindendes Abkommen zur Verringerung der Treibhausgase geht.

Über die Organisatoren und Finanziers dieser „weltweiten“ Erhebung im Allgemeinen und in New York im Besonderen erfahren wir bei der ARD nichts. Dafür wieder ein emotionaler Einstieg in die Story. Gleich zu Beginn stellt Schayani den Aktivisten Roger Peet vor. Der „durch ganz Amerika“ reist, in New York eine Plastikbombe mit CO2-Ballons füllt und dazu erklärt: „Der größte Umweltverschmutzer der Welt ist das US-Militär. Es verbraucht das meiste Öl.“  Da stockt mir schon der Atem. Wir erleben zur Zeit die totale Zerstörung ganzer Landstriche von Nordnigeria bis nach Syrien und dem Irak. Wir sind Zeuge eines globalen Versagens in den Nahostkriegen und der Ebola-Katastrophe. Selbst in Europa, in der Ostukraine, werden Städte in Schutt und Asche gebombt, und dann ist es ein solcher Spinner wert, in den Hauptnachrichten der ARD aufzutreten – auch noch wohlwollend vorgestellt. Wie tief muss die Angst von Isabel Schayani vor der nicht stattfindenden Erderwärmung sein, dass sie solche journalistische Fehlleistungen gebiert.

Al Gore hätte ich mir als Gutmensch unter den Demonstranten auch verkniffen. Vielleicht fällt dem einen oder anderen Zuschauer noch ein, dass er einen mittleren zweistelligen Millionen-Dollar-Gewinn an der mittlerweile eingestellten CO2-Börse in Chicago eingestrichen hat. Für ihn hat sich sein Klimaengagement gelohnt. Das können die deutschen Rentner und Haushalte ohne eigenes Dach nicht von sich behaupten, die den Ökostrom bezahlen müssen.

Mir wäre auch als Autor dieses Beitrags ein Satz zu UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon eingefallen. Würde er nicht dringender gebraucht, um die UN besser auf Krisen wie die Ebola-Epidemie vorzubereiten, wo die Weltgemeinschaft bisher versagt? Müsste er nicht alles unternehmen, um die Menschen zu schützen, die im Irak und in Syrien vertrieben, ermordet und versklavt werden? Wo sind die UN-Kontingente, die in der Ostukraine für Frieden sorgen? Alles sehr komplizierte Aufgaben, sehr dringend, von deren Lösung aber akut Menschenleben abhängen. Er aber marschiert in New York gegen eine Bedrohung, die vor allem seine Organisation, der IPCC, dieser verlogene Weltklimarat, aufbläst. Aber an diese Geschichte glaubt halt auch fast die ganze ARD.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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