09. Oktober 2014

Marktkommentar Krieg an den Devisenmärkten kennt nur einen Gewinner

Zentralbankkult als vorherrschende Glaubensrichtung

Wir leben in wahrhaft kuriosen Zeiten: Während in zahlreichen muslimisch geprägten Ländern Religionskriege ausgefochten werden, hat sich in den Industrienationen der Zentralbankkult als vorherrschende Glaubensrichtung fest etabliert. Vor allem die Eliten der Politik und des Großbankenkartells suchen ihr Heil in dieser neuen Lehre. Und tatsächlich können sie darauf verweisen, dass ihr Herr – es ist der Herr der Gelddruckmaschine – ihnen in der allergrößten Not in den Jahren 2008/09 zu Hilfe eilte und Manna regnen ließ in Form von frisch gedrucktem Geld.

Seither wetten die Anhänger dieses Kults in ganz großem Stil darauf, dass ausgerechnet den Zentralbankbürokraten das gelingt, woran bisher noch alle Planwirtschaftler gescheitert sind und auch in Zukunft scheitern werden: Die dauerhafte Unterdrückung der Marktkräfte.

Natürlich bestärken die Zentralbank-Priester ihre Schäflein in dem Glauben an die Machbarkeit des Unmöglichen. Und die Massenmedien, die in modernen Demokratien für die propagandistische Erziehung und Lenkung der Massen eingesetzt werden, huldigen entweder ausdrücklich dem neuen Kult oder zeigen sich indifferent und unkritisch. Herrschaftszeiten!

Kurioses Triumphgeheul in Japan

Die Ausbreitung des neumodischen Zentralbankkults hat auch in Japan zu einem völlig enthemmten Einsatz der Gelddruckmaschine geführt. Die realwirtschaftlichen Ergebnisse dieser absurden Politik sind allerdings sehr enttäuschend: keine Spur von dem erhofften und vollmundig angekündigten selbsttragenden Aufschwung.

Einen großen „Erfolg“ können die japanischen Geldpolitiker allerdings für sich verbuchen: Nach seinem jüngsten Schwächeanfall ist der Yen gegenüber dem US-Dollar jetzt um mehr als 30 Prozent gefallen. Man glaubt es kaum, aber unsere zeitgenössischen Gelddrucker und ihre kongenialen Fürsprecher an den Universitäten, in den Großbanken und in der Politik halten diese Entwicklung tatsächlich für einen Erfolg. Für sie ist eine schwache Währung offenbar erstrebenswert.

Für die japanische Bevölkerung hat dieser Währungsverfall allerdings deutlich negative Konsequenzen. Denn im Vergleich zum Ausland hat sie durch den rückläufigen Yen einen Kaufkraft- und Vermögensverlust von fast einem Drittel erlitten. Im Weltmaßstab ist das japanische Volk in den vergangenen zweieinhalb Jahren also deutlich ärmer geworden, während es für Importwaren in Yen gerechnet natürlich entsprechend tiefer in die Tasche greifen muss.

Für uns Normalsterbliche, die wir weder im Elfenbeinturm noch im direkten Umfeld der Zentralbank-Tempel leben, stellt sich die Lage völlig anders dar. In unserer ganz realen Welt mit ihren begrenzten Ressourcen und der Notwendigkeit, hart zu arbeiten, ist eine schwache Währung nämlich kein erstrebenswertes Ziel. Das wissen die meisten Deutschen ebenso gut wie die Japaner. Denn die spektakuläre Wohlstandsmehrung, das Wirtschaftswunder, das Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben, ging Hand in Hand mit einer harten D-Mark und einem starken Yen.

Jetzt leben wir aber in einer Welt, die im alles entscheidenden Hintergrund von geldpolitischen Planwirtschaftlern aus den Zentralbanken heraus regiert wird. Deren konkrete Agenda kenne ich nicht. Sicher ist nur, dass sie nichts, aber auch gar nichts mit einem altmodischen Wirtschaftswunder zu tun hat. Denn einem Wirtschaftswunder steht diese Politik diametral entgegen. Was das mit uns Europäern zu tun hat, lässt sich auf die Formel „Japan führt, wir folgen“ bringen.

Draghi auf dem Weg zur Eulira

Der Draghiödie zweiter Teil hat in Europa begonnen. Er handelt von dem Weg zur Eulira, den der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi eingeschlagen hat. Er zeigt sich fest entschlossen, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um den Euro in eine Eulira zu verwandeln. Begehen Sie nicht den Fehler, diesen Mann und seine Gelddruckmaschine zu unterschätzen.

Der Euro hat gegenüber dem Dollar in den vergangenen Wochen bereits rund zehn Prozent verloren. Aus Ihrer Sicht ist es natürlich ein ganz konkreter Vermögensverlust, wenn Sie im Ausland tiefer in die Tasche greifen müssen. Aus Sicht der Draghis dieser Welt soll es sich allerdings um einen Erfolg handeln!

Aber halt, was werden die Japaner dazu sagen? Und die US-Amerikaner? Und die zahlreichen Geldpolitiker anderer Nationen, die doch auch alle eine schwache Währung auf ihrer Agenda haben? Was passiert, wenn alle ihre Währung schwächen wollen? Es wird ein Währungskrieg vom Zaun gebrochen, der fast nur Verlierer kennt und einen großen Gewinner: Gold.

Weitere Analysen und Anlagehinweise finden Sie in Claus Vogts Börsenbrief Krisensicher Investieren.


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