13. Oktober 2014

Xavier Was erlauben, Naidoo?

Jeder wie er lustig ist

Lieber Xavier Naidoo,

du hast ‘n Knall! Den hattest du irgendwie immer schon, aber man zeige mir einen unter Gottes Geschöpfen (den Ausdruck findest du bestimmt geil), der bei klarem Verstand ist. Ich selbst zum Beispiel empfinde mich als den König der Bekloppten. Dennoch scheint diese Irrenanstalt namens Erde derweise konstruiert worden zu sein, dass gerade die Oberbekloppten gleichzeitig das meiste Talentgold besitzen. Du hast eine wunderbare Stimme, knallst die Erfolgssongs nur so in Serie raus und besitzt ein unübertreffliches Gespür für einprägsame, massenkompatible Titel und Zeilen, die bisweilen landesweit zu geflügelten Redewendungen werden. Von allem, was du je erschaffen hast, gefällt mir am besten „Ich kenne nichts“.

Oder wie du sagen würdest: „Alles kann besser werden“. Als ich „Deutschland von Sinnen“ schrieb, sah ich eine Fernsehdokumentation über dich und beschloss auf der Stelle, dir im Buch ein paar Seiten zu widmen, wozu es leider aus Zeitmangel nicht mehr kam. Weil ich mich nämlich in dir wiedererkannte. Obgleich migrantenwurzelig so wie ich, scheinst du dieses unser schönes Land mehr und intensiver zu lieben als einer, dessen deutsche Stammeslinie bis zu den Germanen reicht und der all das Gute hier als selbstverständlich betrachtet. Wenn es irgendwo brennt, zum Beispiel bei einer Flutkatastrophe, setzt du dich einfach in deinen Lastwagen und fährst zu den armen Teufeln hin, die alles verloren haben, um sie mit kostenlosen Konzerten von ihrem Unglück abzulenken. Ich bin nicht dein größter Fan, Xavier, aber ich finde dein ganzes Wesen ungeheuer sympathisch.

Und jetzt will man dich demontieren, weil du zu den „Reichsbürgern“ hältst. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wer die sind und was die wollen, und selbst wenn ich es wüsste, würde ihr Anliegen mir am Arsch vorbeigehen. Gar nicht erstaunlich ist jedoch, welche Knalltüten und Doofs dich deswegen in die Pfanne hauen wollen:

„Am 3. Oktober hat der Popsänger Xavier Naidoo in Berlin vor dieser fragwürdigen Gruppe in Berlin eine Rede gehalten. Im Publikum soll sich auch der Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke befunden haben, danach trat Naidoo auch noch bei der sogenannten Mahnwache der ‚Montagsdemonstranten‘ am Kanzleramt auf.“

Ohhhh, der NPD-Chef soll sich echt im Publikum befunden haben? Das ist ja unerhört. Hätte sich dagegen der Chef von Die Linke darunter befunden, also der Nachfolgeorganisation eines Mördergesindels, das einst kaltblütig Menschen an der Grenze erschossen hat, weil diese es in einem Gefängnisstaat nicht mehr ausgehalten haben, wäre das nicht nur in Ordnung gewesen, sondern man hätte dir augenblicklich das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Und auch die Grünen machen sich große Sorgen um dich. Das heißt bei diesem Kackverein natürlich denunzieren und hinrichten:

„Bereits am Wochenende – nach den Auftritten Naidoos am Einheitstag – hatte die Mannheimer Bündnis-90/Die Grünen-Fraktion eine Anfrage an den Gemeinderat formuliert, die sich mit Naidoos Aktivitäten beschäftigt. Jetzt legte der Mannheimer Grünen-Stadtrat Gerhard Fontagnier nach. Naidoo habe sich ‚mit den jüngsten Äußerungen vor der SWR-Kamera komplett ins Abseits befördert‘, sagte er Spiegel Online. ‚Wir haben mit der Kommunalwahl im Mai 2014 einen vorbestraften NPDler in den Gemeinderat bekommen und tun alles, um diesen zu isolieren und seine antidemokratischen Positionen nicht zum Zuge kommen zu lassen. Wem das wurscht ist und wer auf solche Figuren zugehen will, befördert sich zusammen mit diesen ins Aus.‘“

Wie wär‘s, wenn du dich selbst isolierst, am besten aber mit deinem grünen Scheißclub, der dieses Land in den moralischen und mit dem schwachsinnigen Erneuerbare-Energie-Schwindel in den wirtschaftlichen Abgrund geführt hat, verschwindest, du Hansel, anstatt einen verdienten Bürger, von dessen Steuergeldern du lebst, in den Dreck zu ziehen? Den NPDler kannst du bei der Gelegenheit gleich mitnehmen. Ihr beiden würdet euch bei eurem totalitären Ansatz und eurer Verbotsmentalität bestimmt super verstehen.

Da man dir jedoch, Xavier, mit Drohungen offenkundig nicht beikommen kann, sollen die Daumenschrauben nun fester angezogen werden. Wo kämen wir denn hin, wenn jemand eine andere Meinung hätte als die grün-links-Versifften:

„Und auch Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) erklärte in einem offiziellen Statement, Naidoo stelle sich ‚mit seinen politischen Äußerungen ins Abseits und in die Nähe von Personen, wo er meines Erachtens nicht hingehört‘. Der sozial und für die Stadt engagierte Künstler vertrete radikal libertäre, antistaatliche Positionen, mit denen sich Mannheim als Stadt nicht identifizieren könne.“

„Radikal libertär“ und dann auch noch „antistaatlich“ – Was erlauben, Naidoo?! Hier hat jeder Künstler gefälligst den gutmenschlichen Allparteien-Dünnschiss nachzubeten, sonst zerstören wir seine Existenz. Wäre ja noch schöner! Es ist an Widerlichkeit nicht zu toppen, was diesen Polit-Clowns alles einfällt, wenn der künstlerische Wind nicht nach der Richtung weht, wie es den Blockparteien genehm ist. Die Demontage folgt dann auf dem Fuße.

Wie gesagt, Xavier, dein Reichsbürger-Gedöns finde ich auch ziemlich skurril, und dass das Ganze mit dumpfem Antiamerikanismus einhergeht, ist erst recht nicht meine Sache. Aber, meine Güte, ist halt deine Meinung, und jeder wie er lustig ist. Deshalb werden du und dein Werk nicht weniger toll. Und schon gar nicht käme ich auf die Idee, dich aus der menschlichen Gesellschaft auszuschließen, nur weil du einen Spleen hast und diesen frei äußerst. Ich halte trotzdem zu dir!

Sehr lieben Gruß!

Der kleine Akif

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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