29. Oktober 2014

Demo in Köln Deppen gegen Vollpfosten

Auf der Seite der Freiheit und Barmherzigkeit stehen

Meine Frau meint immer, meine besten Beiträge seien die, bei denen ich auch etwas von mir persönlich preisgebe. Dann mal los:

In schlechten Augenblicken überkommt mich bei Nachrichten wie denen über die Ausschreitungen in Köln von angeblichen Islamkritikern, die offenbar nur eine gewaltbereite Horde Hooligans waren, an die sich ein paar Rechte angeschlossen haben, die sich gegen gewaltbereite Islamisten in Deutschland wenden und meinen, selbst in Gewaltakten gegen Menschen und Sachen die besten Argumente gefunden zu haben, ein fieser Gedanke: Warum nicht all diese Hohlköpfe, also Nazis, Hooligans, Linksextremisten, Islamisten und so weiter, die meinen, sie müssten ihre Gewalt in unsere Straßen tragen, in ein Stadion einsperren, ausgerüstet mit gleichwertigen Waffen, sie aufeinander loslassen, warten, bis einer übrig bleibt und den dann verhaften – fertig!

Das sind natürlich keine christlichen Gedanken, ich bin sicher, dass solche „Lösungen“ weder vor Jesus noch vor dem Katechismus Bestand hätten. Und trotzdem überkommen einen bisweilen solche niederen Instinkte, die mir als Katholiken immer auch vor Augen führen, dass ich selbst eben auch nur ein Sünder in einer gebrochenen Welt bin. Da meinen rechte Schlägertrupps, das Zepter – oder den Baseballschläger – selbst in die Hand nehmen zu dürfen, gegen alles, was anders ist, hetzen und Gewalt anwenden zu dürfen, da gehen in Deutschland antisemitische islamistische Hetzer auf die Straße und liefern sich Straßenschlachten mit Andersdenkenden, da werden in aller Welt durch Islamisten Menschen gemeuchelt und gemordet ... und man steht am Ende mehr oder weniger hilflos vor der Eskalation der Gewalt!

Als Reaktion wird jetzt die Schuld für all das auf andere geschoben: Auf die jeweilige Gegenseite sowieso, die bestimmt provoziert habe, die USA, die aus Machtkalkül bestimmte Entwicklungen zuließen oder forcierten, die Geschichte des Kolonialismus, die heute noch Auswirkungen habe … natürlich darf auch der Hinweis auf verkorkste Jugend und mangelnde Integration nicht fehlen, wenn man zu erklären versucht, dass Menschen wie die Tiere aufeinander und auf andere losgehen. Mal abgesehen von den „Rechtsextremen“ selbst darf jeder auf Verständnis hoffen, der bei uns den Knüppel schwingt. Einzige weitere Ausnahme: die Polizei, bei der man in Aufnahmen von den Kölner Exzessen eher den Eindruck von Selbstverteidigung denn von Schaffen von Recht und Ordnung gewinnt, deren Vorgehen aber für die Medien und die gewaltbereiten und an Intoleranz nicht mehr zu übertreffenden Horden immer unverhältnismäßig sein wird, es sei denn, man kann sie als schlecht vorbereitet vorführen.

Nach den Kölner Vorfällen sind es nun wieder die altbekannten Reflexe: Die Rechten sind schuld, es wird nach Verboten solcher Demonstrationen gerufen, die doch offenbar nur dazu dienen sollen, Hass und Gewalt zu verbreiten … da bin ich ja froh, dass im kommenden Jahr keine 1.-Mai-Demonstrationen stattfinden sollen, bei denen es den linken Chaoten – in diesem Sinne Brüder im Geiste mit den Rechten – auch um nichts anderes geht als um den Kampf gegen die Gesellschaft. Immerhin weisen aber viele Kommentatoren, selbst im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, darauf hin, dass die gewaltsamen Proteste von rechts nichts an der Problematik des Islamismus ändern, der ebenfalls zu bekämpfen sei. Bleibt zu hoffen, dass sich nicht in altbekannter Manier der Kampf gegen den Islamismus in einen Kampf gegen rechts und für verstärkte Integrationsbemühungen wendet.

Währenddessen möchte man sich beim belebten Kölner Bahnhofsvorplatz gar nicht vorstellen, wie dort Unschuldige zwischen die Kombattanten hätten geraten können, wie dort am Brunnen im Normalfall Kinder spielen und die Menschen ganz allgemein ihren eigenen Belangen nachgehen. Gleiches gilt für die Demonstrationen gewaltbereiter Linker oder Islamisten. Das Demonstrationsrecht, ein wesentlicher Baustein unserer Freiheit, wird von ihnen missbraucht, die mit unserer Freiheit ein Problem haben – da ist das beherzte Einschreiten, auch präventiv, des Staates zum Schutz der Freiheit und Gesundheit der Bürger notwendig. Ich halte nichts von zu viel Staat, aber seine vornehmste Aufgabe ist es doch, die Freiheit der Bürger gegen diejenigen zu verteidigen, die sie bedrohen.

Und unsere Aufgabe als Bürger? Auch wenn es schwerfällt, zu differenzieren, auch wenn es schwerfällt, sich bei Krawallen wie denen in Köln nicht auf eine Seite zu stellen, müssen wir doch auf der Seite der Freiheit, der Menschlichkeit und – als Christen – auch auf der Seite der Barmherzigkeit stehen. Menschen, die zu uns kommen und Schutz suchen, müssen auf unsere Hilfe bauen dürfen, die Sorgen der Bürger, die in Stadtteilen mit hohem Migrationsanteil leben, müssen umgekehrt ernstgenommen werden. Da sind keine einfachen Lösungen in Sicht, ganz sicher keine gewaltsamen. Wer aber seine Freiheit unrechtmäßig gegen einen anderen einsetzt, egal aus welcher politischen oder religiösen Richtung, der sollte auch nicht auf Unterstützung des Staates setzen dürfen, der kann sich auf Freiheit und Gerechtigkeit als Argument nicht mehr berufen!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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