26. November 2014

Rücktritt des US-Verteidigungsministers Frieden verhagelt?

Quo vadis, Kriegserika?

Auf Druck des Blutroten Münchhauses trat der Verteidigungsminister Kriegserikas, Chuck Hagel, am gestrigen Montag von seinem Posten zurück. Ursache waren offenbar zu stark divergierende Positionen zwischen Teleprompterpreisträger Barack Obama und dem Pentagon-Chef in Fragen des von Anfang an mit Millionen von Dollar sowie Waffenschmuggeleien aus dem zuvor von allen Restriktionen zivilisierter Konfliktlösung befreiten libyschen Benghasi gepäppelten Bürgerkrieges in Syrien, demjenigen Land, das schon kurz nach 2001 auf der Wunschliste megalomanischer Kriegsfalken stand, wie ein ehemaliger Vier-Sterne-General, Wesley Clarke, der Öffentlichkeit dankbarerweise verriet. Auch hier auf ef-online, einem an schäbigstem Russlandverstehertum krankenden Portal, wurde bereits darüber berichtet.

Kurz zur Erinnerung: Es kursierte bereits unmittelbar nach 9/11 ein Plan im Pentagramm der Vereinigten Staaten, sieben Länder in fünf Jahren in Demokratieparadiese zu transformieren: Irak, Libyen, Syrien, Libanon, Sudan, Somalia – und zum Schluss der Iran. Der Angriffskrieg gegen letzteren wird von der deutschen Kollaborateurspresse bereits dezent angedeutet und vorbereitet, Schlagzeilen über möglicherweise wieder wackelnde Atomverhandlungen werden schon fleißig lanciert. Tatsache ist: Sollte Syrien erfolgreich (erfolgreich im Sinne einer Zerstörung und „Balkanisierung“ des Landes, wie Henry Kissinger sich ausdrückte) abgehakt werden, wird man als nächstes mit hoher Wahrscheinlichkeit zahllose unschuldige Zivilisten im Iran ermorden. Sollten die unleugbar maximalkriminellen Kriegstreiber damit durchkommen, werden Moskau und Peking ein lautstarkes Machtwörtchen mitreden. Das Risiko eines großen Fratzengeballers, eventuell gar eines dritten Weltkrieges, würde dramatisch steigen.

Der weltbekannte, renommierte Journalist Bob Woodward von der „Washington Post“ berichtete kurz vor der Ernennung Hagels zum „Secretary of Defense“ der Vereinigten Schurkenstaaten über einen höchst merkwürdigen Besuch des gebürtigen RT-deutschen Obskurantisten und Verschwörungstheoretikers Hagel im Blutroten Haus im Jahre 2009, bei dem dieser vor „abtrünnigen Elementen“ im Pentagon zu warnen versucht habe, die eine „neue Weltordnung“ anstrebten. Woodward war übrigens auch derjenige, der zusammen mit Carl Bernstein in einem Buch mit dem Titel „The Final Days“ auf eine ganz bemerkenswerte Äußerung des Friedensnobelpreisträgers Henry Kissinger hinwies: „In Haigs Anwesenheit bezog sich Kissinger betont auf Soldaten als ‚törichte, dumme Tiere‘, die man wie Schachfiguren für außenpolitische Zwecke einsetzen könne.“ Aber das nur als interessante Randnotiz darüber, wer heutzutage so alles einen Friedensnobelpreis nachgeworfen bekommt.

Es wird bereits spekuliert, dass Hagel wegen seines zunehmenden Widerstandes gegen einen Kriegseinsatz in Syrien gehen musste. Überraschend käme das nicht. Der sich mehr und mehr wie ein glühender Anhänger megalomanischer staatsphilosophischer Theoreme – „L‘état, c'est moi!“ – gerierende Imperator Barack Obama führte bereits nach dem großen Widerstand einiger ranghoher Offiziere des US-Militärs gegen einen weiteren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in Syrien eine charmante kleine Säuberungsaktion durch, die zahlreiche Militärbeamte den Job kostete. Offiziell wurden natürlich ganz lustige Gründe vorgeschoben, zum Beispiel habe es in den Steuererklärungen einiger Generäle „Unregelmäßigkeiten“ gegeben, aber möglicherweise war es ja auch ein Seitensprung mit der schmucken Vorzimmerdame oder eine unbezahlte Rechnung in einer Eisdiele. Viele dieser zur rücksichts- und skrupellosen, bluttriefenden Durchsetzung geostrategischer Langfristziele viel zu moderaten Weicheier waren in Interviews mit Zeitungen, TV-Stationen sowie alternativen Medien an die Öffentlichkeit getreten, um vor einem Horrorszenario in Syrien zu warnen, sollte die geisteskranke Neocon-Fraktion mit ihren Weltherrschafts- und Dauerbeglückungsplänen durchkommen, denen zufolge in jedem Erdling ein Amerikaner steckt, der raus will – und der zur Not eben auch freigesprengt und -geschossen werden muss.

Am 5. September 2013 veröffentlichte die „Washington Post“ einen Gastkommentar aus der Feder Robert H. Scales, ehemals General der US-Armee und Kommandant des US Army War College. Auch er wandte sich in überdeutlichen Worten gegen die Kriegspläne Präsident Obamas und seines Außenphilisters John Kerry. Er wage zu behaupten, schrieb er, dass er für die Mehrheit des US-Militärs spreche, wenn er auf die Amateurhaftigkeit und Sinnlosigkeit des Verhaltens der US-Regierung bezüglich Syrien hinweise. Scales Gastbeitrag für die „Washington Post“ war noch sehr zurückhaltend und diplomatisch formuliert. Andere legten sich die Zügel des politisch korrekten Umgangstons – Ja, Sir, auf jeden Fall, Sir, also, bei allem Respekt Sir, aber, Sir – gar nicht erst an, sondern zogen kräftig vom Leder und machten ihrem Unmut in klaren Worten Luft. So zum Beispiel auch Dr. Steve Pieczenik, ein weiterer russiatodaydeutscher Lügner und Betrüger, der mehr als 30 Jahre höchstselbst an „Black Ops“ und „Regime Changes“ beteiligt war und unter vier US-Präsidentenpuppen das Treiben der Regierung und ihrer Schlapphüte aus nächster Nähe studieren konnte. Bitte anschnallen, es folgt eine Achterbahnfahrt auf Schienen aus hochreinem Aluminium (vom 29. August 2013):

„Ein Mann für alle Kriege: Friedensnobelpreisträger Obama, sechs Jahre in Afghanistan; im Jemen; in Libyen; Pakistan; Mali; im Tschad; Sudan; Irak; Ermordung von Zivilisten durch Drohnen. Am 50. Jahrestag des Marsches von Martin Luther King gen Washington beteiligt sich Obama, der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten, an ‚begrenzten Militärschlägen‘ gegen Syrien. Wie ironisch, dass am Tag derjenigen Rede, die MLK über die Ungleichheit Schwarzer und Armer in Amerika hielt, der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten sich an einem weiteren ‚Gewaltakt‘ beteiligen wird. Der bevorstehende Raketenangriff auf Syrien wegen angeblicher Chemiewaffen-Attacken ist unmoralisch, ungerechtfertigt und gegen alle internationalen Regeln, ganz zu schweigen von den Behauptungen vieler Leute, es habe sich bei diesem Chemie-Angriff um eine Operation unter falscher Flagge gehandelt. Der entwürdigendste Teil von Obamas unnachgiebigem Hang zu unüberlegter Gewalt – möglicherweise eine ‚Sucht‘ – ist die Tatsache, dass das US-Militär zum wiederholten Male die Inkompetenz eines Präsidenten-Novizen ausbaden muss. Obama weiß nichts über Außenpolitik und denkt, Raketen seien ein Instrument zur Verhaltensänderung und zur Bestrafung des Assad-Regimes. Als professioneller Psychiater und ‚Regime Changer‘ für 30 Jahre – sowjetischer Kommunismus (Russland und Osteuropa); Aldo Moro (Italien); die Roten Khmer (Kambodscha) – weiß ich von keiner konzeptuellen Theorie oder Praxis, die sich militärischer Raketenangriffe bedient, um auch nur irgendein Regime zu ändern. Es wird nichts am Verhalten ausländischer Führungsetagen ändern. US-Armeegeneral Martin Dempsey hatte den Mut, sich an die amerikanische Öffentlichkeit zu wenden und ganz klar zu sagen, dass die Vereinigten Staaten keinen Krieg in Syrien beginnen können ohne große Bodentruppen, US-finanzielle Verschuldung und schwerwiegende ‚Kollateralschäden‘. Wir erleben schon wieder ein Déjà-vu. Aber was machen unsere zivilen Führer, die niemals im US-Militär gedient haben (Clinton, Bush Jr., Obama)? Sie fahren fort, als wäre Krieg ein blitzsauber eingekapseltes theoretisches Konzept, das ‚Proportionalität‘, ‚Abschreckung‘ und ‚Bestrafung‘ als psychologische und moralische Ingredienzen der Gewalt kennt. Krieg ist Gewalt auf Steroiden. Was wir als amerikanische Bürger tun, ist nichts anderes, als inkompetenten zivilen Präsidenten zu erlauben, hirnverbrannte Bemerkungen aufgrund ihrer Unerfahrenheit und Unfähigkeit zu machen und dem Kongress sowie der Presse durchgehen zu lassen, US-Streitkräfte zu entsenden, um in ein Land unter falschen Vorwänden einzumarschieren. Aber Amerika ist mittlerweile so gewöhnt an lügende Politiker, dass die einzige Zuflucht wohl darin bestand, tapferes Militärpersonal zum Sterben in ein fremdes Land zu schicken und dann in einer Netto-Abschätzung der dümmlichen Aktion festzustellen, dass wir nichts anderes erreicht haben, als über 350.000 unschuldige Zivilisten in der Region getötet zu haben. Amerikaner können nicht damit fortfahren, die Welt mit Drohungen und Kriegen zu überziehen aufgrund eines falschen Gefühls der ‚Wichtigkeit‘, der ‚Überlegenheit‘ oder aus Gier.“

Und das schrieb Steve Pieczenik – ein Mann, den man lieber nicht als „Anti-Amerikanist“, „Nestbeschmutzer“ oder „unpatriotisch“ bezeichnen sollte, sofern man danach nicht in einen Fingerhut passen will. Ich kann Sie übrigens trösten, Herr Pieczenik: Nicht nur Amerikaner sind den Kummer dauerlügender Politiker und willfähriger Pressepudel gewohnt. Auch Deutsche reißen sich von Tag zu Tag immer mehr Haare aus angesichts der verhaltensoriginellen NATOT-Stürmer und Dränger aus der altreichsdeutschen Propaganda-Mottenkiste. Dass die aber auch immer ihren Führerkult brauchen.

Der Rücktritt Hagels könnte tatsächlich eine im Journazirkus-Deutsch gerne euphemistisch so genannte „Richtungsänderung“ bedeuten – in diesem Falle womöglich in Richtung Krieg. Niemand sollte sich wundern, sollte der vorschnell als „Friedenstaube“ bejubelte Hagel, der sich in seiner Amtszeit übrigens dann doch als etwas kriegskompatibler erwies als von vermeintlichen Experten der transatlantisch stramm gedrillten Leitlügen-Presse bisher immer fehlgedacht, durch einen kriegsfundamentalistischen Hardliner ersetzt wird – ähnlich wie David Petraeus, selber alles andere als ein Unschuldslamm, verstrickt in illegale, menschenrechtswidrige Folteraktionen sowie von Dick Cheney und Donald Rumsfeld genehmigte verdeckte Operationen im Irak zur Aufrüstung von Unruhestiftern und Milizen, damit das gebeutelte Land bloß nicht zur Ruhe kommt, vom noch schlimmeren politischen Schlägertyp John Brennan als Chef der weltbekannten Terrororganisation CIA beerbt wurde.

In den letzten Wochen wurden auch die Verhetzungs- und Aufwiegelungskampagnen der deutschen Kollaborateurs-Leitpresse wieder etwas lebhafter – vor allem mit psychisch gestörtem Blick auf Alleinschuld-Russland und die von Neonazis und glühenden Antisemiten bevölkerte ukrainische Marionettenregierung, deren Verbrechen von deutschen Beihilfeleistern aus Politik und Ex-Presse eingedenk der deutschen Vergangenheit stets artig beschwiegen und gedeckt wurden – sogar vom pazifistischen Schrecknis 90/Die grünen Lügner, hier besonders in Gestalt von Kriegsmarieluise Schreck, die sämtliche Kritiker dieser Politik in einer Bundestagsrede kurzerhand als Rechtsextremisten komplimentierte. Und der Verfassungsschutz möchte nun angeblich Wehrkraftzersetzer, die „prorussische“ Positionen vertreten, verstärkt „beobachten“. Kein Problem. Go ahead, punks – make my day.

Wundern Sie sich also bitte nicht, geneigter Leserx, sollte der Body Count in naher Zukunft nochmal in die Höhe schnellen, wenn unleugbar Herzensgute die Löcher in ihren Portemonnaies mit menschlichen Leichen zu stopfen trachten. Egal wo – ob in Osteuropa, im Nahen und Mittleren Osten, oder, ein in letzter Zeit leider fast völlig aus dem Fokus gerückter Streitpunkt auf dem großen Weltschachbrett, zwischen Japan und China. Es scheint trotz mittlerweile winterlicher Außentemperaturen schon wieder heißer zu werden in Deutschland. Kriegsgetöse aus allen Volksempfängern. Wohl dem, der aus der Geschichte gelernt hat – und deshalb einen etwas kühleren Kopf bewahrt.


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