28. November 2014

Gold-Repatriierung beschleunigt sich Frankreich?!

Appell an die Bundesbank

Eine wichtige Info aus ganz aktuellem Anlass:

Marine Le Pen, französische Oppositionsführerin (Front National) fordert in einem Brief an Christian Noyer (Gouverneur der Banque de France) unter anderem die Rückführung der französischen Goldreserven nach Frankreich (!). Um es gleich zu klären: Der Brief ist kein Fake – er steht ganz offiziell seit heute auf der Webseite des Front National.

Und ZeroHedge titelt gar: „Gold-Repatriierung: Erst Deutschland, dann die Niederlande, dann vielleicht die Schweiz, nun Frankreich“.

Gleich der erste Punkt des Forderungskatalogs von Le Pen an Noyer, den sie auch noch „dringend“ macht, ist überraschenderweise die Forderung, alles Gold in Frankreich zu lagern. „Überraschend“ deshalb, weil nach offizieller Lesart seit der berühmten Rückholaktion von Charles de Gaulle das gesamte französische Gold bereits seit vielen Jahrzehnten in Frankreich liegt beziehungsweise liegen sollte (damals noch über 3.000 Tonnen, heute noch 2.435 Tonnen). Diese Tatsache war noch 2013 offiziell von einem Direktor der BdF bestätigt worden (Alexandre Gautier, PDF liegt mir vor – danke sehr an Dimitri Speck für diese wichtige Detailinfo!).

Es gibt darum eigentlich nur zwei Möglichkeiten zu dieser Forderung: Entweder hat Marine Le Pen Infos zum französischen Gold, die die Welt bislang nicht hatte. Oder sie erweist sich bei dieser Forderung als etwas schlecht informiert. Im ersteren Fall hätte sie eine Weltsensation berichtet – denn dann hätte entweder die BdF noch 2013 gelogen, oder die BdF hat in allerjüngster Zeit Gold ins Ausland verlagert! Wir können das hier nicht klären – aber diese Info wird sicherlich in den kommenden Tagen nachgereicht. Der Druck auf die BdF zur Aufklärung dieses Punktes wird steigen – auch und gerade, nachdem offenbar der „Run“ auf Fed-Goldbestände derzeit ans Laufen kommt. Erst vor zwei Tagen hatte ja die niederländische Nationalbank sehr kurzfristig Vollzug bei der Repatriierung der Hälfte ihres Goldes bei der Fed (122 Tonnen) innerhalb von maximal sechs Wochen vermeldet!

Weil Le Pens Forderung so wichtig erscheint, hier im französischen Original:

„En fonction de la situation que nous découvrirons, je vous exhorte à procéder: … Au rapatriement urgent sur le sol français de la totalité de nos réserves d’or se trouvant à l’étranger.“

Und meine (unverbindliche, aber meines Erachtens exakte) Übersetzung:

„Angesichts der Situation, die wir aufgedeckt haben“ (hier bezieht sie sich auf die unselige französische Goldverkaufsgeschichte, 614 Tonnen von 2004 bis 2012, sowie auf die aktuellen Repatriierungen durch Deutschland, die Niederlande sowie auf das anstehende Schweizer Referendum), „fordere ich Sie (mit Nachdruck) auf, dringend fortzufahren mit der Repatriierung der Gesamtheit unserer (französischen) Goldreserven, die sich im Ausland befinden, auf französischen Boden.“

Im weiteren Brieftext stellt Le Pen auch noch andere sehr wichtige und rationale Forderungen auf. Ähnlichkeiten zu „Holt unser Gold heim!“ sowie zu „Rettet unser Schweizer Gold“ sowie sicherlich auch zu den Beweggründen der niederländischen Notenbank sind natürlich angesichts der global immer gleichen Problematik kein Zufall:

  • - „Unverzügliche Einstellung weiterer Goldverkaufsprogramme“ (von denen die Welt übrigens offiziell nichts weiß – Frankreich verkauft derzeit offiziell wenig bis nichts).

    - „‚Progressive‘ Goldkäufe mit einem signifikanten Teil der französischen Währungsreserven.“

    - Le Pen schlägt sogar einen Prozentsatz hierfür vor: 20 Prozent (sic: exakt wie beim Schweizer Referendum unter so viel Kritik vorgeschlagen!).

    - „Einstellung aller Goldverleihungen durch Frankreich“ (die BdF hat schon lange keine mehr bestätigt – weiß Le Pen mehr?).

    - Ein physischer Vollaudit der Goldreserven in allen Details – exakt wie von uns seit vielen Jahren gefordert: Komplettinventur, physisch vor Ort in allen Tresoren, Qualitätsprüfung der Barren, Seriennummernaudit, Audit-Durchführung durch einen unabhängigen französischen Prüfer, und so weiter.

    Fazit und Appell unserer deutschen Repatriierungs-Initiative an die Bundesbank:

    Der Repatriierungszug beschleunigt. Und er fährt überall – inzwischen ist aus der globalen Diskussion auf Ebene von Internet-Foren und Bürgerinitiativen eine auch von Abgeordneten, Parteien und Zentralbanken forcierte weltweite Rückholungs-Bewegung von Gold in angelsächsischer Verwahrung geworden. Nicht zu Unrecht befürchten immer mehr Länder, dass ihr Auslandsgold bei Fed, BoE und Co nicht unkompromittiert und kurzfristig verfügbar sein könnte, wenn es zum Schwur / zur Abforderung durch zu viele Länder kommt. Deutschland sollte (nach zwar holprigem, aber relativ frühen Start der Repatriierung 2012/13) nun nicht zu den Letzten gehören, die bekanntlich die Hunde beißen – oder im Falle des leeren Fed-Tresors die Kellerasseln. Auch die Bundesbank muss ihr viel zu langsames Rückholkonzept von 2013 (700 Tonnen in acht Jahren) nun dringend beschleunigen. Die Bürgerinitiative „Holt unser Gold heim!“ fordert auch 2014 weiterhin wie seit 2011:

    - einen vollständigen und unabhängig testierten physischen Voll-Audit der deutschen Goldbestände an allen Lagerorten;

    - die zeitnahe Rückführung des im Ausland gelagerten Goldes nach Deutschland, um die Option der (Teil-) Deckung einer künftigen neuen Währung zu erhalten;

    - die Herbeiführung eines verfassungsrechtlich abzusichernden bilanziellen Sonderstatus der Goldreserve zur Abwehr der schnell zunehmenden Ausbuchungsgefahr aufgrund Gefahr im Verzug.

    Mein Appell an Herrn Weidmann aus diesen aktuellen Anlässen: Repatriieren sie alles Gold, tun Sie es zügig – und schaffen Sie Transparenz über unsere verbliebenen 3.400 Tonnen, die künftig weder verkauft noch verliehen noch im Ausland gelagert werden dürfen.

    Oder mit den Worten von Marine Le Pen an Ihren französischen Amtskollegen Noyer: „Als Folge der aktuellen Situation ist Ihre Verantwortung gewaltig!“ Jede schuldhafte Verzögerung wäre inzwischen ein persönlicher Haftungsfall und ein Versagen vor Ihrer Verantwortung als unabhängige und nur dem deutschen Volk verantwortliche Zentralbank.

  • Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Goldseitenblog.


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