09. Dezember 2014

Zentralbank Welche Farbe hat dein Geld?

Von der Obrigkeit gewaschen und geschrubbt

Welche Farbe hat dein Durst? Das war doch damals der lustvolle Slogan, als Rivella nach rot und blau auch noch grün lancierte. Das kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn heute von den verschiedenen Farben des Geldes die Rede ist und eine ähnliche Frage wie damals gestellt wird, wenn auch weniger lustvoll, eher als Gewissensfrage: Welche Farbe hat dein Geld?

Ist es etwa schwarz? Ganz bös, düster, aus dem Dunkel des Verbrechens, wo sich die schlimmsten Gauner darum drücken, ihr Geld der gnädigen Obrigkeit darzubringen. Mit Schaudern denken wir zurück an jene schrecklichen Zeiten, als es noch ein Kavaliersdelikt war, schwarzes Geld zu haben.

Oder ist dein Geld vielleicht dunkelrot, nämlich Blutgeld, das Geld, das der Mörder seinem Opfer abnimmt? Da klebt zwar auch eine hässliche Schuld daran, aber so schlimm wie beim Schwarzgeld ist sie dann doch wieder nicht. Deshalb ist es ja auch nicht gar so dunkel wie dieses.

Ähnliches lässt sich vom sogenannt schmutzigen Geld sagen. Auch an ihm klebt eine Schuld, die seine Farbe hässlich trübt, zwar nicht die Schuld des Mordes, aber doch immerhin des Betrugs. Ich stelle mir dieses kriminelle Geld irgendwie grau verschmiert vor. Jedenfalls heller als schwarz. Denn die Betrugsopfer sind hier Normalsterbliche, und das ist weniger schlimm, als wenn man den Staat betrügt.

Dann gibt es das grüne Geld. Die Amerikaner sprechen vom Green Buck (grüner „Stutz“, könnte man frei übersetzen). Die grüne Dollar-Note, die nicht nur dort drüben, sondern auf der ganzen Welt eine wichtige Rolle spielt. Ausgegeben wird sie von der Federal Reserve, der amerikanischen Notenbank. Dass die Note grün ist, hat vermutlich damit zu tun, dass grün beruhigt. Es erinnert an die Mutter Natur, bei der man sich geborgen fühlt. Das lenkt dann etwas ab von der Tatsache, dass diese grünen Scheine seit den Krisenjahren der 30er Jahre keine Golddeckung mehr haben. Und vor allem seit der gigantischen Geldmengenexpansion der letzten 15 Jahre so gut wie völlig ungedeckt sind. Von der Fed aus dem Nichts hervorgezaubertes sogenanntes Fiatgeld, etwas weniger elegant könnte man es auch Falschgeld nennen.

Nicht einfarbig grün, sondern bunt wie ein schöner Blumenstrauß kommen die Blüten der Europäischen Zentralbank daher. Auch sie so etwas wie staatlich geschaffenes Falschgeld. Mitunter tauchen auch private Fälschungen auf, etwa kürzlich in Deutschland einige Tausend der schönen gelb-rot-violett schimmernden 50-Euro-Noten. Zu Recht hat man sie sogleich beschlagnahmt und aus dem Verkehr gezogen. Bloß, warum eigentlich nicht auch alle anderen Euro-Noten?

Dann gibt es noch jenes Geld, dessen Farbe nun wirklich Vertrauen erwecken könnte, das seinen Wert quasi in sich selbst trägt, nämlich das gelb glänzende Goldgeld. Doch Vorsicht! Die Schweizerische Nationalbank hat uns vor der kürzlichen Abstimmung belehrt, dass von Gold nicht allzu viel zu halten sei. Sie selbst lege jedenfalls ihr Vermögen lieber in den grünen US-Noten und vor allem in unendlich vielen farbenfrohen Euro-Blüten an.

Und so kommen wir schließlich zum alles überstrahlenden Weißgeld. Das ist jenes blitzblank saubere Geld, das derart lange von unserer reinlichen Obrigkeit gewaschen und geschrubbt worden ist, bis es keinerlei Farbe mehr hat und meist auch sonst nicht mehr viel davon übrig bleibt.

Dieser Artikel erschien zuerst in der „Basler Zeitung“.


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