17. Dezember 2014

Manipulierte Märkte Ölpreis fällt unter 60 US-Dollar

Keinerlei Hinweise auf Bodenbildung

Dossierbild

Vor einigen Monaten wurde Rohöl noch zu Preisen von 110 US-Dollar gehandelt, und in dieser Woche fiel der Preis für ein Fass unter die Marke von 60 US-Dollar, was der niedrigste Wert seit dem Crash der Wirtschaftskrise vor fast sechs Jahren ist. Ich sah über ein Jahr hinweg in den Daten des US-Terminmarktes, dass der Ölpreis viel zu hoch war und es ein massives Überangebot am Markt gab. Auch in den regelmäßigen Interviews auf der Metallwoche warnte ich lange Zeit davor, sich von der bullishen Marktstimmung wegen der Krisenherde Syrien und Ukraine anstecken zu lassen, und sah stattdessen fallende Preise in der Zukunft. Bei den ganzen Diskussionen (Ablenkungsmanöver) um die OPEC und Fracking-Öl vergisst man den Terminmarkt und die vorherige Manipulation des Preises, wobei man jetzt so tut, als hätte es zuvor keine Marktmanipulation gegeben und das Überangebot käme plötzlich aus heiterem Himmel. Ich sah lange, dass irgendjemand völlig unsinnig im Ölmarkt auf der Käuferseite stand und die Nettopositionen in bis dahin unbekannte Höhen trieb. Es handelte sich dabei nicht um ein natürliches Marktphänomen, denn es hätte keine Ausweitung der Positionen in diesem Ausmaß bei trendlos verlaufendem Preis geben dürfen. Dies ist auf einem normalen Markt völlig unmöglich, da Spekulanten nur bei steigenden Preisen hinzukaufen. Dennoch sorgte ein unbekannter Non-Profit-Käufer dafür, dass Öl das Preisniveau über 100 US-Dollar hielt, sodass die Terminmarktpositionen teilweise fünfmal so hoch wie normal waren. Dabei hat es sich vermutlich um eine Regierung gehandelt, da diese Extremposition von Spekulanten nicht zu stemmen gewesen sein dürfte. Ich hatte lange vermutet, dass die US-Regierung die Fracking-Industrie fördern wollte, was immer noch ein guter Erklärungsgrund dafür ist. Die Industrie steht nun und es gibt ein deutliches Überangebot am Weltmarkt, auch wenn die Unternehmen nach dem jüngsten Preisrückgang Verluste schreiben.

Es ist äußerst merkwürdig, dass der Ölpreis so lange Zeit ohne Gewinnabsicht so hoch gehalten wurde und man diesen jetzt absichtlich fallen lässt, was man an der Positionsbereinigung in den Terminmarktdaten sieht. Grundsätzlich ist die Position immer noch so hoch, dass Rohöl ohne weiteres bis auf 30 US-Dollar fallen könnte, würde man den Stecker ganz ziehen. Ich vermute jedoch, dass man den Überhang an Longpositionen erst zu einem späteren Zeitpunkt abbauen wird, wenn sich wieder eine Knappheit einstellen wird, sodass es nicht zu einer Katastrophe in der Fracking-Industrie kommt. 2007 stellten 60 Prozent der Bohrprojekte in den USA die Produktion ein, nachdem der Preis für das Fass von über 140 US-Dollar auf fast 30 US-Dollar gefallen war. Da viele der heutigen Frackingprojekte kreditfinanziert sind, steht hier ein enormer Ausfall dem Bankensystem gegenüber, wenn der Preis sich nicht wieder stabilisiert.

Es gibt einige ernstzunehmende Theorien über die Hintergründe zu dem erzwungenen Aufbau von Überkapazitäten und diesem nun gewollten Preisverfall von einfacher Stützung der Volkswirtschaften bis hin zur Möglichkeit eines geopolitischen „Black Swan“ und eines heißen Krieges. Dass die USA Waffen und Personal in die Ukraine bringen und Russland daraufhin droht, Soldaten in der Ostukraine zu stationieren, würde dabei genau unserer Erwartungshaltung entsprechen. Was auch immer die Hintergründe für die vorherige Manipulation mit der Schaffung von Überkapazitäten sein mögen, die Daten vom Terminmarkt zeigen uns, dass dieser Preisverfall nicht zufällig ist und grundsätzlich noch genügend spekulatives Bereinigungspotential vorhanden wäre, um den Ölpreis kurzfristig weiter drücken zu können. Auch die Frackingindustrie sowie die unermüdlich hohe Produktion der OPEC sind Faktoren, die belastend auf den Ölpreis wirken. Um diese Industrie mit scheinbar wichtiger strategischer Bedeutung nicht zu gefährden, gehe ich davon aus, dass man die Produktion und die Manipulation so managen wird, dass sich der Ölpreis längerfristig in einer Spanne zwischen 70 und 90 US-Dollar bewegen könnte, egal was sich geopolitisch jetzt noch „zufällig“ ereignen mag.

Rohöl ist mit einem realen Preis von 1,47 Gramm Gold je Fass nun auch so günstig wie nur zweimal seit der Jahrtausendwende. Der niedrige Ölpreis hat dazu beigetragen, den Anstieg bei den Edelmetallen auszubremsen, und entweder steigt der Preis für Rohöl nun wieder oder der für Gold muss fallen. Die Wahrscheinlichkeit für das erste Szenario scheint weitaus höher zu sein.

Deshalb gehe ich davon aus, dass es nach diesem Abverkauf um über 50 Prozent in Bälde erst einmal zu einer Stabilisierung und nach einer Trendumkehr zu einem schnellen Anstieg von circa 20 US-Dollar kommen könnte. Die Terminmarktdaten und die Charttechnik geben bisher keinerlei Hinweise auf eine Bodenbildung, geschweige denn ein Setup für einen Long-Einstieg, doch sollte man jetzt langsam nach einem Setup für eine Trendumkehr Ausschau halten, denn irgendwas scheint sich auf der politischen Bühne zusammenzubrauen, was den Verfall schnell stoppen könnte. Bis dahin kann man weiterhin auf fallende Preise setzen, man sollte die Stopps jedoch konsequent plazieren und eng ziehen.

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