21. Dezember 2014

Themenwoche Drecksrussenpack

Der irre Iwan

Dossierbild

Russen, das waren schon immer schwierige Leute aus einer gottverlassenen Gegend. Ihr Verhältnis zu den Nachbarn ist seit Jahrhunderten angespannt, mal bekriegen sie sich mit den Polen, mal mit den Japanern, mal mit den Chinesen oder Afghanen und Finnen. Russland ist deshalb von jeher ein schwieriger Begriff. Und einer, der schon im Vorfeld  der großen deutschlandweiten Themenwoche „Drecksrussenpack“ für viel Diskussionsstoff gesorgt hat: Darf man wirklich wieder die gesamte Volksmasse eines Landes mit der üblen Clique ihrer Anführer gleichsetzen? Ist es ein probates Mittel, die einfachen Leute für die Schandtaten ihrer gewählten Diktatoren leiden zu lassen? Und soll man am besten jetzt gleich wieder Angst haben, dass der Russe kommt? Dass er die Oma noch mal vergewaltigt? Opis Uhr klaut? Oder muss man sogar?

„Es gibt dazu unterschiedliche Ansichten, manche sagen ertragen, andere meinen akzeptieren.“ (ARD) Wie aber ist die amtliche Ansicht? Was müssen, was sollen wir glauben?

Deutschlandweit gehen die Medien in einer neuen Themenwoche unter dem Titel „Drecksrussenpack“ auf die Suche nach ernsten und akuten Fällen von abscheulichem russischem Fehlverhalten. Hier ist es der reiche Russe, der nicht mehr in die Alpen fährt, dort der russische Mittelreiche, der in Dresden weniger Geld ausgibt. Die renommierte „Welt“ entdeckt russische Flieger im internationalen Luftraum, die „Süddeutsche Zeitung“ konnte russische Schiffe in der offenen Ostsee ausmachen, fünf Kilometer vor der Seegrenze von Estland. Und im „Spiegel“ bekommt die NATO mal richtig Platz, um Russland fehlende Gesprächsbereitschaft vorzuwerfen. Andere Presseorgane haben keine Exklusivmeldungen aus der NATO-Pressestelle, können aber auf dpa-Meldungen aus Polen zurückgreifen: Allein 8.200 Mal konnte die polnische Regierung so in deutschen Zeitungen „beispiellose russische Aktivitäten“ beklagen.

Ein Volk steht auf, ein Mediensturm bricht los. Auch die Lokal- und Sportredaktionen sind an Bord, um noch mehr Russen noch mehr Masken von der entmenschten Kriegstreiberfratze zu reißen. Mecker-Russen und „Protz-Russen“ („Bild“) überall, Geiz-Russen dazu und Kratz-Russen auch. Ein Volk wird eingeschworen auf einen gemeinsamen Feind, der nicht mehr menschlich ist. Auch der „Tatort“, seit vielen Jahren die schärfste Propagandakanone im Waffendepot der Staatssender, schießt da willig mit: Die nächste Ausgabe läuft passend zur Themenwoche „Drecksrussenpack“ unter dem Titel „Der irre Iwan“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Politplatschquatsch.

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