27. Dezember 2014

Erfinderische deutsche Presse Massenphänomen des verwirrten Einzeltäters

Über „vorbestrafte Waffennarren“ und andere „Jugendliche“

Dossierbild

Auf der einen Seite „geistige Brandstifter“, die zielgerichtet und mit raffinierten Methoden gegen Menschen hetzen. Auf der anderen der „psychisch verwirrte Einzeltäter“, der eigentlich nichts dafür kann, wenn hier und da ein paar Leute sterben.

Das Muster ist bekannt, seit der 21 Jahre alte Kosovare Arid Uka vor drei Jahren am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschossen und zwei schwer verletzt hatte. Als Terrorakt gedacht, endete sein Anschlag als absurder Gewaltausbruch eines Verstörten. Augenzeugenberichte, nach denen Arid Uka vor dem Blutbad auf Arabisch „Allahu Akbar – Gott ist groß“ gerufen haben soll, konnten nicht bestätigt werden. Die Anwältin des Angeklagten beschrieb ihren Mandanten als untypischen Gewaltverbrecher, der weder ein religiös motivierter noch islamistischer Terrorist sei. Bei Uka handele es sich um einen „eigentlich von Grund auf guten Jungen“, unreif und hilflos, ohne Verbindungen ins islamistische Milieu. Auch die Bundesanwaltschaft, der es nicht gelang, herauszufinden, woher Uka seine Waffe hatte, betrachtet den Doppelmörder als Einzeltäter.

Einer wie Nordine Amrani, der im Dezember 2011 in Lüttich um sich schoss und sechs Menschen tötete. Ganz kurz nur brachte ihm das mediale Aufmerksamkeit, in Deutschland wurde später nicht einmal mehr vermeldet, zu welcher Strafe der „vorbestrafte Waffennarr“ verurteilt worden war.

Ob in Deutschland, Belgien, Frankreich, den USA oder Australien, es ist die mediale Strategie im Umgang mit islamistisch motivierten Mördern, ihnen die ideologische Motivation abzusprechen. Wo bei rechten Attentätern wie dem norwegischen Massenmörder Anders Breivik stets sofort eine Fernsteuerung durch Hintermänner und „geistige Brandstifter“ vorausgesetzt wird, trifft religiöse motivierte Muslime direkt nach ihrer Tat regelmäßig das Verdikt, „geistig verwirrte Einzeltäter“ zu sein.

Von der Warte des Abendlandes aus gesehen dreht sich die Argumentation in einer unverkennbar rassistischen und paternalistischen Weise um: Wer Muslim ist, ist zu einem ideologisch oder religiöse motivierten Anschlag im Grunde gar nicht fähig, weil jede Durchführung eines solchen Anschlages ihn augenblicklich zu einer „psychisch instabilen Persönlichkeit“ werden lässt, die nicht aus ihren eigenen, abwegigen Gründen handelt. Sondern ausschließlich, weil sie „verwirrt“ ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Politplatschquatsch.


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