16. Januar 2015

SNB Ja, ja, die Schweizer!

Wenn dem Geld die Puste ausgeht, sehen wir alle alt aus

Dossierbild

„Es hat alle auf dem falschen Fuß erwischt“, erklärte Lee Oliver, Währungsexperte bei der Großbank Citigroup. Und Kathleen Brooks, Expertin beim Devisenhandelshaus Forex.com, sprach vom „Schweiz-Schocker“.

Die Schweizer sind es satt. Sie sagen sich vom Euro los. Und an den „Geld“-Märkten bricht Panik aus. Aber keine Sorge … das ist nur der Anfang. Wenn unser Zauberlehrling Mario Draghi nächste Woche die „Bazooka“ zündet, dann geht die Party erst richtig los…

Pünktlich zum Schweizer Feuerwerk ein erster Auszug aus meinem im Februar 2015 erscheinenden Buch „Bis zum letzten Atemzug“ aus dem Kapitel „Funny-Money“.

„Weißt du noch, Sophia, was ich dir über den ‚Beelzebub‘ erzählt habe? Ja? Dass er eines Tages triumphieren würde? Es sieht ganz so aus, als behielte ich leider recht! Nur habe ich damals noch, als ich dir die Geschichte vor vielen Jahren erzählte, übersehen, dass nicht die amerikanische Notenbank mit ihrer Einrichtung im Jahre 1913 der ‚Nullpunkt‘ der weltweiten Geldexzesse und der Sozialisierung der Schulden war.

Denn bereits der erste Finanzminister der noch ganz jungen USA – Alexander Hamilton – vermengte 1791 die Schulden der Einzelstaaten zu Bundesschulden; ein Vorgang, den er im Krieg gegen Britannien 1813 wiederholte. Und was war das Resultat? Nun, 1837 platzte die Kreditblase und trieb neun von 29 amerikanischen Teilstaaten in den Ruin. Auch wird uns gern erzählt, dass der Sezessionskrieg der Nord- und Südstaaten Mitte des 19. Jahrhunderts eine Frage der Beibehaltung oder Abschaffung der Sklaverei war. Doch weit gefehlt. Es war die nicht gelöste Schuldenfrage, die die bestehenden Spannungen verschärfte und 1861 den Bürgerkrieg auslöste.

Seitdem hat es viele Versuche zur Installierung von Zentralbanken gegeben und die Diskussion darüber, dass die amerikanische Notenbank das Werk privater ‚Bankenverschwörer‘ ist, läuft vor diesem Hintergrund ins Leere. Die Diskussion darüber ist müßig, denn sie geht am eigentlichen Problem vorbei, dem Problem, dass Zentralbanken – gleichgültig, ob ‚privat‘ oder ‚öffentlich‘ – niemals von Vorteil sind, sondern immer direkt in den Raubtiersozialismus führen.

Seit Jahren nun schon befinden wir uns wieder in wirtschaftlichen Turbulenzen, nur werden diese noch viel rauher und vernichtender sein, als wir uns das in der Masse im Moment vorstellen können und noch viel weniger wahrhaben wollen.

Die Summen mit den irrsinnig vielen Nullen, die in den letzten Jahren durch die Gazetten rauschen, sind für ‚normale‘ Menschen nicht nachvollziehbar; viel zu abstrakt erscheinen Rettungssummen und Schuldenstände. Schuldenstände, die in Prozent Angaben zum ‚BIP‘ gemessen werden und uns alle geradewegs in die vollständige Aufgabe jeglicher Freiheit führen werden. Denn was ist das überhaupt – das ‚BIP‘? Bei vielen Menschen stellt sich schon hier die völlige Ratlosigkeit ein. Die Frage nach der Relation zu den aufgehäuften Schulden führt dann zur endgültigen Kapitulation. Und hier schlägt die Stunde der Mächtigen, denn nichts ist verführerischer als Unwissenheit und Desinteresse der Betrogenen.

Auch unter den wachsamen Augen der ‚stabilen‘ Bundesbank entwertete sich die D-Mark seit 1948 bis zur Einführung des Euros um rund 80 Prozent, seit die Europäische Zentralbank am Ruder ist und mit dem Euro ein echtes ‚Schätzchen‘ den Weg in unsere Portemonnaies gefunden hat, ist in nur gut zehn Jahren eben dieser um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Der Dollar ist heute nur noch ein Häufchen Elend, der Yen … ach, vergessen wir das einfach.

Es ist eine Schande! Seit dem Tag, wo Zentralbanken vor den negativen Folgen, Schulden in ‚Geld‘ umzuwandeln, politisch geschützt sind, geht unser Geld in regelmäßigen Abständen immer wieder vor die Hunde. Das Geld ist aber die Lunge einer Nation, wenn ihm die Puste ausgeht, sehen wir alle ziemlich alt aus. Der Kreditgeber der letzten Instanz ist nicht, wie es immer dargestellt wird, die Zentralbank. Der Kreditgeber der letzten Instanz ist der Steuerzahler! Die Menschen wissen in den meisten Fällen nichts von den Mechanismen, die sie ausbeuten und gegeneinander aufbringen. Reich gegen Arm, Inländer gegen Ausländer, Hübsch gegen Hässlich, Steuerzahler gegen ‚Steuersünder‘ … alle werden gegeneinander aufgehetzt, und so lässt man die Menschen ihre Irrtümer freiwillig begehen, weil sie nicht erkennen, welche Institutionen ihnen den größten Schaden zufügen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Internetseite der Autorin.

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