20. Januar 2015

Bei Jauch Der Teufel ist blond

Eine Ablehnungsfront ist durchbrochen

Dossierbild

Der Teufel ist da. Er sieht so aus, wie er auszusehen hat, nämlich schwarz. Komisch nur, dass er eine Frau ist und blond und einen Zopf trägt. Darf der das, der Teufel? Was sagen die Frauenbeauftragten der ARD dazu? Und sie nimmt für sich in Anspruch, eine „ganz normale Frau aus dem Volk“ zu sein; sie ist aus dem Berufsstand der Freiberufler und drei Kinder hat sie auch. Also so was. Solche Menschen in einer Talkshow? Das ist neu.

Jedenfalls war Kathrin Oertel, eine Pegida-Organisatorin, bei Jauch. Und wie das so ist mit einem Teufel, auch wenn er blond ist und eine Frau, er bringt alles durcheinander.

Erstens saßen da der CDU-Politiker Jens Spahn und der AfD-Mann Alexander Gauland, dieser eine Art Unterteufel der Pegida. Bislang traten ja CDU-Politiker nicht mit der AfD auf; in Stadträten dürfen sie nicht einmal mit AfD-Leuten darüber abstimmen, ob die Straßenlaterne links oder doch besser rechts steht.

Und jetzt also ist auch diese Ablehnungsfront durchbrochen.

Dann ist da noch der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung. Er spricht davon, dass doch Pegida nur das macht, was immer als Vorbild und Ausdruck politischer Reife gilt: zu demonstrieren. Er nimmt als Beamter Demonstranten in Schutz, die sonst nur verteufelt werden.

Also, jetzt reicht es aber auch mit dem Durcheinander.

Günther Jauch bemüht sich um den Nachweis, dass es doch ganz schlimme Teufel sind. Dazu zeigt er eine keifende, wütende alte Frau. Wir kennen sie alle. Es ist unsere Nachbarin, die eigentlich ganz nett ist. Nur wenn man die falsche Mülltonne erwischt, dann wird sie sehr, sehr böse. In Jauchs Film schimpft sie auf Asylanten. Nicht besonders nett. Aber so sind die Leute. Aber müssen wir vor zornigen Omas so viel Angst haben, dass die Bundeskanzlerin gleich auf sie eindrischt?

Ähnlich ist es mit einem zornigen älteren Herrn. Es ist ja schon komisch, dass wir derzeit viele junge, männliche Asylbewerber haben, aber immer Familien mit Kindern gezeigt werden, wie Richter sagt. Irgendwie passen Medien und Wirklichkeit nicht zueinander. Wenn ein Rentner das nicht so schön sagen kann, ist er ein Nazi.

Das Durcheinander nimmt seinen Lauf.

Wir hören von Pegida, was wir schon wussten. Aber gewissermaßen dürfen wir es jetzt wissen; bislang wurde ja alles verteufelt. Manches stimmt, manches ist krude. Wie es immer so ist.

Manchem stimmt man zu, bei manchem schüttelt man den Kopf. So sind Talkshows, so sollen sie sein.

Ach ja, dann ist da noch Wolfgang Thierse. Er ist beleidigt. Er war mal bei einer Demo dabei, da haben sie auch „Wir sind das Volk“ gerufen. Jetzt glaubt er, darauf habe er das Urheberrecht. Darf jetzt keiner mehr sagen! So einen peinlichen alten Polit-Opa braucht wirklich keiner, diese salbadernde Selbstgefälligkeit und eingebaute Arroganz: Man spürt, hier spricht der Vertreter einer politischen Klasse, die so weit weg ist von der Wirklichkeit, dass es wohl eine Millionendemo bräuchte, bis er hochschreckt von seinem Samtkissen der Selbstgefälligkeit. Da schüttelt man nur den Kopf.

Jens Spahn von der CDU hingegen schwankt. Er greift den Teufel an, aber hat auch gelernt: Selbst wenn Frau der Teufel ist, man attackiert sie nicht frontal im deutschen Fernsehen. Nicht mal, wenn sie von der Pegida ist. Also wird er immer wieder sanft und versöhnlich. Aber immerhin hat er den Mut, mal darüber nachzudenken und zuzuhören, dass nicht alles gut ankommt, was die Regierung so gut meint. Es ist schon ein Kreuz mit der Demokratie. Er kämpft. Eher komisch wird es, wenn er verlangt, die Leute sollten sich vertrauensvoll an ihre Landes- oder Bundestagsabgeordneten wenden. Genau das klappt ja nicht! Eigentlich hätte dieser Satz besser zu Zausel-Thierse gepasst. Aber wenigstens streitet Spahn, statt wie Thierse zu belehren, als sei er schon droben auf der Wolke. So soll es sein in Talkshows. Wie Spahn. Nicht wie Thierse, der sich selbst vorführt.

Frau Oertel spricht ruhig. Sie wird von Jauch nicht attackiert. Die Kamera zeigt meist nicht, wie sie immer wieder in ihren vielen Notizen liest. Man spürt zweierlei: Es gab viele Absprachen im Vorfeld. Man möchte sie kennen. Frau Oertel schlägt sich gut, hält sich unter Druck und lässt sich auf kein braunes Glatteis führen. Sie wurde gut vorbereitet. Von wem? Das möchte man wissen.

Aber natürlich verdämmert der Hauptskandal.

Also darf nicht demonstriert werden in Dresden. Das Grundgesetz ist wenigstens für einen Tag ausgehebelt. Da sieht man, wie schwach dieser Staat geworden ist, der so viel Geld hat.

Er kann das Grundgesetz nicht mehr verteidigen; der islamische Terror ist stärker. Die Demokratie hat ihre erste große Schlacht verloren.

Jauch hat die Debatte vorangebracht, wie schon vergangene Woche. Das hat sich noch vor kurzer Zeit ganz anders angehört. Da waren die alle lieb. Jetzt zieht langsam die Wirklichkeit in das deutsche Fernsehen ein. Für Pegida wird das nicht gut ausgehen; die lebten vom Dagegensein. Die AfD dagegen ist präsenter denn je. Die CDU kämpft. Die SPD verzauselt.

Und das alles mit einer blonden Teufelin.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Internetseite des Autors.

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