21. Januar 2015

Pegida und die Medien Die Muster des Massenwahns

Ersatzreligionen sind gefährlicher als Islamismus

Dossierbild

Es ist nicht so, dass Pegida keine Angriffsfläche für berechtigte Kritik bieten würde. Was manche Organisatoren von Pegida äußern, kann und muss man als ausländerfeindlich und hetzerisch bewerten. Man kann auch manche grenzwertigen bis inakzeptablen Reden auf Pegida-Demonstrationen kritisieren. Und man sollte sich kritisch mit dem Namen „Pegida“ („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) beschäftigen, denn dieser Name kann eine  pauschale Feindseligkeit gegen den Islam suggerieren. Was mich allerdings nicht minder beunruhigt, ist der Massenwahn im Namen des Guten, der momentan von den fanatischen Pegida-Gegnern ausgeht.

Die vorherrschenden Journalisten nehmen es den Pegiden indessen übel, dass diese „Lügenpresse“ rufen, anstatt bei den Demonstrationen lautstark „Wahrheitspresse“ zu rufen. Wie aber soll man es nennen, wenn Pegida in den Medien fortlaufend und pauschal als „Anti-Islam-Bewegung“ bezeichnet wird, obwohl sich mehrere Pegida-Organisatoren von pauschaler Islamfeindlichkeit distanzierten und in dem Pegida-Thesenpapier keinerlei entsprechende Forderungen auftauchen? Wie soll man es nennen, wenn die Pegiden von den Medien als „Asylhasser“, „Nazis“ und dergleichen betitelt werden, obwohl bei den Demonstrationen unter dem Beifall der Anwesenden gesagt wird, dass Kriegsflüchtlinge aufgenommen werden sollten?

Betrachtet man die Äußerungen der Pegida-Kritiker und insbesondere die Berichterstattung in den Medien, so gibt es bestimmte gedankliche Muster, die immer wieder auftauchen:

Erstens:  Bezugnahme auf Genitalien, Fäkalien und Gestank

Eine Überschrift der Kölner Lokalzeitung „Express“, die sich einer Demonstration gegen Pegida und andere Organisationen widmete, geht in die Vollen: „Kölns superjeile Antwort auf rechte Sackjeseechter“, heißt es dort im besten kölschen Dialekt. Gleichzeitig präsentiert die Leipziger Internet-Zeitung eine Karikatur, die einen riesigen After zeigt, wobei die Pegida-Demonstranten als Kot dargestellt werden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch, dass bei der Beurteilung von Pegida immer wieder auf den Gestank verwiesen wird, der ja mit den Genitalien und Fäkalien zusammenhängt: „Deutschland müffelt“, heißt es etwa in der Huffington Post angesichts der Pegida-Proteste. Die „taz“ sieht Pegida als „übelriechenden braungrünen Schleim“, und der Spiegel-Online-Autor Georg Diez fragt sich, „wie das riecht, der rechte Opportunismus“. Auch der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner beschäftigt sich mit dem Geruch: „Aber arglose Bürger, die nicht wissen, was dort geschieht, sind das nicht. Das müssten solche sein, die Augen, Ohren und Nase zuhalten. Das stinkt nämlich, das ist inhaltlich rechts und das kann man hören und sehen.“ Ich erinnerte mich bei diesen Worten an den kommunistischen Diktator Mao Tsetung, der seine Kritiker als „stinkende Intellektuelle“ und „Rechtsabweichler“ betitelte.

Zweitens: Tiervergleiche

Während die Pegiden von den Gegendemonstranten als „Nazischweine“ und von Politikern als „Rattenfänger“ betitelt werden, können auch die Medien mit Tiervergleichen aufwarten. Wobei sich diese Tiervergleiche nicht nur gegen die Pegiden richten, sondern auch gegen diejenigen, die es wagen, sich nicht in die Dämonisierung der Pegida-Demonstranten einzureihen: Nachdem sich etwa der „FAZ“-Autor Jasper von Altenbockum zurückhaltend und nüchtern über Pegida äußerte, wurde er von einem Spiegel-Online-Autor als „rechter Hofhund“ denunziert. Derartige Vergleiche sind bereits vor dem  Entstehen von Pegida bekannt: Auch der konservative „Focus“-Journalist Michael Klonovsky wurde bereits vor längerer Zeit von Soziologen und auf Wikipedia als „rechter Kettenhund“ denunziert.

Drittens: Pathologisierung

Spiegel Online pathologisiert die Pegiden unter der Überschrift „Die wirre Welt der Wohlstandsbürger“. Die „taz“ sieht ebenfalls „Wahn“, sowie „eskalierende Wirrköpfigkeit“ am Werk; Pegida ziehe „vor allem verwirrte Einzelkämpfer und Rechtsradikale“ in seinen Bann; die Spiegel-Online-Kolumnistin Sibylle Berg spricht im Zusammenhang mit Pegida von „vorwiegend geisteskranken Männern“; ihr Kollege Stefan Berg sieht einen „Chor der Verängstigten und Verwirrten“.

Viertens: Vergleiche mit Kriminellen

Immer wieder treten auch Vergleiche zwischen Pegida und Schwerverbrechern auf. So wurde Pegida beispielsweise in einer Karikatur, die unter anderem in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschien,  auf eine Stufe mit den islamistischen Massenmördern von Paris gestellt. Ein Artikel in der „Berliner Zeitung“ ist überschrieben mit: „Kolumne zu Pegida und AfD – Deutschlands neue rechte Gaunerbanden“. Ähnlich wie bei den Tiervergleichen, so gilt es auch hier: Wer es wagt, sich nicht in die Pegida-Hysterie einzureihen, wird ebenfalls mit Verbrechern in Verbindung gebracht. Nachdem der frühere Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sich dafür aussprach, die Anliegen von Pegida teilweise aufzugreifen, schrieb die „taz“ über Friedrich: „Wer Ressentiments zu ,Sorgen’ adelt, bewegt sich an der Grenze zum Kriminellen – so wie Anfang der 90er Jahre, als man ganz viel Verständnis für die besorgten Bürger von Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda und anderswo zeigte und sie zu ihrem mörderischen Treiben ermutigte.“

Fünftens: Vergleiche mit Geistern, Vampiren und Teufel

Es war der in diesem Artikel bereits zitierte Spiegel-Online-Autor Georg Diez, der einmal zwei missliebige Autoren mit folgenden Worten denunzierte: „Hinter fast jeder Tür, die man öffnet, hinter fast jedem Namen, den die beiden nennen, tauchen satanistische, antisemitische, rechtsradikale Gedanken auf.“ Angesichts solcher Aussagen urteilt der „Sezession“-Autor Martin Lichtmesz nun im Zusammenhang mit Pegida: „Die Angst mancher Leute vor ,rechts’ gleicht oft der Angst vor Vampiren, Hexen oder Werwölfen, und entsprechend fallen auch die Abwehrmaßnahmen aus.“ Übertreibt Lichtmesz? Wenn wir die Berichterstattung über Pegida verfolgen, so finden wir seine These durchaus bestätigt.

So lautet eine Überschrift in der renommierten britischen Tageszeitung „The Guardian“: „Germany’s anti-Islamic movement Pegida is a vampire we must slay“ – zu Deutsch: Pegida sei „ein Vampir, den wir töten müssen“. Das ehemalige SED-Parteiblatt „Neues Deutschland“ bezeichnet Pegida als „Zombie von 1989“. Und der „Spiegel“ schreibt über das Verhältnis zwischen der AfD und Pegida:Lucke will mit dem Teufel paktieren, aber nicht nach Schwefel riechen.“ In zahlreichen Medienberichten (unter anderem „Bild“, „Tagesspiegel“) ist zudem von einem „Pegida-Spuk“ die Rede; die Duisburger Linkspartei bezeichnet Pegida als „braunen Spuk“, und in einer Überschrift der „Süddeutschen Zeitung“ heißt es: Ein völkischer Geist ist aus der Flasche gelassen“. Bemerkenswert ist auch ein Artikel der Lokalzeitung „Express“, wo es über eine Demonstration gegen Pegida und Hogesa heißt: „Ab 13 Uhr versammelten sich die Demonstranten gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf dem Breslauer Platz, um ihn vom braunen Geist der ,Hooligans gegen Salafisten’ zu reinigen.“

Man beachte auch die Berichterstattung über den Fernsehauftritt der Pegida-Organisatorin Kathrin Oertel: In zahlreichen Medien wurde erwähnt, dass Oertel „blond“ sei, dass sie „gerne Schwarz“ trage und dass sie einen „strengen Blick“ habe…

Fazit: Ich befürchte, dass unsere Ersatzreligionen gefährlicher sind als der Islamismus.


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