28. Januar 2015

Ideologie Deutschland hat den Superveganer

Und noch ein Tipp für Frau Maischberger

Was haben Pegida-Demonstranten und Veganer gemeinsam? Dies: Bis vor kurzem redete noch kein Schwein von ihnen. Mittlerweile sind beide in aller Munde. Das verdanken sie den Medien. Deren Sympathien sind zwar ungleich verteilt, aber der Effekt ist derselbe: großes Bohei um kleine Truppen. Befassen wir uns mal nicht mit islamfreien Patrioten, sondern mit den Anhängern tierproduktefreier Ernährung. Kaum ein Medium, vom „Trierischen Volksfreund“ bis zur ARD, das nicht Veganer auf der Straße einvernimmt, beim Brutzeln „total leckerer“ Tofu-Gerichte begleitet oder gleich in die Studio-Bütt schleift.

Mit den Möhrenjüngern lässt sich reden. Ihr Mitteilungsdrang ist enorm. Berührungsängste gegenüber der Presse? Haben sie nicht. Müssen sie auch nicht haben. Journalisten sind zu Veganern immer ganz lieb. Veganer retten die Welt. Was, versteht sich, auch Journalisten möchten. Doch leider kriegen viele ihren verdammten Jieper auf Rib-Eye-Steaks und Carpaccio nicht in den Griff. Veganer schreiten da stellvertretend voran. Zur Belohnung kriegen sie Sendezeit. Zum Beispiel bei „Corso“, dem nachmittäglichen Kulturmagazin des Deutschlandfunks.

Dort durfte jüngst der Manager der Stuttgarter Hip-Hop-Imitationscombo Die Fantastischen Vier für den Veganismus klappern. Er heißt Andreas „Bär“ Läsker, hat schon andere Superbands betreut, saß bei „Deutschland sucht den Superstar“ in der Jury und war superdick (160 Kilo). Vor vier Jahren entsagte er dem tierischen Futter. Und heute? Kratzt er an der 100-Kilo-Marke!

Glückwunsch!

Doch damit wollte der Andreas es nicht bewenden lassen. Daher schrieb er über seine Bekehrung ein Buch mit dem hübschen Titel „No need for meat“ und schaffte es so ins Corso-Programm. Das Buch sei erfreulich unmissionarisch, glaubte der Interviewer herausgelesen zu haben. Hatte aber die Rechnung ohne den abgespeckten Bären gemacht. Ein ehedem passionierter Leichenfresser, der zur reinen Lehre konvertiert und darob nicht predigen will? So einer muss noch geboren werden.

Klar wie vegane Gemüsebrühe, dass der Erweckte sein Credo prompt über den Funk für Deutschland schickte. Ebenso ein paar verblüffende globalmedizinische Einsichten, die Pflanzenessern offenbar naturgemäß zuwachsen. Irgendwann habe er, der Bär, sich gefragt: „Wie korrelieren unsere gesamten Krankheiten auf diesem Planeten mehr oder weniger mit dem Konsum von tierischen Produkten?“ Außerdem fühle er sich als Tierverschoner auch ethisch plötzlich viel leichter: „Ich trage nicht mehr diese latente Schuld an diesem Massenmord mit mir rum.“

Noch rechtzeitig vom Adolf-Eichmann-Weg abgebogen! Sage keiner, die Deutschen hätten aus ihrer Vergangenheit nichts gelernt.

Aber war nicht auch der Corso-Moderator ein Stück weit erleichtert? Darüber womöglich, dass mit dem Interview am Massenmord-Punkt sendezeitbedingt Schluss war? Wenn es so gewesen sein sollte: Dem DLF-Qualitätsjournalisten, der während des gesamten Interviews keinen kritischen Piep von sich gab, war jedenfalls nichts anzumerken.

Ach, Veganer sind zu beneiden. Sie genießen Freiräume, von denen der gemeine Karnivor nur träumen kann. Zum Beispiel die Lizenz, jedweden Stuss über den Äther posaunen zu dürfen.

Zugegeben, war bloß Radio. Hier ein Tipp für frischgebackene Veganer, die ebenfalls Bücher verfertigt haben und diese bei, sagen wir, Frau Maischberger publikumswirksamer promoten wollen: Glaubhaft machen, dass man noch bis vor kurzem bei Pegida-Demos mitgelaufen ist. Dass man jedoch durch das Veganertum geläutert wurde und nie mehr einen Muslim kränken beziehungsweise einer Kuh die Milch rauben wird. Eingeblendeter Text am Bildrand: „Früher bei den Nazis, jetzt gegen Massenmord“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.

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