25. Februar 2015

Yasmin Fahimi Nicht der hellste Kopf

Gauner, Doofe und die SPD

Dossierbild

Dass die Quote nicht unbedingt die hellsten Köpfe in Spitzenpositionen bringt, beweist dieser Tage die Generalsekretärin der SPD, Yasmin Fahimi, mit einem Eintrag zum Thema Mindestlohn auf ihrer Facebook-Seite. Dieser lautet wie folgt:

„Der Mindestlohn ist eine historische Leistung, die lassen wir uns nicht kaputtmachen. Vor allem nicht durch absurde Argumente. Wer es als Arbeitgeber nicht schafft, einen Stundenzettel ordentlich auszufüllen, ist entweder ein Gauner – oder schlichtweg zu doof. Das einzige, was mich an der aktuellen Diskussion freut: Jedem ist jetzt klar, wem Deutschland den Mindestlohn zu verdanken hat: der SPD.“

Stundenzettel werden nie vom Arbeitgeber, sondern immer vom Arbeitnehmer selbst ausgefüllt. Es ist nicht so, dass Arbeitgeber morgens am Eingang ihres Betriebes so lange persönlich herumstehen, bis sie die Ankunftszeit auch noch des trödeligsten Arbeitnehmers in einem Stundenzettel vermerkt haben.

Abends tun sie dies in der Regel ebenfalls nicht. In der heutigen, digitalisierten Arbeitswelt sind Stundenzettel ohnehin eher die Ausnahme. Man bedient sich eines sogenannten Zeiterfassungssystems, welches vom Arbeitnehmer am Computer befüllt wird. Yasmin Fahimi, die selbst niemals persönliche Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln durfte, kann dies aber nicht wissen.

Argumente können alles Mögliche sein, absurd sind sie jedoch nie. Ist ein Argument ein Argument, also eine logische Ableitung aus den korrekten Prämissen, dann ist es eben ein Argument. So lange, bis ein besserer Denker es durch ein besseres Argument widerlegt. Eine Aufgabe, die Sorgfalt, Konzentrationsfähigkeit und Sachkenntnis voraussetzt. Es könnte aber auch durchaus sein, dass, blickt man durch Yasmin Fahimis Augen auf die Welt, das Heranziehen von Argumenten an sich ein absurder Vorgang ist.

Eine Leistung in dem Moment, in dem sie abgeschlossen ist, als „historisch“ zu bezeichnen, hat sich in der Politik als verbreitetes Stilmittel des Eigenlobs fest etabliert. Täglich erreicht uns die Nachricht neuerlicher historischer Leistungen, die von unseren Parlamentariern vollbracht wurden. Dazu gehören ein ausgeglichener Haushalt ebenso wie die Riesterrente oder eben der von Frau Fahimi gerühmte Mindestlohn.

Tatsächlich erschließt sich jedoch erst mit zeitlichem Abstand und aus der Rückschau, ob eine Leistung nun historisch war oder eben nicht. Erst wenn ein paar Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte verstrichen sind, kann man die Leistung mit allen aus ihr resultierenden Konsequenzen bewerten und sagen: „Das war mal wirklich historisch!“ Zumindest, wenn es um Vorgänge wie die Einführung des Mindestlohns geht. Der Fall der Mauer war hingegen bereits im Jahr 1989 schon historisch. Ein vergleichbarer Vorgang mit ähnlich geschichtlicher Tragweite wird sich so schnell nicht wieder ereignen.

Im letzten Satz des Facebook-Eintrags erfahren wir, dass sich Frau Fahimi nicht sonderlich an Diskussionen erfreut. Das ist nicht verwunderlich. Findet man den Vorgang des Heranziehens von Argumenten absurd, kann man sich auch nicht mit der Diskussion anfreunden, die ja vom Argument lebt. Schöner findet die SPD-Generalsekretärin hingegen einen Nebeneffekt, der aus der ohne ihre Zustimmung dennoch stattfindenden Diskussion resultiert: das Klarmachen oder auch Einbleuen. Erörtern Menschen mit mehr Freude am politischen Diskurs als Yasmin Fahimi die Pros und Kontras des Mindestlohns, kommen sie nicht umhin, wieder und wieder den Namen der Partei zu preisen, die ihn angeblich erfunden hat: die SPD.

Nach Hause geht der Leser von Yasmin Fahimis Eintrag mit folgender Erkenntnis: Eine Politikerin, die es nicht schafft, drei Zeilen auf Facebook zu verfassen, ohne inhaltliche wie logische Fehler zu begehen, aber ein sprachliches Mindestniveau zu halten, sollte nicht Generalsekretärin der SPD sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.

Fanden Sie diesen Artikel interessant?

Dann werfen Sie einmal einen Blick in die aktuelle eigentümlich frei 150. In diesem Heft erwarten Sie ausführliche Hintergrundartikel zu unserem Schwerpunktthema „Heiße Phase im Kalten Krieg: Fiebermessen und Farbenlehre im neuen Ost-West-Konflikt“. Dazu finden Sie in ef 150 detaillierte Analysen der Pegida-Bewegung, eine Einschätzung zum Attentat auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“, eine Darstellung der Flügelkämpfe zwischen Alt- und Jung-Emanzen, eine Reportage von der Supermarktkasse, eine ausführliche Debatte über die Sterbehilfe, ein Lob auf den Tennissport, den pädagogischen Kern eines Computerspiels sowie Lifestyle, Musik, Autos, Film, Empfehlungen über ein sinnvolles Anlageverhalten während der lange nicht beendeten Finanzkrise und weitere Analysen aus ungewohnter Sicht. Dazu viele weitere Überraschungen und Informationen, die Sie andernorts vergeblich suchen werden. Als ef-Abonnent profitieren Sie zusätzlich vom erweiterten Online-Angebot, können das Heft auch digital lesen, erhalten Zugang zu neuen und älteren Ausgaben im Archiv und können Online-Artikel im Leserkreis kommentieren.

Einzelhefte und Abonnements finden Sie hier:

eigentümlich frei bestellen


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Mindestlohn

Autor

Katharina Szabo

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige