26. Februar 2015

Wohlfahrtsstaat Alles darf die Armut!

Nur aufhören darf sie nicht!

Dossierbild

Vor einigen Tagen „warnte“ der Paritätische Wohlfahrtsverband vor einer „Lawine der Altersarmut“.

Ulrich Schneider, der Chef des Vereins, wies mit dramatisch anklingenden Worten darauf hin, dass „die Armut in Deutschland noch nie so hoch wie heute und die Zerrissenheit in Deutschland so tief wie heute“ sei. Huch, dachte ich mir, das ist ja wirklich erschreckend, und suchte in veröffentlichten Artikeln nach genaueren Informationen, mit denen der gute Herr Schneider seine Feststellungen untermauert. Und was mich noch viel mehr interessierte, war, einen entsprechenden Hinweis darauf zu finden, wie er diesen von ihm festgestellten bedauerlichen Zustand zu beseitigen gedenkt. Wie er ihn zu beseitigen gedenkt, ohne auf die bekannten Phrasen eines Vereins zurückgreifen zu müssen, der maßgeblich aus staatlichen Mitteln und Leistungen zur Sozialversicherung finanziert wird. Also von Ihrem Geld!

Ich suchte vergebens.

Das, was ich fand, war der typische Einheitsbrei gutdotierter Gutmenschen, die von der Betonierung der Armut bestens leben. Nun mag es zweifellos so sein, dass es in Deutschland Menschen gibt, die „arm“ sind. Menschen also, die neben einer warmen, eingerichteten Wohnung, einem Fernseher, fließendem, sauberem Wasser und Lebensmitteln, die man ruhig auch einmal saisongebunden verzehren darf, kaum etwas für den Konsum haben.

Menschen, denn so wird „Armut“ definiert, die – sofern sie Single sind – über 892 Euro im Monat verfügen können oder sich zu einer vierköpfigen Familie zählen dürfen, die sich mit 1.873 Euro im Monat begnügen muss.

Nun, so resümiert Herr Schneider angemessen betroffen, dies sei ein Resultat der „tief zerklüfteten Republik“ und umgehend zu beseitigen.

Und ich gebe Herrn Schneider recht. Ja, von diesem Betrag den ganzen Monat über die Runden zu kommen, ist in der Tat bisweilen eine echte Herausforderung. Und auch ich bin der Meinung, dass diesem bedauerlichen Zustand ein Ende bereitet werden muss. So weit, so gut.

Aber nun kommt der „Gutmensch“ bei Herrn Schneider zum Vorschein. Und wie es sich für Gutmenschen gehört, fordert er natürlich so dies und das. Zum Beispiel fordert er einen Mindestlohn von 11,50 Euro pro Stunde. Und die Anhebung der Hartz-IV-Sätze! Fein, Herr Schneider ist ein Lehrstück der klassischen Spezies „Gutmensch“.

Es ist stets amüsant, wenn man den Begriff „Gutmensch“ verwendet, um mit einer unverhohlenen Ironie eben diesen Kreis unserer Zeitgenossen in Frage zu stellen. Also nicht die Zeitgenossen an sich – sondern deren Absichten. Wenn man deren Absichten ganz offen in Zweifel zieht. Wenn man ihnen unverhohlen und „Aug in Aug“ mitteilt, dass sie – aus einem minder entwickelten Selbstwertgefühl heraus – ihre Gutmenschenparolen nur dann in den Ring werfen, wenn zum einen jemand anderes „Wichtiges“ es hört, sie von ihrer zur Schau gestellten Selbstlosigkeit ausschließlich Vorteile haben und – ganz wichtig – jegliche Verantwortung ihrer eingeforderten Ansprüche an die Allgemeinheit auch bei genau dieser Allgemeinheit liegt. Dann ist der Teufel los – Hauen und Stechen sind da zarte Streicheleinheiten, weit und breit keine Toleranz. Toleranz scheint nur dann „hip“ zu sein, wenn die eigene Meinung anstandslos wiedergekäut und niemals – niemals! – gar negativ kritisiert wird.

Im Moment ist es gerade besonders chic, wenn wir so tun, als wären wir ausschließlich am Wohl des anderen interessiert. Wir selbst sind nichts – in der Gemeinschaft liegt das Heil verborgen! Hatten wir alles schon – es ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir dieses Gebrabbel anscheinend immer wieder total erstrebenswert finden.

In der Politik und bei allen vom Staat abhängigen – und das werden jeden Tag mehr – Wohlfahrtsstaatsempfängern wächst die Begeisterung für die Allmacht. Auch das hatten wir schon – es ändert aber auch nichts an der Tatsache, dass wir es uns nicht verkneifen können, es immer wieder zu probieren.

Erstaunlich ist, wie Gutmenschen mit zweierlei Maß messen – entspricht man ihren Wünschen und Wertvorstellungen, so gehört man zu den Säulen dieser Gesellschaft, tut man dies nicht, ist der Teufel los. „Sozial ungerecht“, „egoistisch“, „rechts“. Suchen Sie sich bitte aus, was Sie sein möchten, wenn Sie dem Zeitgeist nicht entsprechen wollen und wenn sie nicht nach ihren Regeln leben wollen. Suchen Sie sich etwas aus, womit sie am besten leben können – aber keine Sorge, der Rest kommt schon noch. Auf Dauer werden Sie mit allen „unfassbar schlechten“ Charaktereigenschaften in Verbindung gebracht.

Und so ist es auch im Falle von Herrn Schneider, der sich absolut sicher sein kann, dass er mit seiner Armuts-Tirade den Nerv der Zeit trifft und kaum einer näher nachfragt, wie sich dieses feine Clübchen eigentlich finanziert und welch ein „Wirtschafts“-Imperium inzwischen dort entstanden ist.

Dieses Imperium wird es niemals zulassen, dass die Armut in diesem Land kleiner wird. Warum auch? Es lässt sich doch für viele enorm gut davon leben. Der größte Posten im Bundeshaushalt ist der Sozialetat. Nun könnte man meinen, dass dies gut investierte Gelder sind, die den Betroffenen zugutekommen. Aber nicht doch! Nein, weniger als die Hälfte kommt bei denen an, die es „nötig“ haben. Wenn sie es denn nötig haben. Die Frage ist – wollen sie alle es nötig haben? Wollen sie alle gern von „Papa Staat“ versorgt werden? Nein, natürlich nicht. Viele hassen ihren Zustand und tun alles, damit sie aus der Abhängigkeit entlassen werden.

Aber! Vergessen Sie das, liebe Wohlfahrtsstaats-Beglückte. Vergessen Sie das! Sie sind in Ihrem bedauernswerten Zustand viel mehr wert für diese Herrschaften. Stünden Sie nämlich auf eigenen Füßen, würden Sie diesen geistigen Zwergen, mit eben diesen ganz gehörig in den Allerwertesten treten.

Diese Gutmenschen brauchen Sie so dringend wie die Luft zum Atmen, denn ohne Sie wären sie ohne Aufgabe, ohne Einkommen, ohne ihren Heiligenschein. Der gutbezahlte Heiligenschein ist ihnen ungemein wichtig. Und mit dem zeigen sie jedem den langen Finger, der außerhalb unseres wohlmeinenden „Sozialstaates“ etwas für einen anderen Menschen tun will. Die außerhalb des „Systems“ Nächstenliebe praktizieren. Die jenseits der „Steuerehrlichkeit“ anderen Geschenke machen. Das, liebe Arme, das geht nun einmal gar nicht. Jeder Cent, der Euch zugutekommt, muss erst einmal durch die huldvollen Hände eines Gutmenschen fließen, der dann großzügig entscheidet, ob du – lieber Armer, oder du – lieber anderer Armer, davon einen Brotkrumen abkriegen soll.

Regulierungen, Strafen, Steuern und Abgaben sind alles Vehikel, womit Gutmenschen sich ein wundervolles Leben erschaffen. Existenzgründer, kleine und mittlere Betriebe werden von Gesetzen und Vorschriften ermordet und der zwangsweisen Armut zugeführt. Wer da raus will, muss sich erst einmal mit Behörden auseinandersetzen, wo dann Leute sitzen, die von Wirtschaft keinen blassen Schimmer haben, aber ihren Senf dazugeben.

Lieber Herr Schneider, arme Menschen brauchen kein Mitleid, arme Menschen brauchen Inspiration und Perspektive. Mitleid spendet ihnen ein Laib Brot, der sie nicht verhungern lässt, oder man „gönnt“ ihnen Unterhaltung, so dass sie ihr Elend für einige Zeit vergessen können. Aber Inspiration kann sie dazu bringen, sich aus ihrer Not zu befreien. Herr Schneider, wenn man den Armen helfen will, dann sollte man ihnen zeigen, wie man wohlhabend wird. Dann sollte man ihnen ein Vorbild sein. Ein Vorbild in Sachen Selbstbewusstsein, Eigenständigkeit und Durchhaltevermögen. Dann sollte man ihnen zeigen, wie es möglich ist, aus seinem eigenen Leben etwas zu machen und unabhängig zu sein … unabhängig von Almosen, unabhängig von Brotkrumen, die „dem Armen“ hingeworfen werden – und für die er auch noch dankbar zu sein hat.

Aber dies ist nicht das Ziel, welches Sie verfolgen, denn die gesamte „Sozialdemokratie“ lebt von Rechtfertigungen, Umverteilung und moralischem Relativismus, und ständig wollen Sie sich „um die Armen kümmern“. Und Sie „kümmern“ sich ja so gern; Sie finden es so erlösend für Ihren Selbstwert, wenn Sie andere unter Ihre Fittiche nehmen können.

Und warum machen Sie und Ihresgleichen das? Weil Sie alle besonders gute Menschen sind? Nein, keineswegs ist dies der Fall. Sie ziehen sich daran hoch, dass man Institutionen wie das Ihre „braucht“, dass Menschen wie Sie „Helden“ sein dürfen. Weil ein anderer von Ihresgleichen abhängig ist. Niemals wird unter dieser „Kümmerei“ die Armut aufhören, niemals. Denn dann wären Sie und Ihresgleichen überflüssig.

Und so nimmt es kein Ende, dass anstatt staatliche Wohltaten, Regulierungen und Energieverordnungen strikt einzugrenzen, eine Unmenge von Pseudo-Gefälligkeiten gießkannenmäßig verteilt wird, so dass auch nahezu jeder etwas von der Bestechung hat. Und die Rechnung geht auf! „Die Deutschen halten die Bundesrepublik für ein ungerechtes Land und wünschen sich mehr soziale Gerechtigkeit.“ Dass die Ungerechtigkeit in einem verbrecherischen Falschgeldsystem und einem darauf aufbauenden Steuermoloch zu suchen und zu finden ist – nicht ein klitzekleiner Gedankenblitzer!

Bei diesem ganzen Plan muss man eben nur dafür sorgen, dass es noch ein paar arme Tröpfe gibt, die für den Wohlstand arbeiten gehen. Die werden mit salbungsvollen Worten so lange bei Laune gehalten, bis die Profiteure sich mit dem finanziellen Ertrag – für den andere gesorgt haben – vollgesaugt haben. Dann werden sie ihr wahres Gesicht zeigen – dann, wenn nichts mehr zu holen ist.

Fragen Sie mal die – in Feierlaune leicht angeschickerten – Chefs von „Wohlstandsvereinigungen“, die sich – bis auf einige sehr wenige Ausnahmen – keinen besseren Arbeitsplatz wünschen können als den, den sie haben. Gutmensch und reich! Gibt es ein schöneres Leben? Betrachten Sie nur einmal die Armutsindustrie – zu ihrem verdorbenen Magen kommt dann ein ganz schön dicker Kopf hinzu.

Wenn es nicht so bitter wäre, könnte man von Herzen lachen!

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Internetseite des Instituts für klassischen Liberalismus.

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