04. April 2015

Deutschland 2030 Intelligenz und Produktivität im Sinkflug

Der Primitivismus wurde durchgesetzt

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Deutsch*Innenland 2030. Deutschland 1930. Während 100 Jahre vergangen sind, scheint die Zeit stillzustehen. Während sich die technologische Entwicklung vermillionenfacht hat, ist der Wohlstand auf Zeiten der Weimarer Republik nach der Weltwirtschaftskrise zurückgefallen. Seit Jahren befindet sich das Deutsch*Innenland der 2030er Jahre nun schon in der Depression. Das Land der Dichter und Denker ist in ein Land der Bettler und Bauern verfallen. Die einst stolze Industrie – Autos, Maschinen, Elektronik, Pharmazie – ist 20 Jahre veraltet – sofern sie denn noch existiert.

Reist man im Jahre 2030 durchs Deutsch*Innenland, fühlt man sich an Castro-Kuba erinnert. Während man in weiten Teilen Asiens und dem Rest der Welt mit autonomen Vehikeln in Sekundenschnelle an jedes Ziel zu minimalen Kosten befördert wird, drängen sich dem Reisenden im Deutsch*Innenland aufdringliche Gender-Wissenschaftler auf, die Reisende in ihren klapprigen VW-Taxis befördern wollen. Diese werden weiterhin in Wolfsburg produziert – der einzigen noch Auto-produzierenden Stadt im Deutsch*Innenland. Deutsche Traditionsmarken wie BMW, Mercedes oder Porsche produzieren weiter – doch mittlerweile nur noch mit Roboter-Heeren in Asien. Dort sitzen sie auch – aus dem Deutsch*Innenland haben sie sich längst zurückgezogen. Wie sämtliche andere einst so fortschrittliche Industrieunternehmen, die der deutschen Politik und Gesellschaft irgendwann einfach nicht mehr trotzen wollten.

Das Deutsch*Innenland ist trotzdem weiterhin ein Exportland. Exportiert werden natürliches, das heißt durch Menschen produziertes Bier, Brot, Wurst und Sauerkraut. Exportiert werden Kartoffeln, Internet-Störsender und Fußballspieler. Und die ein oder andere veraltete Maschine in die anderen Drittweltländer Europas. Von denen gibt es einige mehr als noch 15 Jahre zuvor – nach dem Zerfall der Europäischen Union im Jahr 2019 ließen sich etliche Sezessionen nicht verhindern. Nachdem das damals noch so genannte Deutschland im Gefolge etlicher südeuropäischer Staaten das Gebilde der Europäischen Union der Sozialistischen Staatsrepubliken (EUdSSR) ausrief, hatten viele wohlhabende Regionen genug. Während Resteuropa am Hungertuch nagt, ist die Eidgenossenschaft der Großschweiz, bestehend aus dem Schweizer Kernland, Baden, dem Elsass, Bayern, Norditalien und weiten Teilen Österreichs, weiterhin mit den hochmodernen Staaten Asiens und Lateinamerikas konkurrenzfähig.

Während 2030 offene Grenzen schlicht nicht mehr zu verhindern sind, ist die Abwanderung geringer, als man erwarten könnte. Die meisten Deutsch*Innen (meist Deutsche), die mit ihrem System nichts mehr anfangen konnten, haben bis spätestens 2025 das Land verlassen. Mit ihnen verschwunden sind die Millionen ehemaliger Einwanderer, die in ihren Heimatländern wie der boomenden Türkei einen weitaus höheren Lebensstandard erreichen. Deutschland gehört wieder dem Michel – das stimmt die mittlerweile wieder im deutschen Parlament vertretene NPD glücklich. Weniger jedoch die in vergangenen Jahren erlassenen Ermächtigungsgesetze, die sich selbst Hitler nicht erlassen zu getraute. Mit ihnen ist trotz offener Grenzen nicht an Auswanderung zu denken. Nicht, weil es nicht möglich wäre, sondern weil die Deutsch*Innen ihre neuen Führer lieben. Doch der Reihe nach…

Bis zum Jahr 2018 war im damaligen Deutschland alles in Ordnung. Die Wirtschaft florierte und rettete das krisengeplagte Europa. Freilich sorgten etliche Regulierungen, vom Mindestlohn zu Wohnpreisbremsen und Steuererhöhungen, bereits für den Anfang vom Ende. Der Mindestlohn, 2015 noch 8,50 Euro betragend, wurde schrittweise jedes Jahr um drei Euro erhöht. Gleichzeitig führte die 2017 neu gewählte öko-primitivistische Regierung aus Grünen, Linken und der Sozialistischen Partei einen Höchstlohn ein, von dem nur der Politik- und Beamtenapparat ausgenommen wurde. Als Konsequenz verlagerten sämtliche deutsche Großkonzerne ihren Sitz in die Schweiz oder nach Asien. Freilich nur einer der Gründe – die 20-Stunden-Woche, autofreie Sonntage, vegane Essenspflicht dreimal pro Woche und viele absurde Maßnahmen mehr taten ihr übriges.

Der wahre Niedergang des damaligen Deutschlands ist aber einige Jahre später zu suchen. Während um 2030 in Asien und Amerika die Singularität naht, ist das Deutsch*Innenland zur Steinzeit zurückgekehrt. Exponentielle Fortschritte in Bereichen wie Robotik, Nanotechnologie und Biotechnologie ermöglichen weiten Teilen der Menschheit ein Leben wie im Paradies. Roboter arbeiten für Menschen, die geheilt von Alter und Krankheiten ihre Leidenschaften verwirklichen. In diesen Ländern gibt es nichts, was es nicht gibt. Menschliche Kreativität kann zu minimalen Kosten alles verwirklichen, was sie sich immer vorgestellt hat. Selbst die Besiedelung des Mondes und des Mars wurde bereits erfolgreich begonnen.

Im Deutsch*Innenland hat man jedoch andere Sorgen. Diese begannen, als 2021 die zum Islam konvertierte Fatima Roth Bundeskanzlerin wurde und das Land sofort umbenannte. Als Vorreiterin einer öko-primitivistischen Ideologie setzte sie völlig das um, wofür ihre Vorgänger seit 1968 den Weg bereitet hatten. Völlige Gleichschaltung aller Geschlechter macht nämlich auch vor Maschinen nicht halt. Mit breiter Mehrheit beschloss der Bundestag im Jahr 2023 die völlige Gleichheit von Mann, Frau, 73 anderen biologischen Geschlechtern, intelligenten Tieren wie Affen, Delphinen und Schweinen sowie eben auch Computern und Maschinen – also Robotern. Das Gleichheitsgesetz besagt, dass absolut alle und jeder Rücksicht auf die schwächsten Glieder der Gesellschaft nehmen müssen. Im Konkreten heißt dies, dass die Produktivität des schwächsten Mitglieds der Gesellschaft nicht überschritten werden darf. Da jedoch selbst in den grünlinken Parteien noch ein Funken Restverstand herrschte, wurde Frau Bundeskanzlerin Fatima Roth selbst zum Beispiel des schwächsten Mitgliedes der Gesellschaft konstitutionalisiert.

Seit diesem Zeitpunkt sank nicht nur der Produktivitätsdurchschnitt der deutschen Bevölkerung auf ein Minimum herab, sondern auch der Intelligenzquotient. Während in anderen Teilen der Welt moderne Technologie die Intelligenz in unvorstellbare Höhen katapultiert, ist sie im Land der Dichter und Denker vorsteinzeitlich geworden. Zwar ist der Bierexport noch eines der letzten deutschen Standbeine, doch hat die Qualität merklich nachgelassen. Dem deutschen Reinheitsgebot folgte das deutsche Gleichheitsgebot. Bier darf in Bayern nicht besser schmecken als in Berlin. Dieses Gesetz sorgte für den endgültigen Beschluss, dass sich das bereits seit Jahren verstärkt um Sezession bemühende Bayern der Großschweiz anschloss. Gutes Bier gibt es also auch noch 2030 – genauso wie guten badischen Wein. Es ist bloß nicht mehr deutsch.

Deutsch ist vieles nicht mehr. Bayern und Baden sind Schweiz, Schleswig-Holstein und Hamburg dänisch. Amtssprache ist Geschlechtsneutrales Deutsch, ein seit den 2000er Jahren verbreiteter primitivistischer Dialekt, der den Lauten nun gleichgestellter Schimpansen gleichkommt. Bundeskanzlerx und Honorarprofessorx Fatima Roth ficht das nicht an. 2025 beschlossen sie und ihre Partei das Deutsch*Innenland  vom Internet abzukoppeln, da Technologien wie Krypto-Währungen und ihre Blockchain eine weitaus bessere Alternative zu staatlichen Leistungen boten. Das Internet, längst weltweit satellitengestützt empfangbar, ließ sich bloß nicht so einfach abschalten. Mit der Verdoppelung sämtlicher Steuern gelang es den Regierungsparteien jedoch noch, den merklich geschrumpften gehorsamen Deutschen (in diesem Fall männlich) so viel Geld abzuschröpfen, wie es für die Installation von Internet-Störsendern nötig war. Diese Technik, die einzige Hochtechnologie des Deutsch*Innenlands in 2030, ist stolzes Exportgut Nummer eins. Vom 2021 verstaatlichten Staatsunternehmen Siemens geschaffen, koppelt sie andere Länder der Primitivistischen Internationale wie Nordkorea, die Vereinigten Staaten von Nordostamerika und der EUdSSR von der Außenwelt des Überflusses ab. Vieler Möglichkeiten der Freizeitgestaltung beraubt, ist zumindest die Geburtenquote im Deutsch*Innenland deutlich angestiegen.

Was soll man von den armen Deutschen 2030 auch noch anderes erwarten, als dass sie es ihren orientalischen Freunden gleichtun, die mittlerweile in Scharen das Land verlassen. Eine 20-Stunden-Woche Arbeit lässt viel Zeit zur freien Liebe. Frei ist diese freilich nicht mehr. Bei den Bundestagswahlen 2027 sah es eigentlich schlecht für Fatima Roth aus, die mit ihrer männerfeindlichen Politik – Privilegien gab es nur noch für Lesben – viele Stimmen an die einzige ernsthafte, wenngleich sich monatlich zersplitternde Oppositionspartei Alternative fürs Michelland zu verlieren drohte. Opportunistisch erkannte sie jedoch, dass Gleichheit auch nicht vor Geschlechtsverkehr haltmacht. Ihr Versprechen von kostenfreier Prostitution sicherte ihr fast jede Stimme. Die der Frauen im Endeffekt freilich nur – weil Männer sich fortan jedem Wunsch jeglicher Frauen beugen müssen. Neben der höchsten Zahl weltweiter Geschlechtsumwandlungen stieg so im Deutsch*Innenland auch die Zahl von Kindern rapide an. Schließlich sicherte ein weiteres Gesetz Frauen mit Kindern lebenslange Freizeit und einen satten Bonus pro Kind zu. So ist es kein Wunder, dass Frauen aus aller Frauen Länder ins Matriarchat Deutsch*Innenland stürmen. Zumindest aus ähnlich armen Ländern, die bloß lediglich vom Gender-Wahn verschont wurden. Die Männer freilich drohen langsam auszugehen. Sie sind längst geflohen – oder als Fußballspieler für horrendes Lösegeld exportiert worden, eine weitere Einnahmequelle des deutschen Staates 2030.

Der versteht es irgendwie, zu überleben. Preußische Tugenden wie Fleiß, Gehorsam und Disziplin stehen auf den Lehrplänen der Schulen für Jungen, die nach erfolgreichem Jungengemeinschaftsschulabschluss auf den Feldern schuften müssen. Der Zugang zu Kunstgeschichte, Gender-Wissenschaft und Politik bleibt grünlinken Deutsch*Innen vorbehalten. Männer können höchstens noch katholische Theologie studieren, was rege genutzt wird, auch wenn ein Leben in den Klöstern Thüringens droht. Sie entkommen jedoch wenigstens ihrem Dasein als Diener der Frauen. Bloß nicht den alten 68ern – seit Abschaffung des Pädophilie-Paragraphen bereits 2017 sind die Klöster ein beliebter Rückzugsort. Grund ist eine der Bedingungen, nach deren Erfüllung Volker Beck zugunsten Fatima Roths auf die Kanzlerschaft verzichtete und sich fortan im Kloster vergnügte.

Das Deutsch*Innenland 2030 ist also weiterhin ein lebenswerter Ort. Zumindest für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, die sich mit einer primitiven Lebensweise zufriedengibt. Immerhin sind alle gleich – was sich spätestens im Tod zeigt. Während Unsterblichkeit in anderen Ländern der Welt längst Realität ist, lebt der durchschnittliche Deutsche nicht mehr lange – etwa halb so lange wie durchschnittliche Deutsch*Innen. Und etwa doppelt so lange wie die nun gleichgestellten Schweine – die selbstverständlich nicht mehr geschlachtet werden dürfen. Schweine für Deutsch*Innen sind, was Kühe für Hindus sind. Gegrillt werden jetzt Würste aus Soja.

Es ist keine Überraschung. Deutschland 2030 ist eine Utopie für die einen, eine Dystopie für die anderen. Immerhin gewann man noch die Weltmeisterschaft 2030 – die erste auf dem Mond. Das Deutsch*Innenland behält also seinen Platz in den Geschichtsbüchern. Geschichte – die beste Lehrerin mit den schlechtesten Schülern. Was ab 1930 begann, wurde bis 2030 zu Ende geführt.

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