20. April 2015

Sozialistische Gewaltphantasien Wie hat es nur so weit kommen können?

Die Brutalität im rhetorischen Nebel

Dossierbild

Jean Ziegler ist der ehrlichste Linke von allen. Im österreichischen Staatsfernsehen polterte er nämlich letzthin ganz unverblümt: „Spekulanten gehören aufgehängt. Punkt.“ Eine Aussage, für deren Äquivalentes man geistige Nachtschattengewächse ein paar Politbüros weiter rechts (zu Recht!) massenmedial geohrfeigt hätte, um sie danach an ihren Platz zu verweisen. Aber sowas wie Jean Ziegler gilt eben bei der breiten Masse als „intellektuell“, bei Linken als „Vordenker“, da darf man so etwas sagen. Und schließlich hat Jean „Gaddafi ist ein politisches Genie“ Ziegler ja keine Ämter (außer jenes im UN-Menschenrechtsrat mit umfassender Strafimmunität – manche Sozialisten sind halt ein bisschen gleicher).

Andrea Nahles hat hingegen ein Amt, sie ist Bundesarbeitsministerin in Deutschland und hat eben angeordnet, dass von nun an 7.600 bewaffnete Inspektoren die Einhaltung des neuen Arbeitsverbots für Geringqualifizierte überwachen werden (auch bekannt als „Mindestlohn“).

Ich wiederhole: bewaffnet.

Das sei ganz normal, teilt das entsprechende Ministerium mit.

Nein, ich bezweifle das nicht.

Normal ist es in der Tat, dass hinter jedem staatlichen Akt, auch und gerade hinter den besonders gut gemeinten, Männer mit Waffen stehen. Männer mit Waffen, die bald einmal vor der Tür stehen, wenn sich das doch so liebevoll umsorgte Individuum dem sozialdemokratischen Gesamtendplan nicht fügen will. Frei nach dem Motto „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein“. Mit den allerfeinsten Grüßen vom Allgemeinwohl.

Das Einzige, was dem Sozialismus seit seiner Existenz gelang, besteht darin, diese eigentliche Brutalität mit einer Salve begrifflicher Nebelkerzen zu verschleiern. Freundlich unterstützt von jenen, die ihm nicht auf moralischer Ebene entgegentreten wollten (ja, „Bürgerliche“, ihr seid gemeint). Denn dem Sozialismus liegt keine Wärme, keine Menschlichkeit, keine Solidarität zugrunde. Er lebt von Zwang, von Respektlosigkeit, letztlich von Aggressivität. Jean Ziegler ist nur ehrlich genug, die Gewaltphantasie auszusprechen, die bei jeder sozialistischen Maßnahme mitschwingt.

Die fluffy daherkommenden Sozialisten treiben derweil ihre Spielchen, gestützt von der moralischen Lufthoheit, die sie nicht verdienen. Nachfolgende Generationen werden sich dereinst wohl wieder einmal fragen müssen:

„Wie hat es nur so weit kommen können?“

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freitum.

Fanden Sie diesen Artikel interessant?

Dann werfen Sie einmal einen Blick in die aktuelle eigentümlich frei 152. In diesem Heft erwarten Sie ausführliche Hintergrundartikel zu unserem Schwerpunktthema „Ausblick in den Abgrund – Deutschland im Jahr 2030: Politik, Probleme und ein wenig Hoffnung“. Dazu finden Sie in ef 152 einen Vergleich zwischen Pietät und Gesetzestreue, eine Einschätzung zum aktuellen Stand der Finanzkrise in Griechenland, eine Meinung über Peter Gauweilers Rücktritt, eine Reportage aus der Ostukraine, einen Beitrag zur Genderpolitik, ein Interview mit einem Salafisten, eine Einschätzung der Zukunft von Pegida, eine Zwischenbilanz des NSU-Falles, einen Bericht der Initiative „Holt unser Gold heim!“, eine Analyse des demokratischen Umverteilungsstaates sowie Lifestyle, Musik, Autos, Film, Empfehlungen über ein sinnvolles Anlageverhalten während der lange nicht beendeten Finanzkrise und weitere Analysen aus ungewohnter Sicht. Als ef-Abonnent profitieren Sie zusätzlich von einem erweiterten Angebot, haben Zugriff auf exklusive Online-Artikel, können das Heft auch digital lesen, erhalten Zugang zu neuen und allen älteren Ausgaben im Archiv und können Online-Artikel im Leserkreis kommentieren.

Einzelhefte und Abonnements finden Sie hier:

eigentümlich frei bestellen


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Sozialismus

Autor

Simon Scherrer

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige