21. April 2015

Lucke und die FC-Fans Schlimmer als 1933?

Ein offener Brief an Sascha Vogt

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Bildquelle: Wikipedia/Mark Wilkendorf Ein lupenreiner Toleranter: Sascha Vogt

Sehr geehrter Herr Vogt, am vergangenen Samstag berichtete Spiegel Online darüber, dass Bernd Lucke (Parteichef der Alternative für Deutschland) von Fans des 1. FC Köln mit den Worten: „Wir wollen keine Nazis hier“ angepöbelt und in der Folge aufgefordert wurde, den Zug zu verlassen.

Nun mag man von der Politik Bernd Luckes halten, was man will, dies tut hier nichts zur Sache. Was allerdings eine große Rolle spielt, ist, wie inzwischen in diesem Land gerade von vermeintlich Toleranten mit Menschen umgegangen wird, die nicht der eigenen Meinung sind. Mal davon abgesehen, in welcher inflationären Art und Weise inzwischen mit dem Begriff „Nazi“ umgegangen wird (und dass „Nazi“ die Kurzversion von „Nationalsozialist“ ist und man hier zumindest für einen kurzen Augenblick ins Grübeln kommen sollte), ist es ganz und gar nicht hinnehmbar, dass Sie für ein solches Verhalten auch noch ganz unverhohlen Sympathie zeigen, wie sich hier feststellen lässt. 

Herr Vogt, wie kann es sein, dass Menschen, die ihr Ticket ordnungsgemäß erworben haben, von anderen dazu aufgefordert werden, den entsprechenden Raum zu verlassen, nur weil diesen die Meinung des anderen nicht gefällt? Wie kann es sein, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen sich erdreistet, darüber bestimmen zu dürfen, wer in einem Zug sitzen darf und wer nicht? Würden Sie genauso den entsprechenden Fans des 1. FC Köln huldigen, wenn diese sich gegen eine Gruppe von ausländischen Mitbürgern so verhalten hätten? 

Oder wären Sie dann in den Empörungsmodus gefallen? Wofür die SPD angeblich eintritt, ist Demokratie. Zu einer funktionierenden Demokratie gehört Meinungsfreiheit. Das, was Sie hier vertreten, hat damit nichts zu tun. Dies erinnert mich sehr an den Gesinnungsterror, der uns ab 1933 ins Elend gestürzt hat. Sie als Politiker sollten mit solchen Äußerungen sehr vorsichtig sein. Sie tragen Verantwortung für die Menschen in diesem Land. Verantwortung bedeutet, sich mit Meinungen und Sichtweisen neutral auseinanderzusetzen und mit dazu beizutragen, dass Menschen sich respektvoll begegnen. Auch und vor allem dann, wenn sie nicht der eigenen Meinung sind. 

Dieser Brief ist ein offener Brief und wird entsprechend behandelt. 

Mit freundlichen Grüßen 

Susanne Kablitz 

Vorstandsvorsitzende Institut für klassischen Liberalismus

 Dieser Artikel erschien zuerst auf der Internetseite des Magazins „Freiraum“.

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