23. April 2015

Glaube an den Sozialstaat Das Kollektiv hat immer recht

Mit sympathischen Grüßen vom Allgemeinwohl

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Bildquelle: Shutterstock Instrumente sozialstaatlicher Registrierung: Wir werden zur Nummer beim Finanzamt

Wir leben in einem Sozialstaat!

Und darauf sind wir – in diesem noch schönen, aber durch Windkrafträder beständig hässlicher werdenden Land – mächtig stolz.

Unser Sozialstaat ist etwas, das wir am liebsten in die ganze Welt hinaustragen würden. Als glorreiches Beispiel, wie man es „richtig macht“! Wie man „Menschlichkeit praktiziert“ und dem „Gemeinwohl“ dient. Ja, in dieser Rolle fühlen sich die Deutschen pudelwohl. So wohl, dass sie sich auch durch die Realität nicht beirren lassen.

Auf gar keinen Fall.

Der „soziale Staat“ ist im Grundgesetz niedergeschrieben, und daran halten wir uns! Zuverlässig und ohne jegliche Nachfragen, was der „soziale Staat“ eigentlich sein soll. Was dieser „soziale Staat“ eigentlich beinhalten soll. Wir wissen nur: Bloß nicht wie in Amerika! Selbst wenn wir gar nicht wissen, wie es in Amerika ist, weil unser Geist kaum über die Kleingeistbrücke in Mückenloch oder Deppendorf hinausreicht … Aber dass wir das nicht wollen, das wissen wir. Wir lesen, wie es in Amerika ist … und das glauben wir – und das wollen wir auf gar keinen Fall. Und weil wir das nicht wollen, sind wir hier in Deutschland zu jeder noch so bekloppten Schandtat bereit, wenn es um den „sozialen Staat“ geht.

Es interessiert uns nicht, dass wir in der Vergangenheit Staatsbankrotte und Währungsreformen hinnehmen mussten (weil ein paar Irre vorher wie wild „Sozialstaat“ spielen mussten).

Es interessiert uns auch nicht, dass die Menschen in diesem Land jeden Tag Unmengen an erarbeiteten Euros in den Kamin jagen (müssen), damit die Illusion vom „Sozialstaat“ aufrecht erhalten bleiben kann. Schon gar nicht wollen wir einsehen, dass Sozialismus und Kommunismus (Betschwestern im Geiste und in der Tat) uns immer nur Elend gebracht haben und dass es ein Vielfaches der „Griechenrettung“ gekostet hat, was in die „blühenden Städte“ in der früheren DDR gestopft werden musste (weil das mit dem Sozialismus da so gut funktioniert hat).

Wir sind auch vollkommen lethargisch, wenn es um den Verlust unserer Lebenszeit geht, wenn wir für den „Sozialstaat“ (so jetzt kurz vor Abgabe der „Steuererklärung“) hektisch Zettelchen zusammensammeln und uns wegen jedes nicht gefundenen Schnipsels die Haare raufen und eine Beziehungskrise riskieren, nur damit wir von unserem erarbeiteten Geld ein paar Krümel zurückbekommen.

Es ist uns auch egal, wenn die Gazetten davon berichten, dass die Lebensversicherungen nun neuerdings auch „einfacher“ in den Energiesektor „investieren“ können und somit die tickende Zeitbombe im Ohr so laut wird, dass das Trommelfell zu platzen droht. Es ist uns egal, dass die Lebensplanung der Menschen pulverisiert wird, weil Regierungen überall auf der Welt ihr übergroßes Ego pflegen und mit fremdem Geld den Samariter spielen.

Nein, das stört uns alles nicht.

Nichts davon stört uns … auch nicht, dass die Flüchtlinge im Mittelmeer vor allem deshalb ertrinken, weil sie unseren „Sozialstaat“ ersehnen, der nur noch eine hohle Hülle ist. Dass dieser Sozialstaat Schlepperbanden dazu motiviert, noch ein wenig schneller zu rudern. Dass unser Falschgeld diesen „Sozialstaat“ überhaupt nur noch komatös am Leben erhält, der vorgaukelt, dass hier Milch und Honig fließen.

Es ist uns auch egal, dass unsere (nicht nur) westlichen Regierungen schuld daran sind, dass überhaupt so viele Menschen zu uns kommen, weil diese in Wahrheit Gewissenlosen ihnen das Leben in ihrer gewohnten Umgebung gründlich versaut haben.

All das wollen wir nicht wissen … weil wir in einem „Sozialstaat“ leben, der gefälligst als Vorbild für die ganze Welt zu gelten hat.

Dass wir uns dabei zu Volldeppen machen lassen, ist uns egal. Dafür lassen wir uns von den von uns gemästeten Regierungsvertretern am Nasenring durch die Manege führen, lassen diese über unser Leben bestimmen, lassen es zu, dass wir demnächst wahrscheinlich für eine Steuersünde nicht mehr nur unseren Führerschein verlieren, sondern froh und dankbar sind, wenn wir für unsere schwere Sünde nicht exekutiert werden.

Wir lassen alles mit uns machen … weil wir an den „Sozialstaat“ glauben.

Nichts hält uns davon ab. Auch nicht, dass alle menschenverachtenden Machthaber beständig das Wort „sozial“ im Mund geführt haben und führen, während sie ihre Schweinereien vorantreiben. Es stört uns nicht, dass Menschen im Namen des „Sozialen“ und des „Gemeinwohls“ millionenfach ermordet wurden. Solange „sozial“ irgendwo vorkommt, ist automatisch alles gut.

Das Kollektiv hat immer recht. Immer!

Niemals käme man auf die Idee, einmal zu hinterfragen, warum so viel Unrecht auf dieser Welt geschieht, wenn es vom eingetrichterten Weltbild abweicht. Wir wollen glauben, Wissen interessiert uns nicht. Wissen ist möglicherweise damit verbunden, dass wir unsere gewohnten Ansichten überdenken müssen; dass wir uns in Frage stellen müssen. Und das wollen wir noch viel weniger als „die Verhältnisse in Amerika“.

Dass Amerika in weiten Teilen längst zum sozialistischen Gouvernantenstaat verkommen ist … auch das wollen wir nicht wissen. Wir wollen glauben, dass in den USA der „brutale Kapitalismus“ herrscht, den wir hier nicht haben wollen. Dass wir die „Besseren“ sind, die „Menschlicheren“. Die, die stolz sein können auf „ihr“ Land.

Und dabei übersehen wir, dass alles automatisch viel menschlicher wäre, wenn die Kontrolle jeglicher Regierungen über unser Leben aufhören würde. Wenn wir Handel betreiben könnten, ohne unter der ruinösen Fülle von Vorschriften, Verboten, Gesetzesbergen zusammenzubrechen. Wenn wir helfen könnten, ohne uns vor Behörden rechtfertigen zu müssen, warum wir so helfen und nicht so, wie sie sich das vorstellen. Dass wir wieder lernen würden, was „sozial“ wirklich bedeutet. Dass dazu Eigenverantwortung gehört, Mitgefühl und Liebe. Von all dem sind wir unendlich weit entfernt.

Wir glauben, dass es sozial ist, wenn denen, die mehr haben als andere, eben dieses Mehr weggenommen wird. Wir glauben, dass es sozial ist, wenn wir Bürokraten die Macht über unser Leben geben und uns damit aus der Verantwortung stehlen. Wir glauben, dass es sozial ist, wenn wir uns vor der Mattscheibe darüber echauffieren, dass die „Welt so grausam“ ist.

Wann lernen wir endlich, dass zum „Sozial-Sein“ viel mehr gehört, als Leibeigener des Staates zu sein? Wann lernen wir, wieder Menschen zu sein und nicht nur eine Nummer beim Finanzamt, beim Gewerbeamt, beim Einwohnermeldeamt?

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Internetseite des Magazins „Freiraum“.

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