11. Mai 2015

Flucht aus Afrika Eine Lanze für die Schlepper

Europa saugt die Menschen ins Unglück

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Bildquelle: shutterstock Schlepperbanden und ihre Boote: Nicht die Lösung, nicht die Ursache

Grauenhaft, was die Staaten diesseits und jenseits des Mittelmeers anrichten! Gemeinsam heizen sie den Flüchtlingsstrom an und lassen hunderte, ja Tausende verzweifelter Menschen in den Fluten ertrinken.

Gemeinsam anheizen will heißen: Die Staaten jenseits des Mittelmeers richten ihre Länder mit bru­taler Rücksichtslosigkeit zugrunde. Despotische Gewaltregime, grausame Militärdienstpflichten, immer wieder auch Waffengewalt gegen das eigene Volk und nicht zuletzt endemisch korrupte Staatsstrukturen vergiften den Nährboden für das, was man Zivilgesellschaft nennt. Das heißt für eine Gesellschaft, deren Mitglieder ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, Häuser bauen, Familien gründen, Geschäfte täti­gen, miteinander streiten und füreinander sorgen, Wohlstand schaffen und Le­benssinn finden. All dies wird dort zerstört. Jeder Antrieb, das eigene Glück zu schmieden, wird zu­nichte gemacht. Wer Beine hat zu gehen, macht sich auf den Weg hinaus aus dieser Hölle.

Und auch die Staaten diesseits des Mittelmeers, unterstützt durch ihre emsige EU, richten ihre Län­der mit Konsequenz zugrunde. Bornierte Obrigkeiten, zunehmende Steuerpflichten, lähmende Bü­rokratien auf der einen Seite und aufgedrängte Wohltätigkeiten eines wuchernden Sozialstaats auf der ande­ren Seite vergiften auch hier den Nährboden für das, was man Zivilgesellschaft nennt. Das heißt für eine Gesellschaft, die den Lohn der Arbeit dem gibt, der sie leistet, und ihn genau dadurch zur Wohl­standsmehrung aller motiviert. All dies wird hier zerstört. Das Erarbeitete wird wegbesteuert und zu jenen umverteilt, die nicht arbeiten. Unbesehen davon, ob diese nicht arbeiten können, nicht ar­beiten wollen oder ihnen die Gewerk­schaften zu arbeiten verbieten. Wer Beine hat zu gehen, macht sich auf den Weg hinein in dieses trügerische Schlaraffenland.

Die Staaten jenseits des Mittelmeers stoßen die Menschen ins Unglück, die Staaten diesseits saugen sie ins Unglück. Dass es dazwischen große Mengen Wassers hat, verdrängen sie geflissentlich. Sonst müssten sie sich ja dem Einwand stellen, ihre Höllen- und Schlaraffenland-Aktivitäten endlich zu beenden. Sie schauen lieber weg und überlassen die von ihnen immer stärker angeheizten Flüchtlingsströme ih­rem Schicksal.

Nun liegen aber an den Ufern kleine Schiffe, Fischerboote, Küstenfähren und dergleichen. Auf diese stürzen sich die Menschen in der Not. Was bleibt den Bootsleuten anderes übrig, als dem Drängen nachzugeben. Das Unterfangen ist zwar riskant, die Boote, die nicht für diese große Überfahrt ge­baut sind, könnten kentern. Wenigstens springt noch etwas raus dabei, was bei der jäm­merlichen Wirtschaftslage für diese Schlepper und ihre Fami­lien nicht ganz ungelegen kommt. Und sind auch diese chaotischen Fahrten alles andere als die Lösung des Problems, wohl eher schon ein Teil dessel­ben, so sind sie jedenfalls weit davon entfernt, dessen Ursache zu sein.

Doch eben dies behaupten nun die Staaten. Ihnen kommt es sehr gelegen, die Ursachen bei den üb­len Schleppern festzumachen. Auf diese stürzen sie sich jetzt mit demonstrativer, neuerdings sogar militärischer Aggressivität. Und von höchster EU-Warte aus nennt man sie, gerne auch vor laufender Kamera, ganz offiziell schlicht „Massen­mörder“.

Jedoch, sind Massenmörder nicht viel eher diese Staaten? Die Schlepper bringen es bloß an den Tag.

Dieser Artikel erschien zuerst in der „Basler Zeitung“.


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