13. Mai 2015

Augstein und die Briten Perfides Albion

Was der europäischen Einigung im Wege steht

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Bildquelle: shutterstock Wie sich Jakob die Briten vorstellt: Schlafwandler

Jakob Augstein ist im Zweifel links. Das muss stimmen. Er sagt es ja selbst.

Als Vor- und Nachdenker mit ständigem Sitz im Hamburger Sturmgeschütz feuert er regelmäßig Böller auf den Menschheitsfeind USA. Kernkraft findet er prinzipiell gut, jedenfalls dann, wenn sie schleunigst zur iranischen Atombombe führt. Jetzt kommt ein mindestens 100 Jahre alter linker Evergreen dazu: das perfide Albion.

In seiner neuesten „Spiegel“-Kolumne – vor der britischen Wahl getippt, nach der Wahl erschienen – hält er den Briten ihre Sünden vor: „Es sind immer wieder die Interessen der Finanzwelt – das unabhängige Pfund, die bevorzugte Verbindung mit New York, der Glaube an die Märkte –, die einer europäischen Integration im Wege stehen.“

Aus der EU könnten die Krämer deshalb ruhig verschwinden: „Die Briten haben bisher nicht wirklich dazugehört.“ Sie seien außerdem Träumer, Schlafwandler, wofür Augstein, der Völlige Beobachter aus Deutschland, ein unabweisbares Indiz besitzt: „Die Kandidaten der beiden großen Parteien weigerten sich bis zuletzt, das Offensichtliche zu akzeptieren: Eine absolute Mehrheit war weder für David Cameron noch für Ed Miliband erreichbar.“

Die Tatsache, dass die Briten sich bei der Wahl hartnäckig, träumerisch oder wahlweise krämerseelig weigerten, sich zu beugen, wenn Deutschlands berühmtester Linker analysiert, die Perfidie also, Cameron doch mit einer absoluten Mehrheit auszustatten, wird Augstein ihnen die nächsten 100 Jahre nicht vergessen.

Im Ersten Weltkrieg stempelte man in Deutschland Briefe mit „Gott strafe England“. Irgendeines der historischen Stempelsets wird sich für den linken Sturmschützen doch noch auftreiben lassen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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