09. Juni 2015

The Forecaster Gegen die Systembegünstigten

Ein Orakel als Staatsfeind

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Bildquelle: shutterstock PI-Code: Armstrong sagte den Crash von 1987 voraus

In nur ganz wenigen Kinos wird er derzeit gezeigt … der Film, der anmuten lässt, dass der bekannte US-Wirtschaftsprognostiker Martin Armstrong, der zwölf Jahre ohne rechtskräftiges Urteil im Gefängnis verbracht hat (davon sieben in Beugehaft), für die Finanzbranche die gleiche Bedeutung hat wie Ignaz Semmelweis für die Geburtshilfe: Beide haben einen gravierenden Systemfehler erkannt, der zu tödlich verlaufenden Infektionen führt.

Der eine von ihnen wurde hoch geehrt, der andere vernichtet.

Armstrongs Firma Princeton Economics genoss großes Ansehen. Viele Jahre lang wurde Martin Armstrong fast wie ein Heiliger verehrt, hat er doch mit – so sagt er – dem PI-Code ein Tool entwickelt, das es möglich macht, bevorstehende Wirtschaftszusammenbrüche fast tagesgenau vorauszusagen. Bekannt wurde sein „Economic Confidence Model”, als er sogar tatsächlich auf den Tag genau den Börsencrash von 1987 vorhersagte. Diese Tatsache brachte ihm den Namen „The Forecaster – Das Orakel” ein und ließ ihn und seine ihm Nahestehenden, wenn man den Aussagen Martin Armstrongs Glauben schenkt, zu den am gefährlichsten lebenden Menschen Amerikas werden. Ein Mann, der nach seiner Freilassung während eines Seminars in Berlin 2012 verkündete: „Der Euro wird abstürzen. Tut mir leid. Der Franken wird entkoppelt, und Sie werden es nicht verhindern können.”

Bis zu diesem Punkt könnte man den Film als mäßig schlechte Propagandamasche gegen das Bankenkartell abtun, wenn da nicht ein entscheidender Unterschied auszumachen wäre. Denn anders als die üblichen Banken-Bashing-Filmchen lässt Mr. Armstrong noch einen ganzen anderen Mitspieler im gigantischen Manipulations-Monster-Spiel unglaublich alt aussehen … einen Mitspieler, der inzwischen die ganze Welt umspannt und von dem der Großteil der Menschen sicher zu wissen glaubt, dass er gut für uns ist.

Dieser Mitspieler heißt Sozialismus.

Martin Armstrong lässt – und das ist das eigentlich Erstaunliche an dem Film – keinen Zweifel daran erkennen, dass es der zusammenbrechende Sozialismus ist, der uns in den Abgrund führt. Dass es Regierungen sind, die alles dafür tun werden, diesen unfassbar gewaltigen Betrug am Bürger bis zum letzten bitteren Ende durchzuziehen. Er macht überaus deutlich, dass die Banken zwar „das System kontrollieren”, dies aber nur deshalb möglich ist, weil die Regierungen genau dies so wollen. Das monströse Schuldensystem kollabiert, keine Frage. Aber er stellt klar, dass dies keine Folge des Kapitalismus ist, sondern eine Folge des Sozialismus, in dem der Staat zu einer Bestie werden wird, die auf niemanden Rücksicht nimmt, um sich selbst an der Macht zu halten – solange es irgendwie möglich ist.

Bereits 1997 wies Martin Armstrong das US-Finanzministerium auf die verheerenden Konsequenzen seiner Politik hin. Er warnte, dass das ganze Schuldensystem spätestens dann kollabiert, wenn mehr Menschen bezahlt werden müssen als besteuert werden.

Und er warnte, dass dann nur noch ein Krieg zum Entlastungsschlag für die Schuldenakrobaten taugt.

Martin Armstrongs Firma wurde zerschlagen, nachdem er sich geweigert hatte, bei diversen Geheimdienstoperationen „mitzuwirken”, er selbst wurde mit dem Vorwurf des gigantischen Anlegerbetrugs ins Gefängnis gesteckt, wo er sieben Jahre in Beugehaft verbrachte und dann – nachdem man ihm angedroht hatte, für 135 (!) Jahre eingebunkert zu bleiben – ein Schriftstück unterschrieb, wonach er sich schuldig bekannte … und somit nach weiteren fünf Jahren entlassen wurde. In der Zwischenzeit wurden seine Mitarbeiter zu einem großen Teil in den Ruin getrieben. Im Film beschreibt er das Gefühl, nach sieben Jahren das erste Mal wieder Regen auf seiner Haut gespürt zu haben, so eindringlich, dass es einem förmlich den Atem stocken lässt.

Heute ist Armstrong wieder aktiv; er schreibt regelmäßig Essays und gibt Seminare, für 2014 prophezeite er extreme Feindseligkeiten von der Art, wie sie zu den beiden Weltkriegen geführt haben, Regierungsschulden und separatistische Tendenzen. Für 2016 sagt er voraus: „Die Bürger wenden sich gegen die Flüchtlinge, die versuchen, reinzukommen.” Für den Oktober diesen Jahres sagt er einen riesigen Crash voraus, der allerdings nichts mit dem Aktienmarkt zu tun haben wird, sondern ein „Crash beim Staat” sein wird … und uns daher alle betreffen wird.

Laut eigener Aussage hat Armstrong  Jahrhunderte zurückverfolgt, um das Prinzip zu verstehen. Nun möchte ich ihm als bekennende „Austrian” entgegenhalten, dass er all dies einfach nur bei Ludwig von Mises & Co hätte nachlesen können.

Nein, Martin Armstrong ist kein „Anhänger” der „Österreichischen Schule der Nationalökonomie”, dies sei ihm schmunzelnd verziehen. Aber er ist ganz offensichtlich jemand, der bereit ist, hinter die Kulissen zu blicken und nicht nur dem simplen Banken-Bashing Glauben zu schenken, sondern die ganzen üblen Machenschaften öffentlich zu machen. Denn wenn nur ein Teil dessen, was er uns im Film über sein Leben erzählt, so stimmen sollte, dann wird nur allzu deutlich, zu was Regierungen und deren Abgesandte – wie Richter und Staatsanwälte – alles fähig sind, wenn es ihnen als Systembegünstigte an den Kragen geht.

Und dann muss man sich zwangsläufig die dringliche Frage stellen, ob wir in der westlichen Welt überhaupt noch im Entferntesten von Rechtsstaatlichkeit reden dürfen. Denn was Martin Armstrong passiert ist, kann dann jedem von uns passieren. Dafür wird es dann nicht einmal mehr um Geld gehen müssen. Irgendwann geht es nur noch darum, diejenigen zu bestrafen, die sich gegen die Machenschaften der Regierungen wehren.

Ab November 2015 ist „The Forecaster” auf DVD erhältlich und derzeit vorbestellbar.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freiraum.


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