10. Juni 2015

Kipping in Bielefeld Sozialismus ist Tod

Enteignung als Normalzustand

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Bildquelle: shutterstock Umverteiler: Wer hat Angst vorm roten Mann?

Katja Kipping hat eine Rede gehalten – auf dem Bundesparteitag der Linken in Bielefeld. Es ist natürlich bitter, dass meine Geburtsstadt ein solches Elend erleiden muss – und trotzdem musste ich schmunzeln, als ich die Rede dieser Frau im Wortlaut beim Sonntagsfrühstück „genießen“ durfte.

Ich musste schmunzeln, weil ich mir vorgestellt habe, wie Roland Baader wohl auf ihre Worte reagiert hätte.

Ich musste schmunzeln, weil ich immer, wenn ich der Quacksalberei der angeblichen Menschenfreunde lausche, an Roland Baader denken muss. Und dann geht es mir ein Stückchen besser. Und so lässt sich der Irrsinn ein wenig besser aushalten, den die Herrschaften der Nachfolgeorganisation der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) ohne Rücksicht auf den gesunden Menschenverstand ihrer „Genossen und Genossinnen, Freundinnen und Freunde, und der lieben Gäste“ von sich geben (wobei beim Schreiben dieser Zeilen auffällt, dass der Begrüßungsschwank nicht auch den Gästinnen gewidmet ist … was sicherlich ein Versehen war und wohl zur nächsten Rede korrigiert wird).

Nun, wie dem auch sei … wäre ich nicht schon so sehr an den alltäglichen Wahnsinn in unserem sozialistischen Land gewöhnt, mir wäre das Brötchen wohl im Halse steckengeblieben. So musste ich den Leckerbissen einfach eben „nur“ runterwürgen, als ich davon las, dass „wenn die Menschen von der Zukunft nichts erwarten, dies Lähmung und Abkehr von der Demokratie bedeutet und dies für die obersten Zehntausend kein Problem sei – dass diese dies sogar nutzen, um ihre Position zu sichern“.

Ich wusste gar nicht, dass Frau Kipping so blitzgescheit ist, gehört sie doch genau zu dieser Personengruppe, von der sie spricht.

Auch wenn sie dies natürlich ganz anders gemeint hat. Denn sie spricht selbstverständlich nur von der Personengruppe, die in finanzieller Hinsicht zu den „oberen Zehntausend“ gehört. Und die sind ihrer Meinung nach dafür verantwortlich, dass hier alles den Bach runtergeht.

Selbst wenn diese Menschen für ihren Reichtum gearbeitet haben, selbst wenn sie das Risiko des Scheiterns getragen haben, selbst wenn diese Menschen aufgrund von Kreativität, Ideenreichtum und Durchhaltevermögen „dort oben gelandet“ sind. Spielt alles keine Rolle – die sind schuld! Ganz klar! Auf keinen Fall die Kaste der Politiker, die in diesem Land – wieder einmal – den Karren in den Dreck fährt. Auf keinen Fall die Politiker, die ausschließlich auf Kosten der anderen leben und nichts anderes können, als das Vermögen der Menschen nach ihrem Gutdünken zu verbraten.

Frau Kipping greift sodann auch auf das ganze üble Repertoire der sozialistischen Heilsbringer zurück, wenn sie davon lamentiert, dass angeblich „die neuen Rechten das Treten nach unten als Volkssport etablieren wollen“, dass die Linken „Schluss machen wollen mit dem Raubbau an den Menschen und der Natur“, weil sie „ein gutes Leben für alle auf dem Planeten wollen!“

Aus dem Mund dieser Frau Kipping kommen dann sogar solche Worte wie: „Ein erster Schritt zur Aneignung der Zukunft besteht darin, dass wir wieder offensiv über eine sozialistische Gesellschaft sprechen.“ … Bemerken Sie die Art der Sprache? „Aneignen“? Interessant, aber für Sozialisten etwas vollkommen Normales – da wird mit größtem Vergnügen „angeeignet“!

Und bemerken Sie auch, dass sie sagt, dass wir „endlich“ wieder offensiv über eine sozialistische Gesellschaft sprechen sollten?

Ich finde auch, dass wir das tun sollten. Warum nicht über das sprechen, womit wir jeden Tag leben?

Wobei, Frau Kipping ist da ganz anderer Meinung. Sie ist „es leid, über den Sozialismus nur in der Vergangenheit zu sprechen“. Das ist auch ganz doof, wenn man so drauf ist wie sie. Denn dann sind wir von den vergangenen Idealen der sozialistisch/kommunistischen Lebensweise noch viel zu weit weg. Noch gehört in diesem Land dem ein oder anderen noch viel zu viel.

Da muss die Linke noch ran, aber sie ist mit ihrem Raubzug am Eigentum der Menschen auf einem guten Weg. Da wird mal wieder der nicht existierende Kapitalismus dafür verantwortlich gemacht, dass wir immer weiter in die Krise schlittern, da muss die nicht existierende „Klimakatastrophe“ herhalten, um die Menschen immer mehr verarmen zu lassen, und da gibt es im Kopf von Frau Kipping sogar so etwas wie den „Staatssozialismus der 70er Jahre der BRD“, der nicht „einfach so rüberkopiert werden kann“.

Nein, es braucht einen neuen Sozialismus. Natürlich mal wieder so einen, der endlich mal funktioniert. Den 5.698sten sozusagen. Den Sozialismus 2.0! „Denn: Der Sozialismus, den wir meinen, muss demokratisch, feministisch, ökologisch und lustvoll sein.“

Ja, genau! Lustvoll! Lustvoll soll es diesmal in die Armut gehen. Das kennen wir so noch nicht. Bisher wurde uns die Armut zugunsten der Eliten immer mit Solidarität und Gleichheit verkauft. Das hat sich ganz offensichtlich abgenutzt. Jetzt muss das Ganze auch noch lustvoll passieren. Lustvoll sollen sie sein, die „sozialen Garantien des Lebens für alle“, der „sanktionsfreie Schutz vor Armut“, die „sichere Freiheit vor Existenzangst für jeden und jede“.

Im Kern ist dies die gleiche Untergangsmusik, die alle sozialistischen Herrscher jeglicher menschenverachtender Couleur – von Hitler über Stalin und Pol Pot hin zu Mao, Guevara und wie sie alle sonst noch so heißen – geträllert haben. Die Noten waren unterschiedlich, aber der Schlussakt war immer der gleiche.

Der Freiheitsdenker Roland Baader war einer der ganz wenigen, die sich nie von diesem Mumpitz haben einlullen lassen, und er hat nicht nur mein Herz tief berührt, sondern auch meinen Verstand auf Vordermann gebracht und mir die Erklärungen geliefert, auf die ich lange vergeblich gewartet hatte. Mein unter oberflächlichen Begrifflichkeiten verschüttetes und viel zu häufig verratenes und dem Mainstream angepasstes „Freiheits“-Gefühl wurde durch Roland Baader zu tatsächlichem Leben erweckt. Mit ihm tauchten sie alle auf – die liberalen Denker und die libertären Streiter. Die Gesichter, die ich vorher nicht gekannt hatte und die nun wie selbstverständlich in mein Blickfeld traten und endlich dem sozialistischen Gemurkse in all seinen gruseligen Ausprägungen die abgrundtief hässliche Fratze verpassten, die es verdient. Die und keine andere!

Roland Baaders „Kreide für den Wolf“ erschien 1991, nur wenige Jahre nachdem der Sozialismus in der früheren deutschen demokratischen! Republik wieder einmal kläglich gescheitert war.

Dieses Buch ist ein Must read für alle, die immer noch glauben, dass wir diesmal im Sozialismus glücklich werden.

Er nimmt kein Blatt vor den Mund und geht sie alle durch – die Halbwahrheiten, die fatalen Beschwichtigungen und die faustdicken, dreisten Lügen. Erst vor einiger Zeit las ich, dass der Vorzeige-Sozialfanatiker Sigmar Gabriel sich gleich drei Gehälter gönnt und die nicht minder „sozial“ gerechte Katja Kipping Wesenszüge an den Tag legt, die man bisher nur Investmentbankern unterstellte. Ja, so sind sie – stellvertretend – die Vorzeige-sozial-Gerechten, denen Roland Baader ein besonders mieses Zeugnis ausstellte. Dies tat er, weil diese Herrschaften Wasser predigen und Wein trinken und er tat es aus Fassungslosigkeit, aus der unglaublichen Feststellung heraus, dass der Sozialismus in all seinen abscheulichen Facetten immer noch – und zunehmend jeden Tag besser – lebt, obwohl seine Vertreter uns – ganz offen sogar – vor Augen führen, wie sehr er nur den Negativ-Eliten dient.

Kaum ein anderer Autor unserer Zeit hat so eindeutig und klar bewiesen: „Sozialismus ist Tod!”

Schon in seinem Vorwort kommt Roland Baader auch sodann gleich auf den Punkt – er hat in Anbetracht all der Aufräumarbeiten in den Köpfen der Menschen keine Zeit zu verlieren und stellt fest, dass die so oft als unmenschlich kalt dargestellte Ellenbogengesellschaft gar nicht existiert und selbst wenn sie es täte, es doch wohl immer noch besser sei, mit Ellenbogen durch das Leben zu schreiten, als auf Knien zu rutschen.

Er bemerkt, dass es Zeit wird, erwachsen zu werden, und dass es inmitten aller sozialistischen Revolutionen den Mächtigen gerecht erschien, dass „das Volk in der sozialistischen Scheiße buchstäblich verreckt ist“! Denjenigen, die sich die Frage stellen, wie es sein kann, dass der Sozialismus trotz all seiner menschenverachtenden Mechanismen nicht tot zu kriegen ist, werden hier unzählige Gründe genannt. Diejenigen, die behaupten, der Sozialismus sei nur noch nicht richtig umgesetzt worden, sollten sich die Frage stellen: Wie denn noch außer in den geschätzten drei Dutzenden Schattierungen und in unzähligen Menschenversuchen in der Vergangenheit?

„Kreide für den Wolf“ muss grundsätzlich jeder lesen. Leider werden es wahrscheinlich nur die tun, die eh schon auf einem guten Weg der Erkenntnis sind. Die anderen werden es ignorieren oder verleugnen – dieses Mittel wurde immer benutzt, um sich unter keinen Umständen mit dem Beton im Kopf auseinanderzusetzen. Sie werden nach wie vor behaupten, dass der Sozialismus ein probates Mittel zum Wohlsein der Menschheit sei.

Dies kann aus zweierlei Gründen geschehen: Entweder, sie sind unmittelbare Profiteure dieses Systems (immerhin sind schon über 50 Prozent der Bevölkerung von Staatsleistungen abhängig), oder aber sie wollen an die Macht.

Denn nirgendwo lässt sich Macht besser ausüben als in einem Volk, das unfähig sein will, auf eigenen Beinen zu stehen. Nirgendwo lässt sich Macht besser ausüben als da, wo Menschen mit ihrem eigenen Geld gegängelt, kontrolliert und bevormundet werden und dies auch noch richtig klasse finden. Nirgendwo lässt sich Macht besser ausüben als in einer Gesellschaft, die Leistung für etwas Unmoralisches hält und Leistungsträger für ihren Fleiß und ihre Mühen bestrafen will, weil sie selbst zu kaum noch etwas fähig und/oder willig ist. Nirgendwo lässt sich Macht besser ausüben als in einer Gesellschaft, wo Menschen sich zu ihrer Mittelmäßigkeit nicht bekennen müssen, sondern jeden als Egoisten denunzieren dürfen, der sein Leben besser in den Griff bekommt und sich weder moralisch noch finanziell zur erpresserischen Abgabe seines Ertrages zwingen lassen will, in einer Gesellschaft, die sich lieber im Selbstmitleid suhlt und die Schuld ständig bei anderen (bevorzugt den Reichen) sucht, als die Ärmel hochzukrempeln und den selbsterschaffenen Gefängniswärtern gepflegt in den Allerwertesten zu treten.

Und zum Schluss ein paar weise Worte Roland Baaders zu Katja Kippings Aufforderung: „Hin zu einer sozialistischen Gesellschaft!“

„Betrachten wir Deutschland doch einmal mit ‚kapitalistischen Augen‘. Wir erkennen ein Land mit einem staatlichen (das heißt sozialistischen) Rentensystem, einem staatlichen Gesundheitswesen, einem staatlichen Bildungswesen, mit staatlich und gewerkschaftlich gefesselten Arbeitsmärkten, einem konfiskatorischen Steuersystem, einer Staatsquote von über 50 Prozent, mit einem erheblich regulierten Wohnungsmarkt, einem massiv subventionierten und regulierten Agrarsektor und einer in ein kompliziertes Geflecht zwischen Markt und Staat eingebundenen Energiewirtschaft, mit mindestens hunderttausend Betrieben in ‚kommunalem Eigentum‘ (das heißt Staatseigentum) und einem staatlichen Papiergeldmonopol, ja sogar mit einem Staatsfernsehen samt Zwangsgebühren. Wir erkennen ein Land, in dem fast 40 Prozent der Bevölkerung ganz oder überwiegend von Staatsleistungen lebt und in welchem das gesamte Leben der Bürger von staatlichen Regelungen überwuchert ist.

Wer diesen 80-Prozent-Sozialismus als Kapitalismus bezeichnet, muss mit ideologischer Blindheit geschlagen sein. Und wer gar von Turbo- oder Raubtierkapitalismus redet, den muss der Verstand ganz verlassen haben (oder die panische Angst vor dem Machtverlust zu verbalen Veitstänzen getrieben haben).”

„Liebe“ Frau Kipping, ich hätte da auch eine Aufforderung: „Hin zu einer Gesellschaft ohne schmarotzende Politiker!“ Das sollte in der von Ihnen so hochgepriesenen Demokratie doch möglich sein!

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freiraum.


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