11. Juni 2015

Die sieben Todsünden Von Rekordschulden bis Raub

Olle Kamellen und ihre neuen Gesellen

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Bildquelle: shutterstock Zur Freude der Profiteure: Den Todsünden wird kein Härchen gekrümmt

Es sind sieben Charaktereigenschaften für die man, laut der katholischen Kirche, für alle Zeiten in der Hölle schmort. Nun gut, es gibt eine ganze Menge Interpretationsspielraum – muss es geben –, sonst existierte kein Leben auch nur einen winzigen Millimeter oberhalb „der Hölle“.

Es gibt Menschen, die erfüllen die ein oder andere „Sünde“ sogar mit größtem Vergnügen, wieder andere versuchen auch nur den kleinsten Anschein dieses Lasters um jeden Preis zu verbergen.

Dann sind da die beliebten Sünden, die man sich gesellschaftlich leisten kann oder ohne die man selbst die ersten Jahre in der Schule nicht unbeschadet überstehen würde. Andere wiederum sind überaus peinlich, wenn man bei ihrer Entdeckung erwischt wird, und man streitet jede auch nur ansatzweise mögliche Tendenz in deren Richtung vehement ab.

So zum Beispiel Superbia – der Hochmut, auch bekannt unter den Begriffen „Eitelkeit“ und „Übermut“. Dann hätten wir da Avaritia, der Geiz, gern auch begrifflich mit der Habgier in Einklang gebracht. Luxuria ist eine weitere Todsünde – Ausschweifung, Genusssucht und Begehren ist aber etwas, das wohl eher unter die leichteren Verwerfungen fällt.

Bei Ira, also dem Zorn oder auch der Wut, manche übersetzen es auch mit „Rachsucht“, scheiden sich dann die Geister. Wem der dauerhafte Aufenthalt in der Hölle gedroht hätte, der jemals zornig oder wütend gewesen ist, oje! Die Räumlichkeiten tief da unten wären heillos überfüllt.

Bei Gula, der Völlerei oder auch Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht fällt die allgemeine Meinung schon deutlich unangenehmer aus. Besonders die Selbstsucht ist in unseren Zeiten gar nicht mehr hip, zumindest darf man das unter gar keinen Umständen zugeben, geschweige denn ausleben.

Ja, und dann hätten wir Invidia – der Neid, die Eifersucht, die Missgunst. Das geht heutzutage gar nicht mehr. Heute ist nicht mehr der Neid die Todsünde, sondern es ist eine Todsünde, wenn man etwas hat, worauf andere neidisch sein können.

Im übrigen – neidisch zu sein braucht man auch demnächst nicht mehr … wenn unsere Regierungen noch ein wenig so weitermachen wie bisher, dann haben wir außer ein paar übriggebliebenen Superreichen keinen mehr, auf den wir neidisch sein könnten. Nun gut, der eine Mensch ist schöner als der andere Mensch – das Problem muss man noch lösen, und man wird auch nicht darum herumkommen, dass der eine intelligenter ist als der andere – aber daran arbeitet man auch. Bei unserem Bildungssystem ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir alle gleich verblödet sind.

Bei der letzten Todsünde Acedia, der Faulheit, der Feigheit, der Ignoranz oder auch der Trägheit des Herzens, sind wir bei einer Todsünde angelangt, die definitiv keine mehr ist, sondern inzwischen ein untrügliches Zeichen einer angenehmen Gesellschaft.

Ohne die Feigheit und die Ignoranz könnten wir in diesen Zeiten wohl keinen einzigen Tag einigermaßen unbeschadet überstehen, ohne den Verstand zu verlieren.

Neben diesen Todsünden, die längst olle Kamellen sind und an die sich eh keiner hält, haben sich glücklicherweise neue hinzugesellt, die sich im Gegensatz zu den bekannten dahingehend unterscheiden, dass sie durch Unterlassen statt durch aktives Tun realisiert werden.

Es sind Todsünden, die definitiv und unverhandelbar auf den direkten Weg in die Hölle führen, es sind solche, die absolut unentschuldbar sind – nicht etwa, weil menschliche Schwächen sie kennzeichnen, sondern unfassbare Dummheit und Idiotie. Es sind die Todsünden, derer wir uns mit offenen Augen und vollem Bewusstsein in stoischer Ruhe und nahezu stillschweigend schuldig machen.

Allem gegenüber sind wir desensibilisiert worden, unser Unrechtsbewusstsein scheint nur noch in Empörung umzuschlagen, wenn es darum geht, den Bankiers in ihrer unerhörten Gierigkeit kräftig eins auf die Nase zu geben.

Den modernen sieben Todsünden wie der seit Jahrzehnten ausgeübten Geldpolitik, den Rekordschulden, dem unfassbaren Vermögensungleichgewicht (genau wegen des asozialen Falschgeldsystems) zwischen den gewaltausübenden und den gewaltempfangenden Menschen, der staatlichen Überwachung, dem Raub am Vermögen der Bürger, dem Betrug an rechtschaffenen Menschen und der permanenten Lügen der Regierungen – zum Nachteil der sie fütternden Hände – scheint niemand auch nur ein Härchen krümmen zu wollen.

Es ist inzwischen anscheinend normal, dass nicht nur Polen die Pensionsfonds verstaatlicht hat, es ist egal, dass die Regierungen weltweit auf dem besten Weg sind, die noch so winzigen Vermögen der Bürger derartig gnadenlos zu versteuern, dass nichts mehr für diese übrig bleiben wird. Es ist egal, dass die Zentralbanken ihre Bilanzen aufblähen wie exorbitante Luftballons, es ist auch völlig egal, dass wir ausspioniert und beständig unter Verdacht gestellt werden, etwas „falsch“ gemacht und es verdient zu haben, „bestraft” zu werden.

Wir leben in Zeiten, wo ein „Experte“ wie Paul Krugman für Vorträge Unsummen kassiert, indem er predigt, dass noch viel mehr Geld gedruckt werden muss. Wir denken darüber nach, einen Bundespräsidenten für eine nächste Amtszeit auch nur in Erwägung zu ziehen, der dem Kriegführen überaus wohlwollend gegenübersteht und dessen liebste Beschäftigung die Anlage der deutschen Bevölkerung für das Dauer-Unrecht ihrer Vorfahren ist.

Wir scheinen davon überzeugt zu sein, dass es ewig so weitergehen wird, dass keine Naturgesetze mehr gelten, dass wir gegen alles verstoßen dürfen, was jahrhundertelang Recht und – nicht oder – Gesetz war und trotzdem ungeschoren davonkommen.

Es sind gemeine sieben Todsünden, die wir als Tugenden nicht nur akzeptieren, sondern sogar für richtig halten… sehr zur Freude derjenigen, die davon ungeheuer profitieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freiraum.


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