30. Juni 2015

Petition gegen Bundesjugendspiele Ein Instrument gegen Zwang

Wer soll den Wettbewerbsgedanken vermitteln?

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Bildquelle: shutterstock Wert des Wettkampfs: Nicht alle wollen ihn vermitteln

Eigentlich bin ich bei uns zu Hause der libertäre Querkopf – kommen in einem Argumentationszusammenhang die Worte „Staat“, „Regierung“ oder „Politik“ vor, bekomme ich zwischenzeitlich schmale Augen. Das speist sich aus der Erkenntnis, dass die meisten unserer gesellschaftlichen Probleme von „der Politik“ entweder gemacht werden oder zumindest durch sie befeuert werden. Ausgerechnet auf Lösungen durch den Staat zu hoffen macht den sprichwörtlichen Bock zum Gärtner.

Umso interessanter, dass ich diesen Aspekt bei meinem Beitrag zu den Bundesjugendspielen und der Petition der Mutter, Journalistin und Kommunalpolitikerin Christine Finke dagegen einfach ausgeklammert habe. Zu meiner Entschuldigung darf ich vorbringen, dass mein Ansatz auch ein ganz anderer war, ich die mangelnde Bindung und Zuwendung von Eltern zu ihren Kindern thematisieren wollte, die dazu führt, dass diesen heute oft das Instrumentarium zum Umgang mit Niederlagen fehlt. Woher sollen sie denn lernen, wie man mit den kleineren und größeren Demütigungen, die das Leben ab und zu bereithält, umgeht, wenn nicht von den Eltern? Schulen und Lehrer sind damit überfordert, und so ist es zwar nachvollziehbar, dass Eltern ihre Kinder schützen wollen, eben weil sie keine Zeit haben, sie „aufzufangen“ … gut tut das den Kindern und Jugendlichen aber letztlich nicht.

Mangelnde Zeit und Zuwendung der Eltern zu ihren Kindern, das war also der Kern meines Beitrags … und der hinter all dem stehende Skandal ist dabei aus dem Blick geraten, auf den mich erst meine Frau gebracht hat. Denn eines sind Bundesjugendspiele ganz sicher nicht, das macht die Initiative der Gegner deutlich: freiwillig! Im Rahmen der Schulpflicht haben Kinder und Eltern nicht ohne weiteres die Möglichkeit, ihre Kinder von diesen Veranstaltungen zu befreien. Als Vater oder Mutter kann ich meinem Kind eine „Entschuldigung“ schreiben, wäre damit aber gezwungen, zu lügen – das wird wohl nicht die Lösung sein können.

Man kann – wie ich das getan habe – also durchaus kritisieren, wenn eine Mutter ihr Kind vor allen möglichen Herausforderungen schützen will, wenn Eltern ihre Kinder mit aller Kraft vor Wettbewerbssituationen bewahren möchten … aber am Ende steht die Frage: Wer entscheidet, welche Art von künstlich herbeigeführtem Wettbewerb richtig und zielführend ist und welche nicht? Und jetzt müsste man bei Bundesjugendspielen ganz vorsichtig flüstern … „der Staat“? Der muss das dann in der Tat sehr pauschal tun … da bleibt kein Raum für Abwägungen je nach seelischer Stabilität und körperlicher Konstitution der betroffenen Kinder.

Die gestartete Petition ist also letztlich nur deshalb notwendig, weil es ein staatliches Zwangssystem namens Schulpflicht gibt, das nicht nur Bildung für alle sicherzustellen versucht, sondern auch noch gleiche Bildung für alle, inklusive gleicher Wertevermittlung. Ein altes Thema: Wenn ich als Elternpaar Bauchschmerzen habe hinsichtlich fächerübergreifender Gender-Indoktrination? Keine Chance, der Gesetzgeber macht keine Ausnahmen! Und nur weil mir als Vater die Idee von Bundesjugendspielen auch als nicht sonderlich sportlicher Mensch nicht so fernliegt, heißt das nicht, dass es eine gute Idee ist, den Staat so etwas organisieren und die Kinder dazu verpflichten zu lassen.

Wenn ich als Vertreter meines Kindes nicht möchte, dass es an solchen Veranstaltungen teilnimmt, dann will ich nicht auf den „guten Willen“ eines Schulleiters oder der Politik angewiesen sein. Dann möchte ich das – gemeinsam mit meinem Kind – entscheiden können, dabei auch die Vorteile eines solchen Wettbewerbs im Auge behalten. Ich würde Wert darauf legen, dass mein Kind an solchen Wettkämpfen teilnimmt – besonders aber möchte ich nicht, dass mir der Staat diese Entscheidung abnimmt!

Danke an meine Frau an dieser Stelle, dass sie meinen liberalen Sinn mal wieder ein bisschen geschärft hat!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


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