08. Juli 2015

Staat und Privates Schafft die Ehe ab!

Der Staat will sich nicht heraushalten

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Bildquelle: shutterstock Ehe: Relikt alter Zeiten?

Die Ehe braucht kein Mensch! Und die Ehe ist das vielleicht am meisten unterschätzte Sakrament! Diese beiden widersprüchlichen Eingangssätze machen schon deutlich, wie schwierig die Nomenklatur geworden ist. Irgendwo habe ich mal den Satz gelesen, den ich immer wieder bestätigt finde: Das Chaos beginnt mit der Verwirrung der Begriffe! Dieser Zustand ist bei der Ehe sicher zwischenzeitlich erreicht. Katholiken sehen die Ehe als unauflösbares Sakrament Gottes, mit dem ein Ehepaar für ein gemeinsames christliches Leben in Liebe mit den notwendigen Gnaden ausgestattet wird (ein bisschen technisch formuliert, sollte aber passen). Die Welt sieht sie als langfristige Beziehung in gegenseitiger Verantwortung – bislang noch meist zwischen Mann und Frau – mit Ausstiegsklausel. Der Staat sieht darin einen Verwaltungsakt, dessen Regelung notwendig ist, um festzustellen, ob eine Beziehung möglicherweise gesellschaftlich förderungswürdig ist. Dieser Fördercharakter ist es auch, der die Begriffsabgrenzungen für wieder andere interessant zu machen scheint, die mit der klassischen Definition von Ehe, zumindest mit der katholischen, eher wenig anfangen können.

Dieses ganze Konglomerat wird man beachten müssen, wenn man über die Ehe, die Entwicklung des Ehebegriffs, dessen Ausweitung und gesellschaftliche Bedeutung diskutiert. Dazu gehört auch noch, dass die Ehe auch als geeigneter Rahmen für Kinder gilt – die katholische Ehe ist auf die Kinder ausgerichtet, die staatliche Förderung sieht ebenfalls Kinder vor, der Langfristcharakter einer weltlichen Definition bietet Halt für die Entwicklung von Kindern … und letztlich ist eine Ausweitung des Ehebegriffs immer auch mit der Frage des Adoptionsrechts, des „Rechts auf ein Kind“ verbunden, auch wenn man letzteren Begriff in der Form selten in Verwendung sieht. An dem Begriff der Ehe zu rühren wäre also schon aus dieser Sicht ein heikles Unterfangen, das aber noch aussichtsloser wird, wenn man die persönlichen Befindlichkeiten mit berücksichtigt: Auf die Frage eines homosexuellen Paares, wieso seine Beziehung keine Ehe sein kann, kann man entweder aus einer Religionssicht oder einer Definitionssicht antworten. Zufriedenstellen wird sie die Antwort aber erst, wenn ihre Beziehung ebenfalls als Ehe anerkannt wird, alles andere sei doch eine Diskriminierung!

Während aber eine religiöse Definition aus sich heraus Gültigkeit hat und haben darf, auch unveränderlich sein kann, kann die weltliche Definition generell ausgeweitet werden, wie es der Gesetzgeber oder der gesellschaftliche Konsens zulässt. Zwei Männer, zwei Frauen, zu dritt oder noch mehr, Geschwister … am Ende steht bei der Zivilehe nicht die moralische Einschätzung im Vordergrund, sondern die Frage der Förderungswürdigkeit: Was soll staatlich – mit Subventionen oder Steuererleichterungen – gefördert werden? Die Zeugung von Kindern? Die gegenseitige Verantwortungsübernahme? Nur das Zusammenleben? Vorstellbar ist vieles, und wenn ich meine katholische Sicht auf die Ehe mal beiseitelege, gefällt mir der Gedanke gar nicht schlecht, möglichst vielen Menschen Steuererleichterungen zukommen zu lassen: Jeder Euro, den der Staat nicht in die Finger kriegt, wird im Zweifel besser angelegt sein!

Man kann die Frage aber natürlich auch anders stellen: Wenn es am Ende gar nicht die Ehe selbst ist, die gefördert werden soll, warum nicht dann direkt die Dinge steuerlich entlasten, die man fördern will? Die Erziehung eines Kindes, die Pflege eines nahestehenden Freundes, eine gemeinsame Haushaltsführung … möglich, dass man das gesellschaftlich gefördert wissen möchte, dazu ist aber eine Ehe nur ein Indiz, und in vielen Fällen nicht mal ein besonders gutes. Das hätte einerseits den Vorteil, dass man diese emotional geführte Diskriminierungsdebatte von der Backe hätte: Wer ein Kind erzieht, hat dadurch Mehraufwand und -kosten. Wer kein Kind hat – ob gewollt oder ungewollt –, hat diese Kosten nicht. Fertig – eine Förderung ist in diesem Sinne keine Diskriminierung Kinderloser! Andererseits würde sich die Masse derjenigen, die Steuererleichterungen erlangen könnten, im Zweifel vergrößern: Weniger Geld für den Staat, mehr Geld für den Einzelnen, nutzbringend in der Gesellschaft verwendet!

Der noch viel wesentlichere Vorteil wäre aber: Man braucht keine staatliche Definition der Ehe mehr! Sämtliche hierauf bezogene Regelungen lassen sich auch anders beschreiben und organisieren. Wieso sollte der Staat definieren, was eine Ehe ist, wenn er doch gar nicht diese Institution, sondern daraus abgeleitete Handlungen fördern will? Moralische Fragen hinsichtlich der Ehe würden dann wieder in den Bereich verlagert, wo sie ursprünglich mal hingehörten: in den Bereich der Religionen und der persönlichen Lebensgestaltung. Ob zwei Homosexuelle ihre Beziehung als Ehe betrachten, ob sie vielleicht auch einer Religion oder Glaubensrichtung angehören, die eine Ehe unter Homosexuellen schließen lässt … das alles darf ich dann als Katholik mit meiner persönlichen Glaubenssicht bewerten, kann mich dazu auch äußern, muss mich aber nicht ernsthaft belasten. Ob ein atheistisches Geschwisterpaar sich gegenseitig unterstützt und das als Ehe betrachtet – das kann denjenigen egal sein, die dahinter eine inzestuöse Beziehung vermuten; wichtig ist, dass sie den gesellschaftlichen Aufwand beispielsweise der Pflege im Alter mindern. Und ob „meine“ katholische Kirche die Ehe von einem Mann mit zwei Frauen ablehnt, das können diese drei dann vielleicht blöd finden und für ewiggestrig halten, es kann ihnen aber letztlich egal sein. 

Dass ein solcher Vorschlag, die Abschaffung der Zivilehe, noch nicht auf dem Tisch liegt, kann entweder daran liegen, dass ich hier etwas Wesentliches vergessen habe. Da ich das naturgemäß nicht glaube, ist aber der Grund doch eher, dass „der Staat“ gar kein Interesse hat, sich so weitgehend aus der Lebensgestaltung der Menschen herauszuhalten, er im Gegenteil die Definitionshoheit der Ehe aus grundsätzlichen Erwägungen bei sich sehen will. Das aber wiederum sollte, auch ohne die Untersuchung der genauen Motivation, jeden Katholiken und jeden freiheitsliebenden Menschen erst recht für diesen Vorschlag einnehmen!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


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