08. Juli 2015

Ponzi-Schema Welcher Generationenvertrag?

Das Rentensystem basiert auf Illusionen

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Bildquelle: Wikimedia Commons Charles Ponzi: Sieht er nicht vertrauenswürdig aus?

Mr. Carlo Pietro Giovanni Guglielmo Tebaldo Ponzi, besser bekannt als Charles Ponzi, geboren in Parma/Italien am 3. März 1882 und am 18. Januar 1949 in Rio de Janeiro von uns gegangen, gilt als einer der größten Betrüger der Menschheitsgeschichte.

Der gute Herr Ponzi ist mit einer ganz simplen Betrugsmasche unermesslich reich geworden;  ein ähnliches Schema übrigens, mit dem einige Jahrzehnte später auch ein gewisser Herr Bernie Madoff ein recht komfortables Leben führen konnte.

Viele haben dieses System, das auf der beständigen Fütterung mit ausreichend frischem Geld einer entsprechend großen Zahl von Einzahlern und einer deutlich kleineren Anzahl von gewünschten Auszahlungen beruht, inzwischen versucht zu kopieren. Manchmal hat es eine Weile geklappt, meistens nicht.

Das sind dann die Fälle, die medienwirksam als Abschreckung in allen Zeitungen erscheinen, wo die Protagonisten mit der Zurschaustellung ihrer Luxuskarossen, vorzugsweise in Anwesenheit körperlich höchst attraktiver Damen und jegliches Benehmen vermissend, in Nobelbars den Champagner strömen lassen und so alles andere als sympathisch wirken. Vor allem dann nicht mehr, wenn feststeht, dass die Penunzen in genau dieses „Luxusleben“ geflossen sind und eben nicht in hochrentable Anlagen.

Charles Ponzi flog auf, als ein Möbelhändler bei diesem Geld einforderte – und es nicht bekam. So schnell wie ein Schneeballsystem florieren kann, kann es auch zusammenbrechen und so wurde der so schmuck erscheinende Mr. Ponzi alsbald als Betrüger entlarvt und musste sodann mit den Ausstattungsmerkmalen von Bundesbehörden vorliebnehmen, in denen er die nächsten Jahre gezwungenermaßen verweilte.

Laut Wikipedia waren Ponzi 15 Millionen Dollar (rund 100 Millionen Euro bei zwei Prozent Preissteigerungsrate bis 2015) von circa 40.000 Kunden anvertraut worden, wogegen bei der Durchsuchung seiner Büros nur 1,5 Millionen (rund zehn Millionen Euro bei zwei Prozent Preissteigerungsrate bis 2015) Dollar sichergestellt werden konnten.

Oftmals wird das Ponzi-Schema mit dem Schneeballsystem, das ebenso unter Strafe gestellt wird, in gewissen Merkmalen verwechselt.

Während zum Beispiel beim Ponzi-Schema die Geldquelle üblicherweise ungewiss ist, ist im Schneeballsystem jedem Teilnehmer bekannt, dass sein Ertrag von den sonstigen in das System einzahlenden Teilnehmern herrührt. Losgelöst von diesen kleinen Betrüger-Feinheiten ändert es aber nichts an der Tatsache, dass beide Systeme auf demselben Grundsatz aufbauen – auf dem Grundsatz des Betrugs.

Seit Bismarck den Siegeszug der Sozialinterventionen einleitete, wurde das „Beste“ aus beiden Systemen, insbesondere bei der gesetzlichen Rentenversicherung, 100-prozentig perfektioniert. Ein System, das fälschlicherweise als „Versicherung“ bezeichnet wird, obwohl es so rein gar nichts mit einer solchen zu tun hat.

Unser gesetzliches Rentenbetrugssystem beruht inzwischen auf nichts weiter als auf Illusionen, die wie so vieles schon alsbald ihrer bitteren Realität zugeführt werden.

Dieser Vertrag zu Lasten Dritter, der in der Privatwirtschaft übrigens verboten ist, soll die Basis unserer Altersvorsorge sein; dieser Generationenvertrag, der nie und zu keinem Zeitpunkt von den Beteiligten freiwillig vereinbart wurde und der seit Jahrzehnten nur dazu dient, den Menschen das Geld aus der Tasche und den Verwaltern dieses Ungetüms in die Tasche zu stecken, ist ein einziger großer, perfekt inszenierter Betrug.

Es ist kaum zu glauben, dass es Millionen von Menschen in diesem Land gibt, die es für richtig halten, zwangsweise rund 20 Prozent ihres Arbeitsertrages an eine staatliche Stelle abzuliefern. Menschen, die diese Enteignung trotz der immer lauter werdenden kritischen Stimmen mit Inbrunst verteidigen. Menschen, die staatliche Stellen in Schutz nehmen, die ihnen nichts anderes geben als ein „Versprechen“ auf eine später vielleicht zu erwartende Rente lediglich aufgemalt auf ein wertloses Stück Papier.

Staatliche Stellen, die besetzt werden von absoluten Verweigerern jeglicher Erwirtschaftungsleistung wie einer Andrea Nahles oder der guten Claudia Roth.

Da wird die Privatversicherungsgesellschaft in Grund und Boden gestampft; von „unseriös“ bis „uneffektiv“ über „Betrüger“ ist so gut wie alles dabei. Dass die Politik in entscheidendem Maße dafür verantwortlich ist, dass bei privaten Altersvorsorgeprodukten nur ein Butterbrot am Ende übrig bleibt – davon kein Wort.

In einer früheren Online-Ausgabe der „Welt“ wurde von einer „Kündigung des Generationenvertrages“ geschrieben.

Es tut mir sehr leid, das zu sagen, aber – es gab nie einen Generationenvertrag.

Was es gab, waren gierige Politiker, die den Arbeitsertrag der Menschen zu deren eigener Bereicherung missbraucht haben. Und wo kann das besser gelingen als in einem System, dessen schwarzes Loch so tief ist, dass nur die fündig werden, die wissen, wo die Schätze versteckt sind?

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freiraum.


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