29. Juli 2015

Familie Kinder muss man sich auch leisten können!

Die Hand an der Wiege regiert die Welt

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Bildquelle: www.shutterstock.com Mutter-Kind-Bindung: Relikt vergangener Tage?

Die Familie ist ein Anachronismus. Jedenfalls wenn man Medien, der Mehrzahl der Journalisten und Politikern vertraut und wenn man mit „Familie“ nicht eine Übernachtungsmöglichkeit für kleine Kinder meint, sondern einen Ort, in dem sich Eltern, Kinder, vielleicht sogar Großeltern zu Hause fühlen, füreinander einstehen, ihr Leben aneinander ausrichten. Der christliche Glaube als Orientierungspunkt ist schon seit Jahren flächendeckend erledigt, und was jetzt noch an Freiheitstraum in Familien als Ladenhütern offensichtlich wird, soll geschleift werden.

Das Bundesverfassungsgericht hat zwar in der letzten Woche lediglich entschieden, dass dem Bund keine Gesetzgebungskompetenz für das Betreuungsgeld zusteht, das denjenigen Eltern in Höhe von zuletzt 150 Euro pro Monat für Kinder gezahlt wird, die zwischen dem ersten und dem dritten Lebensjahr nicht in die Kita gehen. Aber damit einher geht die beinahe flächendeckende Entscheidung der Abschaffung dieser Leistung für selbsterziehende Eltern, da in allen anderen Bundesländern, mit Ausnahme von Bayern, die Regierungskonstellationen eine solche Regelung nicht ermöglichen. Die Sozialdemokraten sind erklärte Gegner des Betreuungsgeldes, und selbst in der CDU ist das Thema umstritten. Gäbe es nicht die CSU, die das Betreuungsgeld als ihr Leib- und Magen- aber auch Prestigethema betrachtet, das Betreuungsgeld wäre nie eingeführt worden!

Nun wird bislang niemandem verboten, seine Kinder zu Hause zu erziehen, wer will sogar über das dritte Lebensjahr hinaus bis zur Einschulung. Zwar träumen SPD-Politikerinnen wie die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auch mal davon, dass man sicherstellen müsse, dass alle Kinder den Kindergarten durchlaufen, aber bislang scheut man sich selbst dort noch vor einer expliziten Freiheitsberaubung von Kindern und Eltern. Mal sehen, wie lange noch … denn die Argumentationsmuster deuten in eine ganz andere Richtung:

„Keine Mutter kann ihrem Kind das bieten, was eine Krippe bietet“, das behauptet jedenfalls Vera Reiß, Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz und – ach was?! – SPD-Politikerin. SPD-Vize Ralf Stegner behauptet, das Leitbild, Kinder selbst zu erziehen, sei von „vorgestern“. Und selbst Arbeitgeberverbände, sonst nicht eben ein Herz und eine Seele mit den Sozialdemokraten, applaudieren zu Manuela Schwesigs, Deutschlands sogenannter Familienministerin, Präferenz für 24-Stunden-Kitas, in denen man die Kinder, wenn man will, Tag und Nacht unterbringen kann. Zwar sind sich auch linke Experten noch einig, dass die Betreuungsqualität inklusive Betreuungsschlüssel in den Kitas noch bei weitem nicht ausreicht, um die Erziehung in der Familie zu ersetzen – aber da kommen die jetzt frei werdenden Mittel aus dem Topf für das Betreuungsgeld gerade recht.

Dass Arbeitgeber das so sehen, ist übrigens kein Zeichen von ungebändigter Marktwirtschaft, die hier – aus Sicht der Verteidiger der Eigenbetreuung – ihr Haupt erhebt, sondern eine Konsequenz aus Korporatismus und der staatlichen Unterstützung bestimmter Lebensstile. Unternehmen, die in einem freien Markt auf die Arbeits-, Innovations- und Schaffenskraft von Frauen nicht verzichten wollen, müssten sich ohne staatliche Einflussnahme neue Modelle überlegen: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie herzustellen – wenn dies bei einem zurückgedrängten Staat überhaupt noch notwendig sein sollte – wäre dann gemeinsame Aufgabe von Familien und Unternehmen. Wie die Situation heute aussieht, ist es Aufgabe des Staates, und insofern werden nicht nur von Unternehmern Frauen misstrauisch beäugt, deren Priorität und Loyalität bei den Kindern liegt und nicht beim Arbeitgeber. Der Staat finanziert die Vereinbarkeit von Arbeit und Beruf, da wäre die Mehrzahl der Unternehmen doch mit dem Klammerbeutel gepudert, darauf nicht einzusteigen. Mal abgesehen von gesellschaftlich stark engagierten Unternehmern kann man hier auch keine Wunder erwarten; ein „neoliberales Projekt“, wie viele meinen, ist die flächendeckende Kita-Betreuung der Kleinsten darum mitnichten.

Die Entwicklung bedeutet aber auch, dass man sich zwischenzeitlich die Eigenbetreuung von Kindern sowohl gesellschaftlich als auch finanziell erstmal leisten können muss. Gesellschaftlich deshalb, weil Politik und Medien mit Vehemenz daran arbeiten, selbsterziehende Eltern, vor allem Mütter, zu diffamieren: „Unfähig, dumm oder sogar versoffen“, das sind die Attribute, mit denen sich Mütter, die ihre Kinder selbst erziehen, konfrontiert sehen, so der Wirtschaftsjournalist Roland Tichy, bei dem man schon deshalb hinhören sollte, weil er vergleichsweise unverdächtig ist, eine besonders konservative Weltsicht zu vertreten. Waren es früher unfairerweise Frauen, die aus finanziellen Gründen ihre Kinder zügig in fremde Betreuung gegeben haben, die dann als „Rabenmütter“ bezeichnet wurden, sind es jetzt die Mütter, die mit ihren Kindern über zwei Jahren noch um zehn Uhr morgens auf einem Spielplatz anzutreffen sind, die verunglimpft werden.

Dabei ist den meisten Frauen unmittelbar klar, dass die Fremdbetreuung ihrer Kinder nur die zweitbeste Lösung ist, dass die Argumente „frühkindlicher Bildung“ in dem Alter nur potemkinsche Dörfer darstellen, und dass der intensive Kontakt und die Bindung zu ihnen als Mutter wichtiger ist als das angebliche Erlernen von Sozialkompetenz zwischen Flasche, Schlafen und Windelwechsel. Aber: „Ich beneide all jene Mütter, die den Luxus und das Glück haben, sich um ihre Kinder kümmern zu können“, so zitiert Tichy eine Mutter, die sich offenbar schweren Herzens für die Fremdbetreuung entschieden hat.

Das Ganze führt zu einem Konglomerat aus medialer Beeinflussung, politischer Selbstbestätigung sowie finanziellen Zwängen, manchmal auch nur scheinbarer Notwendigkeiten, so dass man sich selbst als Verfechter der Eigenbetreuung die Frage stellt, ob man wirklich der einzige ist, der in der richtigen Richtung unterwegs ist, und die anderen Hunderte alles die Geisterfahrer? Tichy spricht ganz offen von einer „neuen Allparteienfront der Kita-Fans und ihrer publizistischen Büchsenspanner“, von denen selbsterziehende Mütter „plötzlich als Kinderschädlinge dargestellt werden“. Da braucht man schon mehr als die finanzielle Freiheit, seine Kinder weiter bei sich zu behalten und gleich einem kleinen gallischen Dorf im römischen Imperium Widerstand zu leisten gegen das, was nicht nur dem einzelnen Kind, sondern der Gesellschaft als ganzer schadet.

Da ist es vermutlich auch gut, einen Schritt zurückzutreten und sich bewusst zu machen, dass Politiker, insbesondere linke und sozialistische, keine Motivation haben, Familien zu stärken. Es geht um Wähler, und es geht vor allem um Einfluss. Wir leben zum Glück nicht mehr im erzwungenen Sozialismus der DDR, aber wir laufen ihm gesellschaftlich hurraschreiend in die Arme. Die Hand an der Wiege, so weiß ein amerikanisches Sprichwort, ist die Hand, die die Welt regiert! Wer das vergisst, muss sich nicht wundern, wenn er morgen zusammen mit seinen Kindern in der selbst gewählten Unfreiheit aufwacht!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.

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