08. August 2015

Berichterstattung Sag das S-Wort nicht!

Grundregeln für „Qualitätsmedien“

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Bildquelle: shutterstock Nicht immer ehrlich: Deutsche Medien

Zwei „junge Männer“, meldet die Online-Ausgabe der „Hamburger Morgenpost“ vom 6. August, haben einen „44-Jährigen brutal geschlagen und getreten. Auch als das Opfer schon am Boden lag, ließen die Täter nicht von ihm ab – im Gegenteil: Mit weiteren Tritten, teilweise gezielt gegen den Kopf, fügten sie dem 44-Jährigen schwere Verletzungen zu.“

Bei der Fahndung nach den Tätern wollte die „Morgenpost“ natürlich nicht abseits stehen. Sie druckte diesen aufklärerischen Text:

„Die beiden Männer werden von der Polizei wie folgt beschrieben: Täter 1: etwa 1,70 bis 1,75 Meter groß; kurze, dunkle Haare; Oberlippenbart; bekleidet mit einer blauen Hose und einem blauen Kapuzenpullover mit großer weißer Aufschrift auf der Brust. Täter 2: etwa 1,75 bis 1,80 Meter groß; zwischen 20 und 30 Jahre alt; auffallend kräftige Figur; sehr kurze Haare; bekleidet mit einem weißen Kapuzenpullover mit blauer/schwarzer Schrift auf der Brust.“

Im Zeugenaufruf auf dem Presseportal der Polizei waren die Schläger allerdings eine klitzekleine Spur kenntlicher gemacht worden:

„Täter 1: 170-175 cm groß - vermutlich Südländer - kurze, dunkle Haare - Oberlippenbart - bekleidet mit blauer Hose und blauem Kapuzenpullover mit großer weißer Aufschrift auf der Brust.
Täter 2: 175-180 cm groß und auffallend kräftige Figur - vermutlich Südländer - 20-30 Jahre alt - sehr kurze Haare (fast Glatze) - bekleidet mit weißem Kapuzenpullover mit blauer/schwarzer Schrift auf der Brust.“

Doch muss man wirklich alles an die große Glocke hängen, was man über Kopftreter und andere Menschen mit gelegentlich etwas unkonformem Sozialverhalten weiß? Auf keinen Fall, verfügte das Institut für Sprach- und Sozialforschung der Universität Duisburg schon vor Jahren.

Das Institut hat zehn „Grundregeln“ aufgestellt, um die „Aufladung des Mediendiskurses mit Rassismus“ zu vermeiden. Diese Grundregeln, so wunderte sich sogar das ansonsten meist auf politische Korrektheit getrimmte Internetportal Telepolis, „laufen darauf hinaus, schlichtweg jeden Hinweis darauf, dass ein Täter Ausländer sein könnte, einfach wegzulassen“. Konkret heißt das, so Telepolis: „Man soll jeden ‚nicht-deutschen Namen’ verschweigen. Man soll den ‚nicht-deutschen Namen’ eines Täters nicht durch einen anderen ‚nicht-deutschen Namen’ ersetzen. Man soll jeden Hinweis auf die Nationalität und/oder die Herkunft eines Täters vermeiden. Man soll jederlei Hinweise auf die Hautfarbe und sonstige körperliche Merkmale von Tätern vermeiden. Man soll sich in der Berichterstattung auch jeden Hinweis darauf verkneifen, dass ein Täter gebrochen Deutsch spricht. Ja, man soll gar Wörter und Texte vermeiden, ‚die durch semantische Konnotationen negativ aufgeladen’ sind. Ausdrücklich nennen die Autoren den Begriff ‚Drogendealer’. Den solle man unbedingt vermeiden, weil er bereits eine ausländerfeindliche Konnotation enthalte. Dasselbe gilt für Ausdrücke wie ‚Mafia’ und gar ‚Organisierte Kriminalität’. Die soll man nicht benutzen, weil das die Ausländerfeindlichkeit fördern könnte.“

Die „Morgenpost“ gehört zu den deutschen Qualitätsmedien, die die Duisburger Leitlinien vorbildlich umsetzen. Die Lektüre des Blattes, so geht ein Hamburger Schnack, ließe sich während des Verzehrs einer Currywurst erledigen. Sehr praktisch. Da weiß man hinterher wenigstens nicht, wovon einem schlecht ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.

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