20. August 2015

Agitation gegen Lesung von Birgit Kelle Begrenztes Demokratieverständnis und unbegrenzte Dummheit

Aber erst mal ein Sieg für die Freiheit

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Bildquelle: blu-news.org Feindbild linker Gender-Ideologen: Birgit Kelle

Zwischenzeitlich könnte man sich wieder beruhigt hinlegen: Nach Protesten von Schwulen- und Lesbenvertretern, die die Absage einer Lesung von Birgit Kelle in einem Düsseldorfer Gymnasium forderten, ist offenbar entschieden, dass die Veranstaltung auf Einladung von Sylvia Pantel (MdB und Vorsitzende der Frauen-Union Düsseldorf) stattfinden kann. Leider muss man aber erstens davon ausgehen, dass die Gegner der Veranstaltung nicht eher Ruhe geben werden, bis sie die Lesung lautstark gestört haben, und zweitens, dass es heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist, dass jemandem erlaubt wird, eine solche Lesung zu halten, wenn er sich auch nur einen Millimeter außerhalb des Mainstreams bewegt.

Es wird die Leser dieses Blogs nicht überraschen, dass ich eine Vorliebe für die Positionen von Birgit Kelle, sowohl hinsichtlich der Familienpolitik als auch hinsichtlich des Themas Gender Mainstreaming, um das es bei der Lesung aus ihrem Buch „Gender-Gaga“ gehen wird, hege. Aber es soll mir hier gar nicht um die von ihr vertretenen Inhalte gehen, die immerhin auch in vielen Mainstreammedien durchaus konstruktiv-kritisch bis positiv aufgenommen werden. Wenn also von „homophoben Hetzschriften“ die Rede ist oder von Vorwürfen, Kelle sei eine „Rechtspopulistin“, dann kann man im besten Falle nur vermuten, dass die Kritiker ihre Bücher und Beiträge gar nicht gelesen haben, wenn man ehrlich ist, muss man aber wohl annehmen, dass es sich dabei um Ideologen auf dem Kriegspfad handelt, die mit Verleumdungen und Anspielungen versuchen, legitime Positionen in ein „rechtes“ Licht zu rücken und so einen Diskurs zu verunmöglichen.

Und das macht in der Tat eine Gefahr aus, die weit über den Fall „Kelle“ hinausgeht: Die Debatte wird gemieden, es wird verleumdet und agitiert, mit Unwahrheiten und umgekehrt mit Hetze „argumentiert“, um diese zu unterbinden. Argumente, die sich ganz offensichtlich nur gegen die Kritiker einer solchen Veranstaltung wenden können, sollen erst gar nicht ausgetauscht werden. Wer auf diese Art versucht, eine Bücherlesung zu verhindern, ist an freiheitlichen Grundsätzen, ist an freier Meinungsäußerung gar nicht interessiert, sondern agiert aus einem autoritären Weltbild heraus. Jemandem das Lesen aus einem Buch verbieten zu wollen, kann man doch nicht anders als eine Vorstufe zur Bücherverbrennung interpretieren … und ich bin immer wieder erstaunt, mit wie wenig Kritik sich die Protagonisten solcher Aktionen auseinanderzusetzen haben.

Danken muss man in dem Zusammenhang Frau Pantel, die die Anwürfe mit deutlichen Worten pariert hat. Die „Rheinische Post“ zitiert ihre Antwort an die Schulverwaltung auf eine Anfrage zu den Protesten:

„‚Zieht man ein paar Zuspitzungen ab, sagt Kelle viel Richtiges. Ich teile ihre Kritik an absurden Forschungen, bei denen Jungen nicht mehr Jungen und Mädchen nicht mehr Mädchen sein dürfen.‘

Den Auftritt in Urdenbach wertet Pantel als Manifest für die Meinungsfreiheit. Den Schulfrieden sieht auch Hintzsche (Dezernent der Schulverwaltung) nicht gefährdet: ‚Die Veranstaltung kann wie geplant stattfinden.‘“

Wenn die Lesung am kommenden Freitag stattfinden kann, dann ist das erst mal ein Sieg für die Freiheit. Deutlich wird aber an der Nervosität des Schulamtes und der Behörden, dass man sich auf diesem Erfolg nicht wird ausruhen können. Die Feinde der Freiheit von links und aus schwul-lesbischen Lobbygruppen (womit ich ausdrücklich nicht alle Homosexuellen in einen Topf geworfen sehen möchte) werden so schnell nicht aufgeben, die Lesung hat noch nicht ungestört stattgefunden, und weitere Proteste gegen andere derartige Veranstaltungen werden nicht auf sich warten lassen.

Und wenn diese Art der Kritik keine Früchte trägt – dann zeigt der eine oder andere auch schon mal ganz anders Gesicht: Auf der Schwulen-Lobbyseite „Männer“ (Untertitel „smart, sexy, schwul“) schreibt ein Kommentator (noch vor der Entscheidung, dass die Lesung stattfinden kann) auf einen entsprechenden Beitrag: „Sehr gut! Immer wieder eine in die F… Mit der Faust! Hoffentlich geht der Ollen bald die Puste aus und bleibt die Spucke weg, so wie allen anderen getarnten Rechtsidioten, mitunter der CDU und der Kirche!“ – dass solche Hass-Kommentare (immerhin kritisch zurückkommentiert) einfach „durchmoderiert“ werden, zeigt, wes Geistes Kind die Macher der Seite und ihre Fans sind.

Es kommt also an dieser Stelle nicht so sehr darauf an, ob man die Positionen von Birgit Kelle im Einzelnen teilt (was ich weitgehend tue), sondern darauf, ob in unserem Land eine Meinung weiterhin frei geäußert werden kann, die nicht nur nicht extremistisch ist, sondern im Gegenteil die Einstellung eines Großteils der Menschen in diesem Land widerspiegelt, wenn das auch einzelnen Lobbygruppen nicht gefallen mag. Und um dafür einzutreten, sind Zeichen notwendig: Auf CitizenGo ist eine Petition gegen ein Verbot der Lesung eingestellt, die innerhalb eines Tages mehr als 10.000 Unterzeichner gefunden hat – ich habe sie ebenfalls unterschrieben; nicht nur, weil ich die gleiche Meinung wie Birgit Kelle vertrete, sondern weil ich überzeugt bin, dass eine Meinung auch frei geäußert werden darf.

Ich lade Sie also ein, die Petition trotzdem noch zu unterschreiben, auch wenn die Entscheidung bereits positiv ausgefallen ist, um ein Zeichen auch gegen diese Art des Totalitarismus zu setzen!

Und natürlich wird es nicht schaden, am Donnerstagabend für eine gute, von mir aus kritische aber konstruktive Veranstaltung zu beten. Da ich selbst nicht werde teilnehmen können, ist das jedenfalls mein Plan zur Unterstützung von Birgit Kelle und zum Erhalt der Freiheit!

P.S. Oben zitierter Kommentator verweist übrigens auf dem verlinkten Facebook-Account auf einen Beitrag mit dem schönen Titel „Hassbotschaften melden, wenn Facebook nicht reagiert.“ – Nur falls jemand fragen sollte, wie ich auf den Begriff „Dummheit“ komme.

Online-Petition „Kein Auftrittsverbot für die Autorin Birgit Kelle“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


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