31. August 2015

Syngenta Das Management regiert die Welt

Eine schwierige Entscheidung für den Investor

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Bildquelle: shutterstock Syngenta: Überfordertes Management

An sich ist es mir am liebsten, wenn man die Unternehmen in Ruhe lässt. Aktiengesellschaften mit einer Top-Qualitätsmannschaft und einem aussichtsreichen Geschäftsfeld werden im Lauf der Jahrzehnte nur besser. Mir tut es in der Seele noch heute weh, dass wir in unserem Value-Fonds „ME Fonds – Special Values“ vor Jahren die wunderbaren Aktien der Hilti AG (Schweizer Börse) und des Kaugummi-Weltmarktführers Wrigley (US-Börse) abgeben mussten im Rahmen von Going-Private-Übernahme-Offerten. Zwar erzielten wir große Gewinne, aber eben nur einmalig. Langfristig hätten wir bis heute sicherlich viel mehr an Wertzuwachs. Im Fall des gescheiterten Take-Over-Versuchs Syngenta via Monsanto bin ich mir aber nicht so sicher.

Schauen wir uns den Fall Syngenta in Basel an: Man kann sich nur wundern. Da haben wir eine Aktie, die seit Jahren im Kurs hinter dem Markt herhinkt. Das Management hat sich aus Sicht der Aktionäre wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Da kommt eine Übernahme-Offerte vom US-Riesen Monsanto zu 449 Schweizer Franken pro Aktie, der Kurs liegt zuvor bei etwa 350 Schweizer Franken.

Das Management von Syngenta weigert sich, mit Monsanto zu sprechen. Der Übernahmepoker beginnt. Die Wochen gehen ins Land. Schließlich erhöht Monsanto vor kurzem das Gebot auf 470 Schweizer Franken pro Syngenta-Aktie. Das Management von Syngenta weigert sich auch jetzt noch, in Verhandlungen zu treten. Die Syngenta-Aktionäre werden nicht um ihr Votum gebeten. Ergebnis:

Monsanto schmeißt frustriert hin. Statt bei 470 Franken stehen die Syngenta-Aktien bei unter 350 Franken. Ein Konkurrent, wie zum Beispiel die BASF, die auch Agrarinteressen vertritt, tritt ebenfalls nicht in Erscheinung.

Wir haben es hier mit einem schleichenden Phänomen zu tun. Wie in der großen Politik der Wähler, so hat bei den Aktiengesellschaften der Aktionär immer weniger zu sagen. Im normalen Business ist das nachvollziehbar. Aber bei solch fundamentalen Entscheidungen, wo es um riesige Vermögenssummen geht, sollte der Aktionär ja wohl am Drücker sein. Stattdessen fuhrwerkt das Top-Management eigenmächtig herum.

Der Präsident von Syngenta, Herr Michel Demaré, war in den 80er Jahren mein Kollege bei Dow Chemical im Finanzressort. Ich habe ihn immer sehr geschätzt. Ohne ihm zu nahe zu treten, frage ich mich, ob er in dieser Schlüsselrolle bei Syngenta schlichtweg nicht etwa überfordert sein könnte. Andernfalls muss die Frage aufgeworfen werden, ob hier nicht rein aus Managementinteressen eine für die Aktionäre sehr günstige Übernahme sozusagen „sabotiert“ wurde. Zum Nachteil der Eigentümer, nämlich der Aktionäre.

Was bedeutet das nun für den Investor: Gegen ein Engagement bei Syngenta spricht, dass das Management mit Fragezeichen zu versehen ist. Deshalb haben wir bislang im „ME Fonds – Special Values“ von einem Investment in Syngenta-Aktien abgesehen. Auf der anderen Seite können die Topmanager, bei aller Chuzpe, nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Den Aktionären lagen immerhin 470 Schweizer Franken pro Aktie auf dem Tisch. Wie will man da in der Zukunft Kurse am Ende von unter 300 Franken erklären? Eine schwierige Entscheidung für den Investor.

Aber wer weiß: Vielleicht hat Syngenta mit Michel Demaré an der Spitze doch noch ein As im Ärmel und sie bringen den Kurs der Syngenta-Aktie auf Sicht in Richtung 500 bis 700 Schweizer Franken?

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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